Mikrophon, Laptop und Lan-Verbindung: mehr braucht es für eine digitale Chorprobe nicht
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Nur in kleiner Besetzung, auf Abstand und im Gottesdienst: Chorsingen ist im Moment stark eingeschränkt
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Regionalkantor Wilfried Kaets
Regionalkantor Wilfried Kaets

09.03.2021

Wie die Musik-Software "Jamulus" die Chorszene belebt Fast in Echtzeit

Bands und Chöre im Erzbistum Köln setzen verstärkt auf eine kostenlose Software, die gemeinsames Musizieren fast in Echtzeit via Internet ermöglicht. Einige technische Klippen gilt es aber zu umschiffen.

Klappt der heimische Klavierunterricht zwischen Kind und Lehrer via Zoom noch ganz gut, kommt die Videokonferenz-Technik spätestens bei mehreren Instrumenten oder Sängerinnen und Sängern an ihre Grenzen. Synchrones Spielen oder Singen klappt nicht – dafür sind die zeitlichen Verzögerungen zwischen den Usern zu groß. Da aber aufgrund der Aerosol-Belastung in Innenräumen an Proben nicht zu denken ist, behelfen sich die Musizierenden anders – unter anderem mit der kostenlosen Software "Jamulus".

Regionalkantor Wilfried Kaets ist der Projektleiter dazu im Erzbistum Köln. Direkt zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 suchte er nach technischen Lösungen, um mit seinen Kirchen-; Kinder- und Jugendchören in Köln-Bickendorf musikalisch in Kontakt zu bleiben.

Für den Anfang reicht das interne Mikro am PC

Proben für Gottesdienste sind zwar auch im März 2021 erlaubt, werden aber meistens nur in sehr reduzierter Form durchgeführt. Reine Zoom-Chorproben sind aber nicht für alle Mitglieder geeignet, da sich alle stumm schalten müssen und sie nur den Chorleiter am Klavier hören können, erklärt Kaets: "Es tun sich einige sehr schwer damit, ohne eine Stimme direkt neben sich, die richtige Stimme zu singen." Ein echter Chorklang kann natürlich erst gar nicht zustande kommen, wenn sich alle stumm schalten – doch synchrones Singen ist aufgrund der besagten Zeitverzögerung nicht möglich.

Da kommt die Open Source-Software Jamulus ins Spiel, mit der viele Chöre und Bands mittlerweile arbeiten, ursprünglich wurde sie für Jazz-Musik entwickelt, um digital zu "jammen". Kaets erklärt, dass es noch andere Softwares gibt, aber Jamulus hat seiner Meinung nach mehrere Vorteile: Sie ist kostenlos und außer dem Download von Jamulus braucht man "rasend wenig dazu", sagt der Kirchenmusiker: einen Kopfhörer, ein Mikrofon, einen Computer und einen LAN-Anschluss. Für den Anfang reicht sogar das interne Mikrofon am Computer, doch Kaets rät dringend zu einem externen Mikro. Die erste Stolperfalle liegt aber woanders: vor allem junge Leute haben mit der LAN-Verbindung ein Problem, denn sie sind nur W-LAN gewohnt und kennen nur Handy oder Tablets, aber keinen klassischen Computer mehr.

Generation W-LAN scheitert bisweilen an einem Kabel

"Dass man sich an seinem Router ein Kabel für den Computer anschließen kann, haben viele gar nicht auf dem Schirm", erzählt Kaets lächelnd über die "Generation W-LAN" der Jugendlichen. Aber auch die Jüngeren würden das LAN schließlich benutzen, denn die Kabel-Verbindung ist unabdingbar, um die zeitliche Verzögerung so klein wie möglich zu halten.

