Sprache und Macht
"Wir gehen verantwortungsvoll mit der Sprache um": EKD über die zweifelhafte Auszeichnung als Sprachpanscher
Thies Gundlach
Thies Gundlach

28.08.2017

"Sprachpanscher": EKD nimmt Auszeichnung gelassen "Nicht in tiefem Kummer"

"Godspot" statt HotSpot: Für ihre Wortfindungen wurde die Evangelische Kirche in Deutschland mit dem "Sprachpanscher des Jahres" prämiert. "Natürlich brauchen wir neue Sprache", erklärt Thies Gundlach von der EKD bei domradio.de.

domradio.de: Rund 2.000 Mitglieder des Vereins der Deutschen Sprache haben sich dafür ausgesprochen, dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die zweifelhafte Auszeichnung "Sprachpanscher des Jahres" erhält. Wie reagieren Sie darauf?

Dr. Thies Gundlach (Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland): Gelassen. Das ist eine Einschätzung, die man haben kann. Aber das bringt uns jetzt hier auch nicht in tiefen Kummer.

domradio.de: Im diesjährigen Reformationsjubiläum gibt es ja zahlreiche kreative Wortschöpfungen von der EKD, wie zum Beispiel "godspot" - freies WLAN in evangelischen Kirchen - oder auch den interaktiven Segensroboter "BlessU-2". Das klingt so, als wollten Sie damit vielleicht mehr Jugendliche erreichen, oder?

Gundlach: Jedenfalls ist es der Versuch Sprache, zu finden und nicht ausschließlich darauf konzentriert zu sein, in klassischer Sprache zu sprechen. Wir wollen auch mehr Klientel erreichen. Der "BlessU-2" ist eine Installation, die ganz bewusst versucht, den Segen und die Dimension, die die Kirche damit verbindet, mal in einem anderen Kontext zu thematisieren. Es lohnt sich, den Segensroboter in Wittenberg auf der Weltausstellung mal mitzuerleben.

domradio.de: Ist das auch durch die Sprache Martin Luthers beeinflusst?

Gundlach: Genau. Martin Luther hat sich aus so vielen anderen Bereichen Sprache geliehen, dass wir heute noch über dessen Kreativität staunen. Damals waren Anglizismen noch nicht so in Mode. Aber man muss auch entspannt bleiben und sagen: Natürlich brauchen wir neue Sprache und die entwickelt sich nicht am Schreibtisch, sondern im Umgang. Dazu gehören eben auch Analogiebildungen wie "Godspot."

domradio.de: Könnte man aber nicht einfach auch einen guten deutschen Titel suchen? Ist Englisch immer unbedingt die bessere Wahl?

Gundlach: Nein, weder immer, noch prinzipiell. Aber in bestimmten Situationen, gerade im Umfeld von Internet und digitalisierte Kommunikation, ist die Erfindung von englischen Ausdrücken wirklich keine spezifische Kompetenz der EKD. Das ist ja die durchgängige Formulierung. In den gesamten Bereichen der IT-Entwicklung gibt es auch viele englische Wörter. Das kann man gut finden oder auch nicht. Aber daraus irgendwie einen besonderen Konflikt oder ein Problem zu machen, das können wir so nicht akzeptieren.

domradio.de: Die EKD wurde ja schon häufiger vom Verein der Deutschen Sprache kritisiert…

Gundlach: Ja, wir sind die besonderen Freunde des Vereins. Das kommt uns auch so vor.

domradio.de: Gibt Ihnen das zu denken?

Gundlach: Wir sind auch unabhängig vom Verein der Deutschen Sprache ganz anders unterwegs. Die neue Lutherübersetzung ist ein ganz akkurater und sehr wissenschaftlich abgesicherter Versuch, zur Originalsprache von Martin Luther zurückzukommen. Viele Veränderungen, die in den 80er und 90er Jahren gemacht wurden, sind korrigiert worden.

Insofern ist dieses Bild der EKD als "Sprachpanscher des Jahres" ein ganz schmaler Auszug aus dem, was wir machen. Wir gehen verantwortungsvoll mit der Sprache um, die uns durch Martin Luther überliefert wurde und die wir sehr schätzen. Insofern ist diese Auszeichnung auch nicht so katastrophal, wie man das vielleicht denken sollte.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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