Dialogpredigt mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (r.)
Dialogpredigt mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (r.)
Pater Werner Holter mit Ministerpräsident Armin Laschet
Pater Werner Holter mit Ministerpräsident Armin Laschet
Die vollbesetzte Sankt Peter Kirche
Die vollbesetzte Sankt Peter Kirche
Im Dialog: Jesuitenpater Werner Holter und Armin Laschet
Im Dialog: Jesuitenpater Werner Holter und Armin Laschet
Laschet: "Es tut jedem Menschen gut, auf etwas zu verzichten"
Laschet: "Es tut jedem Menschen gut, auf etwas zu verzichten"
Pater Holter bedankt sich bei Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident für den Besuch
Pater Holter bedankt sich bei Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident für den Besuch

21.08.2017

Dialogpredigt mit NRW-Ministerpräsident Laschet in der Kölner Kunststation St. Peter Zwischen lernfähigem Jesus und hartnäckiger Frau

Auf Einladung des Jesuitenpaters Werner Holter zur letzten Dialogpredigt in St. Peter sprach der NRW-Regierungschef und Katholik Armin Laschet über den Wert der Arbeit, Bildung, Integration und die Notwendigkeit, Verzicht zu üben.

Ein wenig nervös war der Jesuitenpater und Pfarrer der Kunststation St. Peter Werner Holter schon, als er auf den hohen Besuch vor seiner voll besetzten Kirche wartete. Zur 34. und seiner letzten Dialogpredigt als Pfarrer von St. Peter hatte er den neu gewählten CDU-Ministerpräsidenten Armin Laschet zum Sonntagsgottesdienst um 12 Uhr eingeladen, um mit ihm über das Tagesevangelium und die ethischen Herausforderungen eines christlichen Politikers zu sprechen.

Wer ist sympathischer?

In gewohnt ruhiger Art forderte Pater Holter seinen hohen Gast mit direkten Fragen immer wieder heraus. Die Geschichte der kanaanäischen Frau im Matthäus-Evangelium, die hartnäckig den widerstrebenden Jesus mit Argumenten zum Einlenken bewegt, ihre Tochter doch zu heilen, war für ihn eine Steilvorlage, um seinen Dialogpartner zu fragen: "Ist Ihnen der lernfähige Jesus oder die hartnäckige Frau aus Kanaan sympathischer?".

Laschet gab zu, dass Hartnäckigkeit im Politikerleben schon wichtig sei. Mit ehrlicher Bewunderung stellte er aber auch fest, dass es in der Bibel einen Gott gibt, mit dem man diskutieren und ihn sogar zum Einlenken bewegen kann. Am Beispiel Jesu im Umgang mit der Frau aus Kanaan sah er die Aufforderung, immer wieder dazuzulernen und nicht alles im Schwarz-Weiß-Schema abzuhandeln. Holter erwiderte daraufhin, dass Lernprozesse auch für die Kirche wichtig seien.

Gemeinsame Werte entdecken

Wie begegnet Laschet als christlicher Politiker Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und anderem religiösen Background, wollte Holter von seinem Dialoggast wissen. Laschet verwies auf seine Erfahrungen als NRW-Integrationsminister. In den vielen Gesprächen mit Menschen aus anderen Kulturen und Religionen habe er viel dazugelernt. Wichtig wäre es, bei allen Unterschieden das Gemeinsame zu betonen. So gäbe es bei allen großen Weltreligionen die Tradition des Fastens. "Es tut jedem Menschen gut, auf etwas zu verzichten", meinte er. Gerade in einer Überflussgesellschaft falle dies nicht leicht, aber "auf diese Weise besinnt man sich wieder auf das Wesentliche."

Durch das Gespräch mit Zuwanderern könne man aber auch lernen, welche Werte einem selbst verloren gegangen sind, meinte Laschet. Als Beispiele nannte er den Respekt vor dem Alter, der Lebensleistung und den Wert des Familienzusammenhalts. Zuwanderer könnten umgekehrt im Dialog auch die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft kennen lernen. Das führe zu mehr Respekt unter den Menschen. Bildung sei ein wichtiger Schlüssel für die Integration, und sie sei unabhängig von der ethnischen Herkunft, meinte Laschet. "Oft kann das Kind des türkischen Rechtsanwalts viel besser Deutsch sprechen als manches deutsche Kind, weil in vielen Familien zu wenig vorgelesen wird."

Arbeit wichtiger als Ökologie?

Angesprochen auf die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Menschen, verwies Laschet auf die in der Enzyklika „Rerum novarum“ 1891 veröffentlichte katholische Soziallehre  von Papst Leo XIII., die "viel zu spät" formuliert worden sei.  Papst Johannes Paul II. habe im Jahr 1991 noch einmal die Idee der sozialen Gerechtigkeit bekräftigt. Laschet forderte auf Grundlage der katholischen Soziallehre, "der Arbeit einen eigenen moralischen Wert zu geben". Da müssten auch mal ökologische Anliegen zu Gunsten von Arbeitsplätzen zurückstecken.

Eine besondere Erfahrung

Nach dem Gottesdienst erzählte Armin Laschet, dass diese Dialogpredigt in der Kirche für ihn ein besonderer öffentlicher Auftritt war. "Da ist man schon aufgeregter und versucht, auf nachdenklicherer Art als auf einer Wahlversammlung zu sprechen." Es würde ja auch um ihn als Menschen und nicht nur als Politiker gehen. Laschet ist nach eigenen Angaben gerne zur Kunststation St. Peter gekommen, weil weit über Köln hinaus "hier der Dialog sehr unterschiedlicher Menschen in einer offenen Weise gepflegt wird." Von diesem Sonntagsgottesdienst hat er mitgenommen, nicht zu vergessen, dass er bei jeder Begegnung mit einem Menschen immer etwas dazulernen kann.

Die knapp 300 Gottesdienstbesucher verfolgten die Dialogpredigt mit dem Ministerpräsidenten aufmerksam und mit Interesse. Einige nutzten die Gelegenheit, mit ihrem Landesvater das eine oder andere persönliche Anliegen zu besprechen. Es gab aber auch kritische Stimmen. Nicht alle Gottesdienstbesucher waren einverstanden, dass Laschet einen Vorrang der Arbeit vor der Ökologie proklamierte, denn als Christ sei er ja auch für die Bewahrung der Schöpfung verantwortlich.

Viel Zeit hatte Pater Holter nach dem Gottesdienst nicht. Um 14 Uhr war er schon wieder bei einer Taufe in seiner Kirche. Ab 1. September hat er bis Ende des Jahres eine Auszeit. Bis dahin will er noch eine Wunschliste für zukünftige Aufgaben erstellen. Doch noch ist seine Zukunft völlig offen. Am Ende entscheidet sein Provinzial, wie es weitergeht. "Aber es wird sicher darauf Rücksicht genommen, was mir liegt", sagt Pater Holter mit einem ruhigen Lächeln.

Birgitt Schippers
(dr, KNA)

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