Mittlerweile hat er in speziellen Online-Proben mehr als 200 Interessierte geschult, es gibt detaillierte Anleitungen von ihm und anderen im Internet, wie die Software auf dem heimischen Computer zum Laufen gebracht wird. Zuerst müssen einige Einstellungen an der Soundkarte vorgenommen werden, dann am Programm selbst. Das Erzbistum Köln stellt mehrere Test-Server kostenlos zur Verfügung, über die Jamulus läuft. Das Besondere: haben sich die Mitglieder eines Chores in einer Gruppe erfolgreich angemeldet, sieht jeder die anderen Sänger auf einem virtuellen Mischpult mit Namen. Die einzelnen Stimmen können nach Stimmfach sortiert werden oder bei Bands nach Instrumenten.

Alle sind Tonmeister – jeweils für sich

"Jeder ist sein eigener Tontechniker, jeder kann jede Stimme rauf- oder runterziehen", erklärt Wilfried Kaets. Der Vorteil: möchte zum Beispiel ein Bass-Sänger vor allem seine eigene Stimmgruppe hören, kann er die hochziehen, die anderen Sängerinnen und Sänger kann er im Gegenzug etwas leiser stellen. Das betrifft aber nur den Klangeindruck für jedes Mitglied bei sich zuhause, jede Sängerin und jeder Sänger bestimmt individuell für sich, wie der Chor für sie oder ihn zuhause klingt.

Das Einpegeln der Stimmen zu Beginn einer Probe dauert immer etwas, auch sollen die Chorleiter nicht die Technik allein verantworten, empfiehlt Kaets. Er setzt auf mehrere Chormitglieder pro Chor, die als Mentoren bei der technischen Umsetzung helfen und sich mit der Software vertraut machen.

Chorproben mit 40 Stimmen plus Band sind möglich

Aber wie fehleranfällig ist Jamulus, wenn immer mehr die Software nutzen? Da hat bislang Wilfried Kaets bei seinen zahlreichen Online-Proben nur gute Erfahrungen gemacht. "Wir sind noch lange nicht an der Belastungsgrenze der Server angekommen", berichtet er. Ein Chor mit 50 Einzelstimmen ist nach seinen Erfahrungen kein Problem, die meisten Störungen kämen von den Usern selbst, etwa wenn jemand über ein Headset singen würde – das wäre fürs Sprechen und nicht fürs Singen geeignet und würde für viele Störgeräusche sorgen.

Mittlerweile kombinieren Kaets und andere Chorleiter Jamulus mit Zoom oder anderen Videokonferenz-Tools. Der Vorteil: die Musikerinnen und Musiker können sich auch sehen – das akustische Signal kommt aber ausschließlich über Jamulus, weil nur die Software synchrones Musizieren ermöglicht.

Auch Senioren machen mit

Auch Chöre mit älteren Mitgliedern proben über Jamulus, weiß Kaets aus seinen Fortbildungen. Allerdings gebe es auch Chormitglieder, die auf digitale Chorproben keine Lust hätten oder nach stundenlangen beruflichen Videokonferenzen tagsüber nicht auch noch abends am Rechner sitzen wollten.

Auch Regionalkantor Matthias Röttger arbeitet in Mettmann bei Düsseldorf mit Jamulus. Seine "Lambertuschöre" gehören zu den ersten Chören im Erzbistum Köln, die die Software nutzen. In Kombination mit Zoom hat er gute Erfahrungen gesammelt: "Das ist eine enorme Bereicherung, denn ich als Chorleiter höre die Sänger, wie sie das Erlernte anwenden oder wo es noch Probleme gibt."

Bands und Chöre haben trotz Lockdown dank der digitalen Proben wieder eine Perspektive auf gemeinsames Musizieren – doch bei aller technischen Raffinesse ist die Sehnsucht nach Musik machen von Angesicht zu Angesichts riesig, gibt Matthias Röttger zu: "Das kann man gar nicht in Worte fassen, wir wollen unbedingt wieder gemeinschaftlich singen, auch der persönliche Austausch, das Gespräch ist wichtig, das Zusammenkommen vor oder nach der Probe ist ja genauso wichtig wie die Probe selbst!"

Dank digitaler Probentechnik ist zumindest das gemeinsame Musizieren wieder möglich - die persönliche Begegnung muss da noch etwas warten.

Mathias Peter

(DR)

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