Wahlhelferin (Symbolbild)
Wahlhelferin (Symbolbild)
Birgit Stollhoff, Ordensschwester der Congregatio Jesu (CJ), vor einem Porträt der Ordensgründerin Maria Ward
Birgit Stollhoff, Ordensschwester der Congregatio Jesu (CJ), vor einem Porträt der Ordensgründerin Maria Ward

18.09.2021

Ordensschwester engagiert sich als Wahlhelferin "Ein großes Dankeschön an die Demokratie"

Sie garantieren einen ordnungsgemäßen Ablauf einer Wahl, die vielen Helferinnen und Helfer. Die Ordensfrau Birgit Stollholf war schon bei Kommunalwahlen in der Region Hannover im Einsatz – und jetzt auch bei der Bundestagswahl.

DOMRADIO.DE: Wie war denn Ihre erste Erfahrung bei den Kommunalwahlen?

Sr. Birgit Stollhoff CJ (Ordensschwester der Congregatio Jesu): Ich kann sagen, dass ich jetzt sehr, sehr großen Respekt habe vor all denjenigen, die Wahlen durchführen und vorbereiten, und vielleicht noch größeren Respekt vor der Demokratie. Weil ich jetzt gerade bei Kommunalwahlen gemerkt habe – das waren insgesamt vier Wahlen – was das wirklich für eine Organisation und ein Aufwand ist.

DOMRADIO.DE: Was genau haben Sie da gemacht?

Sr. Birgit: Ich war tatsächlich Wahlvorstand für die Briefwahl. Wir waren ein Team von elf Leuten, völlig zusammengewürfelt. Vorbereitet wurden wir durch einen Film, eine Konferenzschaltung mit Unterlagen und haben dann – ich  glaube – knapp 800 Stimmen ausgezählt, aber eben viermal, auch mit diesen komplexen Kommunalwahl-Stimmen.

Also ich finde, allein so einen Kommunalwahlzettel handzuhaben, der ist ja größer als mancher Schreibtisch, das war richtig sportlich, dann noch die Organisation eines fremden Teams mit so einer komplexen Aufgabe und auch diese Formulare auszufüllen... fand ich richtig sportlich. Um 14 Uhr war ich im Rathaus und ich bin nachts um halb eins rausgekommen.

DOMRADIO.DE: Am 26. September ist der Tag der Bundestagswahl. Meinen Sie, das wird nochmal anders? Vielleicht sogar aufregender, weil die Wahl fürs ganze Land gilt?

Sr. Birgit: Ich glaube, es wird auf jeden Fall aufregender, ohne die Kommunalwahl abtun zu wollen. Aber ich glaube, es fühlt sich nochmal bedeutender an. Organisatorisch wird es leichter, weil es tatsächlich nur das System Erst- und Zweitstimmen ist und nicht Kumulieren und Panaschieren, was im Auszählen nochmal wirklich sportlicher ist.

Ich habe da jetzt wirklich im Rückblick auch nochmal so unendlich großen Respekt vor dem Druck, der zum Beispiel auf diesen Stimmauszählern in Amerika gelastet haben muss, das richtig zu machen. Denn es ist fast irgendwie unmöglich, sich da mal nicht zu verzählen.

DOMRADIO.DE: Warum machen Sie das als Ordensfrau? Warum haben Sie sich als Wahlhelferin gemeldet?

Sr. Birgit: Das war für mich tatsächlich ein Ergebnis aus einer geistlichen Begleitung, weil ich früher, vor meinem Ordenseintritt, politisch in einer Partei aktiv war. Und dann gemerkt habe, mit dem Eintritt in den Orden ist die Aktivität nicht mehr stimmig. Es war auch nicht möglich, das irgendwie ruhend stellen zu lassen.

Und ich merke immer wirklich, bei Wahlen habe ich eine große Dankbarkeit an die Demokratie. Gerade da, dass ich merke, es ist doch gar nicht selbstverständlich, dass wir hier demokratisch wählen dürfen. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich als Frau in diesem Lebensstand, den ich mir gewählt habe, in der Kleidung, die ich gewählt habe, frei und ungehindert zu einer Wahl gehen kann und auch selber gewählt werden kann.

Das war in Deutschland, wenn man auch den Osten mitnimmt, bis vor 50 Jahren nicht selbstverständlich. Das ist weltweit nicht selbstverständlich. Und wir sehen auch, dass es immer wieder zurückgeschraubt werden kann für Frauen oder auch für andere. Und dass ich da für mich gemerkt habe: Es ist wirklich mein großes, großes Dankeschön an eine Demokratie, von der ich noch mehr gelernt habe, wie verletzlich sie ist.

DOMRADIO.DE: Haben die anderen gewusst, dass Sie eine Ordensschwester sind?

Sr. Birgit: Also ich trage keine Ordenstracht. Und so haben wir uns auch nicht vorgestellt. Also ich glaube, die anderen wussten es nicht. Und das ist ja auch nicht relevant. Also in dem Moment finde ich, tue ich den Dienst an der Demokratie, wie alle anderen Mitbürgerinnen und Mitbürger auch.

DOMRADIO.DE: Sie arbeiten sonst auch in einem Jugendzentrum, wollen junge Menschen, Jugendliche dazu animieren, politisch aktiv zu sein, politisches Bewusstsein zu entwickeln. Glauben Sie, Ihr Einsatz als Wahlhelferin hat Ihnen dabei noch geholfen oder hilft Ihnen dabei?

Sr. Birgit: Ja, ich fand es ganz stark. Wir hatten eine junge Teamerin, die hat sich über ihren Politik-Leistungskurs auch als Wahlhelferin gemeldet. Und der habe ich dann an dem Tag noch einen Gruß geschickt, per WhatsApp. Ich finde schon, unsere Jugendlichen sind stärker politisiert, auch durch "Fridays for Future". Ich bin überrascht, wie frei sie sich auch über Politik unterhalten, also auch Frauenthemen oder Feminismus ist durchaus ein Thema. Und mich freut es natürlich, dass ich sage, es sind wache Menschen, die da auch sehr schauen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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