Blick in die Glockenstube mit den sechs Glocken
Blick in die Glockenstube mit den sechs Glocken
Bis zum Weihetag wurde Tag und Nacht durchgearbeitet.
Bukarester Kathedrale im Bau
"Der dicke Pitter" im Kölner Dom
"Der dicke Pitter" im Kölner Dom

28.11.2018 - 00:00

Kölner Petersglocke auf Platz 2 verwiesen Staffelstab übergeben

Am vergangenen Samstag erklang in Bukarest erstmals offiziell die große Glocke der Kathedrale der Erlösung des rumänischen Volkes. Mit knapp 25,2 Tonnen Gewicht ist sie die neue größte freischwingende Glocke der Welt.

Es ist ein Bau der Superlative, der am Sonntag seiner Bestimmung übergeben wurde. Seit acht Jahren wird an der Kathedrale der Erlösung des rumänischen Volkes gebaut. Mit der Vollendung rechnet man in etwa fünf Jahren. Mit einer Länge und Höhe von 120 Metern und einer Breite von 70 Metern wird die Kathedrale des Patriarchen von Bukarest eine der größten orthodoxen Kirchen weltweit sein.

Der Bau ist – wie eigentlich jedes Großprojekt – nicht unumstritten in der Bevölkerung, der Wunsch nach einem repräsentativen Nationalheiligtum gleichwohl schon sehr alt. 1885 wurde die rumänisch-orthodoxe Kirche autokephal (eigenständig) und 1925 zum Patriarchat erklärt. Als Patriarchalkathedrale dient seither die Kirche St. Konstantin und Helena, die aber immer als zu klein und daher als Provisorium empfunden wurde.

Längst größere Glocken als in Bukarest und in Köln

Bereits am Vorabend der Weihe der neuen Kathedrale feierte Patriarch Daniel einen Gottesdienst zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs, nach dem Rumänien in seiner größten territorialen Ausdehnung entstand. Während der Feier erklang die große Glocke der neuen Kathedrale, die mit fünf weiteren bereits vor zwei Jahren in der Innsbrucker Gießerei Grassmayr gefertigt worden war.

Mit einem Gewicht von 25.190 kg löst sie die Kölner Petersglocke als größte freischwingende Glocke der Welt ab. Es gibt freilich noch größere Glocken vor allem in Osteuropa und Asien. Diese sind jedoch in der Regel starr aufgehängt und werden lediglich angeschlagen. Das hat vor allem in der Ostkirche eine lange Tradition.

Beim freischwingenden Läuten entwickelt eine Glocke Schubkräfte, die etwa das Dreifache ihres Eigengewichts ausmachen. Daher hat sich in einigen Ländern das gekröpfte Läuten entwickelt. Hierbei wird die Schwungachse durch Stelzung des Jochs tiefer in die Glocke hineingelegt, so dass diese nicht mehr in ihrer vollen Länge durchschwingt, sondern je nach Stärke der Kröpfung eher schaukelt und somit auch weniger Schubkräfte entwickelt. Klanglich ist dieses Läuten jedoch oft mit Einbußen verbunden.

Größere Glocken als in Köln und Bukarest, die schwingend an gekröpften Jochen läuten, gibt es weltweit einige. Den Rekord wird demnächst die 55 Tonnen schwere "Vox Patris" aufstellen, die künftig im zentralbrasilianischen Trindade läuten soll – freilich an einem stark verkröpften Joch, an dem die Glocke mehr schaukelt als schwingt.

Wunsch nach Rekord kam aus Bukarest

Um ein weiteres Verweisen auf tiefere Rangplätze müssen sich die Kölner also vorerst keine Sorgen machen. Gleichwohl ist dem Blätterwald der Rheinmetropole ein gewisses Unbehagen zu entnehmen, dass der Staffelstab der Nr. 1 nun nach Bukarest übergeben worden ist. Es sei darauf angelegt worden, den "decken Pitter" vom Thron zu stoßen. Der Eindruck werde zusätzlich noch dadurch verstärkt, dass die Firma Grassmayr, in der die neue Nr. 1 am 11.11.2016 gegossen wurde, in Österreich ihren Sitz hat. Und Österreicher seien ja den "Piefkes" traditionell nicht wohlgesonnen, hieß es in der Kölnischen Rundschau.

Doch das Gegenteil ist hier der Fall: Der Wunsch, auch in Sachen Glocken einen Rekord aufzustellen, kam ausdrücklich vom Auftraggeber, also vom rumänisch-orthodoxen Patriarchat. Die Glockengießerei habe aus Respekt vor der Kölner Petersglocke, die mit 24 Tonnen auch nur geschätzt wird, zunächst ein Gewicht von unter 20 Tonnen angeboten, das aber dann auf Wunsch des Auftraggebers erhöht wurde, berichtet Johannes Grassmayr. Und bekanntlich ist der Kunde König.

Die Weihe der Kathedrale in Bukarest am vergangenen Sonntag, die Patriarch Daniel zusammen mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios I. vornahm, bildete den Auftakt zu einer Reihe von Festlichkeiten anlässlich der 100-Jahr-Feier des rumänischen Staates und gipfelt schließlich im Nationalfeiertag am 1. Dezember, an dem sich 1918 die mehrheitlich rumänisch besiedelten Gebiete Russlands und Österreich-Ungarns Rumänien angeschlossen haben.

Köln behält tontiefste freischwingende Glocke der Welt

Nun stellt sich die Frage, welche der beiden Glocke die klanglich schönere ist, ob nicht Köln doch noch etwas von seinem einstigen Superlativ behalten kann. Schönheit ist bekanntlich eine Geschmackssache. Fakt ist aber, dass die Kölner Petersglocke tontiefer klingt als ihre neue Schwester in Bukarest, ja sogar fast um einen Halbton. Während nämlich die neue Nr. 1 etwas über dem tiefen c in der kleinen Oktav steht, liegt der Schlagton des "decken Pitter" zwischen c in der kleinen und H in der großen Oktav.

Auch der Nebenschlagton liegt in Köln tiefer. Während die Petersglocke den Durterznebenschlagton e hat, erklingt die Bukarester Glocke mit einem Quartnebenschlagton f. Köln müsste also lediglich die Sportart von "größte" auf "tontiefste" ändern, um auf Platz 1 zu bleiben, denn die Petersglocke bleibt nach wie vor die tontiefste freischwingende Glocke der Welt.

Jan Hendrik Stens
(DR)

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