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Kleine: Auch eine Gemeinschaft, die vor einem Bildschirm oder einem Radio sitzt, ist eine Gemeinschaft

15.03.2020

Kölner Stadtdechant zu Gottesdienstausfällen wegen Corona Beten vor dem Bildschirm?

Auf Anraten der Stadt Köln hat das Erzbistum Köln bis Karfreitag alle öffentlichen Messen ausgesetzt. Stadtdechant Kleine erläutert, was das ganz praktisch bedeutet und was der einzelne Gläubige jetzt trotzdem tun kann. 

DOMRADIO.DE: Was hieß das gestern für Sie, als die Stadt das bekanntgab? Da haben Sie schnell reagieren müssen, oder?

Monsignore Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant): Als wir hörten, dass in einer Pressekonferenz diese Maßnahme von der Oberbürgermeisterin verkündet worden ist, habe ich sie auch persönlich erreichen können. Sie hat das bestätigt, sodass wir uns, bevor die offizielle Verlautbarung erschienen war, schon mit einem kleinen Stab zusammensetzen konnten.

Der Generalvikar, der Dompropst und der Erzbischof wurden angerufen. Und dann war ganz schnell klar: Bevor es viele unterschiedliche Regelungen gibt, wenn einzelne Kommunen nachziehen, wollten wir das für das ganze Erzbistum durchsetzen. Diese Entscheidung hat dann ja der Erzbischof von sich aus getroffen.

DOMRADIO.DE: Vonseiten des Kölner Doms heißt es: Die Portale werden erst mal nicht geschlossen. Es soll weiter die Möglichkeit geben, persönlich zu beten. Wie gehen Sie damit in den Kölner Kirchen um?

Kleine: Es ist eine Maßnahme, dass man Zusammenkünfte von Menschen unterbindet, wenn man nicht weiß, wo die Menschen herkommen und wo sie waren. Es geht um die Einschränkung der Verbreitung des Virus. Das Einzelne in die Kirche kommen, ist natürlich nicht untersagt. Und deshalb – ganz klar – ist die Direktive auch des Erzbischofs, dass unsere Kirchen alle geöffnet bleiben, so wie sonst auch. Einige sind ganz geöffnet, einige bis zu einem Gitter. 

Die Menschen sollen wie gewohnt in die Kirchen kommen, beten, eine Kerze anzünden können – gerade in dieser besonderen Zeit. Aber es gibt eben keine Gottesdienste, keine Messen, auch keine Taufen und keine Trauungen.

DOMRADIO.DE: Die Kirchenglocken laden die Menschen dazu ein, in die Kirche zu kommen, wenn ein Gottesdienst stattfindet. Läuten die Glocken im Erzbistum Köln oder am Dom?

Kleine: Die Glocken haben ja mehrere Funktionen. Der Stundenschlag geht ganz durch, und das Läuten lädt alle zum Gottesdienst ein. Da die Menschen aber nicht zum Gottesdienst kommen können, bleiben die Glocken in den Pfarreien ausgeschaltet.

DOMRADIO.DE: Und werden dann nur zur Wandlung geläutet?

Kleine: Genau.

DOMRADIO.DE: Was ist mit Beerdigungen? Finden die weiter statt?

Kleine: Da sind wir als Kirche natürlich gefragt, dass wir diesen Dienst tun. Aber Beerdigungen finden ja auf anderen Geländen und in anderen Gebäuden statt. Exequien kann es nicht geben. Eine Messe für den Verstorbenen muss man also später nachfeiern. Doch es gibt noch keine Regelung, was die Friedhöfe betrifft.

Es kann sein, dass keine Feiern in Friedhofshallen stattfinden können. Und am Ende kann es sein, dass es da auch eine Begrenzung der Trauerfeier im Bezug auf die Größe der Trauergesellschaft gibt. Aber das ist jetzt in die Zukunft geschaut.

DOMRADIO.DE: Was machen wir nun am Sonntag. Wie gehen wir als Christen mit der Lage um?

Kleine: Wir haben ja die Möglichkeit, seit langem auch über DOMRADIO.DE, dass wir den Gottesdienst übertragen, vor allem die heiligen Messen aus dem Dom. Diese Gottesdienst-Übertragungen gibt es sonntags um 10 Uhr und wochentags um 8 Uhr – das wird natürlich fortgesetzt. Da können die Menschen die Messe mitfeiern und miterleben, so wie das auch früher schon diejenigen tun konnten, die beispielsweise aus Krankheitsgründen keine Gelegenheit hatten, in die Messe zu gehen. Sie können mitsingen und mitbeten.

Das gibt uns die Möglichkeit, dass wir zunächst einmal bis Karfreitag, eine große Gemeinschaft in der Feier der Eucharistie sind. Eine Gemeinschaft, die aber an ganz unterschiedlichen Orten sitzt – eben vor einem Bildschirm oder einem Radio. Aber auch das ist eine Gemeinschaft. Auch da feiern wir Eucharistie. Da man dann nicht zur Kommunion gehen kann, muss es eben die geistliche Kommunion sein. Wir müssen wirklich das miteinander Durchstehen in dieser besonderen und schwierigen Zeit.

DOMRADIO.DE: Bis Karfreitag sollen jetzt erst einmal alle Messen aussetzen. Das ist der Plan. Schauen wir mal nach vorne: Wie wird es weitergehen, was denken Sie, auch im Blick auf Ostern? Der Vatikan hat angekündigt, wegen des aktuellen Gesundheitsnotstands alle liturgischen Feiern in der Karwoche zu feiern, ohne dass Gläubige anwesend sein werden. Es wird also niemand im Petersdom und auf dem Petersplatz sein...

Kleine: Bis dahin ist es ja noch etwas hin. Ich persönlich hoffe, dass die Maßnahmen greifen und zu einer Verringerung der Neuinfektionen führen. Aber ich bin kein Virologe. Ich kann mich nur auf das verlassen, was die Wissenschaftler sagen, nämlich dass das etwas langwieriger werden kann. Ganz klar ist: Alle Gottesdienste werden übertragen. Auch die Palmsonntagsliturgie mit der Passion und der Palmweihe wird natürlich übertragen werden. Wie das Ostern ist, werden wir dann schauen müssen. Es ist klar, dass es immer diese Möglichkeit gibt, über die digitalen Medien mitzufeiern.

Vielleicht noch ein kleiner Hinweis: Da natürlich viele Menschen immer in unsere Gottesdienste kommen und gerade auch werktags und morgens arbeiten müssen, haben wir mit dem DOMRADIO arrangiert, dass nicht nur die 10 Uhr Messe sonntags und die 8 Uhr Messe wochentags übertragen wird. Zusätzlich wird an jedem Tag, Sonntag bis Samstag um 18 Uhr der Rosenkranz und um 18:30 Uhr noch eine weitere Messe aus dem Dom übertragen, sodass auch die, die tagsüber unterwegs sind, in der großen Gemeinschaft der Mitschauenden und Mitbetenden Messe feiern können.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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