Ohne die Dombauhütten ist der Erhalt von Kathedralen wie dem Kölner Dom nicht möglich
Ohne die Dombauhütten ist der Erhalt von Kathedralen wie dem Kölner Dom nicht möglich
Dombaumeister Peter Füssenich auf einem Gerüst am Kölner Dom
Dombaumeister Peter Füssenich auf einem Gerüst am Kölner Dom

07.02.2019

Kölner Dombaumeister über Bauhüttenwesen als mögliches Kulturerbe "Handwerkstechniken wichtig wie die Kathedrale selbst"

Der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich hat in Paris den Antrag der Dombauhütten auf das immaterielle Weltkulturerbe mit abgegeben. Denn: "Die traditionellen Handwerkstechniken sind genauso wichtig wie die Kathedralen selbst", sagt er. 

DOMRADIO.DE: Was genau haben Sie in Paris abgegeben?

Peter Füssenich (Dombaumeister an der Dombauhütte des Kölner Doms): Das war der Antrag, um in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen zu werden. Wir sind mit einer kleinen Delegation der 18 Bauhütten, die diesen Antrag zusammengestellt haben, nach Paris gereist und haben dort vor einem Expertengremium im französischen Kulturministerium unseren Antrag vorgestellt, verteidigt und auf Nachfragen geantwortet. 

DOMRADIO.DE: Sie sagten, es waren Vertreter aus 18 Dombauhütten. Zieht man da an einem Strang oder gibt es auch irgendwie Konkurrenz?

Füssenich: Nein, von Konkurrenz kann überhaupt keine Rede sein. Wir sind ja im Rahmen der Vereinigung der Dombaumeisterhütten und Münsterbaumeister in Europa ohnehin eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich um das kulturelle Erbe Europas kümmert, um die Erhaltung der Bauten und Kathedralen. Deshalb gibt es da keine Konkurrenz. Wir ziehen alle an einem Strang, tauschen uns aus. Das ist auch das Geheimnis des Bauhüttenwesens, um das es geht.

DOMRADIO.DE: Wie begründet man den Antrag?

Füssenich: Wir sagen, dass die traditionellen Handwerkstechniken und das Wissen um die Kathedralen genauso wichtig sind, wie die Kathedralen selbst. Ohne die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bauhütten wäre der Erhalt dieser großartigen Kathedralen in Europa eben nicht möglich. 

DOMRADIO.DE: Nehmen wir an, der Antrag kommt durch: Hat das einen Vorteil für die Dombauhütte? Bekommen Sie Zuschüsse?

Füssenich: Es wäre schön, wenn damit finanziellen Mittel verbunden wären. Aber es handelt sich tatsächlich um eine ideele Sache, einen ideelen Antrag. Wir möchten, dass über unsere Arbeit gesprochen wird, wahrgenommen und wertgeschätzt wird, was wir für den Erhalt der Bauwerke in Europa tun.

DOMRADIO.DE: Sie haben etwas zur Kommission mitgenommen. Was war das?

Füssenich: Neben diesem umfangreichen Antrag haben wir eine gemeinsame Fiale, also einen typischen Turm einer Kathedrale, abgegeben - als Symbol für die großartige Zusammenarbeit der Bauhütten Europas. Der war anderthalb Meter hoch. Jede Kathedrale hat einen kleinen Teil dieser Fiale in ihrer eigenen Bauhütte gefertigt. Das war natürlich eine geplante Maßnahme. Das fertige Stück wurde dann der Kommission präsentiert.

DOMRADIO.DE: Ist signalisiert worden, wie hoch die Chancen stehen, dass die Dombauhütten als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt werden?

Füssenich: Das entscheidet die Unesco-Kommission im November 2020 bei ihrer alljährlichen Tagung. Aber unser Antrag wurde sehr gelobt. Von daher können wir davon ausgehen, dass wir recht gute Chancen haben.

DOMRADIO.DE: Wenn viele Dombaumeister zusammentreffen, gibt es so etwas wie ein kleines Symposium oder einfach nur ein Treffen zum Wein trinken?

Füssenich: Es war tatsächlich eine Auswahlkommission der Dombaumeister-Vereinigung verschiedener Mitarbeiter der Dombauhütten. Wir waren eine relativ kleine Gruppe von zehn Leuten, die in Paris den Antrag vorgestellt hat. Wenn wir uns treffen, dann haben wir uns natürlich immer was zu erzählen und auszutauschen. Und das ist immer sehr lebendig und natürlich auch fruchtbar. Das ist genau der Geist, in dem wir in den Dombauhütten arbeiten. 

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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