Kölner Dom
Kölner Dom

20.12.2019

Dombaumeister zieht Bilanz für den Kölner Dom 2019 Domschweizerinnen, Sturmschäden, Welterbe

Für den Kölner Dom war 2019 ein gar historisches Jahr. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kathedrale wurden Frauen als Domschweizerinnen zugelassen. Für Aufsehen sorgte auch, dass der Dom bald ganz ohne Baugerüste dastehen sollte...

"Schuld" daran war ein Zeitungsbericht. Wie es dazu kam? Der Kölner Dombaumeister Füssenich zeigt sich irritiert: "Das hat mich in der Tat erschrocken. Wir Kölner wissen ja, was das bedeutet, dass dann unmittelbar danach die Welt untergeht, wenn der Dom keine Gerüste mehr trägt oder fertig ist." Dafür wollen er und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dombauhütte natürlich nicht verantwortlich gemacht werden.

Ein gerüstfreier Dom?

Und genau deswegen, so verspricht Dombaumeister Peter Füssenich, wird es auch in den kommenden Jahrhunderten Gerüste am Kölner Dom geben. Anlass dieser Zeitungsberichte waren Spekulationen darüber, dass das große Gerüst am Nordturm bald abgebaut werden könnte und dann die Front der Kathedrale gerüstfrei sei. Das stimme auch, sagt Füssenich. Aber zunächst müssten am Turm noch zwei reparierte Engel angebracht werden: "Diese Engel sind fast drei Meter groß und müssen dann im kommenden Jahr dort eingebaut werden. Das wird in den Sommermonaten der Fall sein, sodass wir 2021 auch das große Turmgerüst abnehmen werden", so Füssenich. Dann werde auch der Nordturm wieder gerüstfrei sein. Zumindest die beiden Turmspitzen seien dann eine zeitlang wenigstens ohne Gerüste. "Aber ein paar andere haben wir immer noch", bestätigt der Dombaumeister schmunzelnd.

Sturmschäden am Dom

Und dann war da im vergangenen Jahr auch noch Orkan Eberhard, der im März mit 110 Stundenkilometern am Dom rüttelte und eine der kleineren Turmspitzen an der Bahnhofseite gehörig ins Wanken brachte. Es wurden direkt alle Bereiche abgesperrt und gesichert, dazu noch ein Gerüst aufgebaut. Peter Füssenich erklärt die schnellen Maßnahmen, die getroffen wurden: "Ebenso mussten wir die fast acht Meter hohe Fiale abbauen, um sie dann zu reparieren." Die Reparatur dauerte drei Monate, so Füssenich: "Es können jetzt alle beruhigt sein. Da passiert jetzt nichts mehr."

Es gibt aber auch viel Schönes aus dem Dom zu berichten. Da wurde zum Beispiel in der Marienkapelle das älteste Wandgemälde im Kölner Dom aus dem Jahre 1260 gereinigt. Es zeigt den Marientod. Maria auf dem Sterbebett, eine eigentlich unübliche Mariendarstellung. Mariä Himmelfahrt kennt man viel häufiger.

Dem stimmt der Kölner Dombaumeister zu: "Der Tod ist eine seltenere Darstellung, wenngleich er aber doch vorkommt. In diesem Fall wird ja auch Christus gezeigt, wie er die Seele Marias in den Händen hält. Es ist eine sehr anrührende Darstellung." Einen solchen Schatz beherbergt der Kölner Dom auch. Erklärungen und eine spannende Einordnug zum uralten gotischen Marienbild finden sich auch im soeben erschienenen Domblatt 2019.

2020: Dombauhütte als Unesco Welterbe

Damit die uralten Kunstschätze im Dom und der Dom selbst heil bleiben, gibt es die Dombauhütte. Es könnte nun sein, dass die Dombauhütte im kommenden Jahr von der Unesco als Welterbe offiziell eingetragen wird.

Eine Anerkennung, die Dombaumeister Füssenich auch als besondere Wertschätzung für seine tüchtigen Mitarbeiter sieht: "Mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Österreich und Norwegen haben gemeinsam einen Antrag zur Eintragung der Bauhütte Europas in das immaterielle Welterbe gestellt. Wir sind ganz froh, dass wir diesen hervorragenden Antrag zusammen erarbeiten konnten, und hoffen dann auf eine positive Entscheidung im kommenden Jahr."

Erstmals Domschweizerinnen

Und eine geradezu historische Neuerung hatte der Dom in diesem Jahr auch noch zu bieten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kathedrale wurden Frauen als Domschweizerinnen zugelassen. Denn Domschweizer war über Jahrhunderte eine reine Männerbastion. Aber seit Mai sind vier der 30 Domschweizer Frauen.

Wie ihre männlichen Kollegen tragen sie stolz ihre auffälligen Roben, die aus dem Halbdunkel des mächtigen Gotteshauses schon von weitem wie rote Punkte hervorstechen. So kann man sie schnell finden - denn die wichtigste Aufgabe der Schweizer ist es, Ansprechpartner für die täglich bis zu 30.000 Dombesucher zu sein.

"Wir haben den Schritt nicht bereut, auch Frauen einzustellen", bekräftigt Dompropst Gerd Bachner, der Hausherr des Doms. "Natürlich war es für alle Neuland, aber inzwischen haben alle Kollegen verstanden, dass die Damen eine Bereicherung sind anstatt dass etwas verloren ginge." Das ganze Team verbinde "die Liebe und Begeisterung zum Dom" - und darauf komme es an.

(DR)

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