Diskussion um Impfpflicht gegen Corona
Polen, Krakau: Eine Krankenschwester füllt eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff
Kardinal Kazimierz Nycz
Kardinal Kazimierz Nycz

08.07.2021

Warschauer Kardinal Nycz ermahnt Kirche zum Impfaufruf "Eine Pflicht der Kirche"

Der Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz macht sich auf Bitten der polnischen Regierung für die Corona-Impfkampagne stark. Noch im April hatte die Polnische Bischofskonferenz "ernste moralische Einwände" gegen Corona-Impfstoffe vorgebracht.

In einem Brief an die Pfarrer seines Erzbistums schreibt der Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz laut der polnischen Nachrichtenagentur KAI (Mittwoch): "Die Animierung zur Impfung ist eine Pflicht der Kirche." Er erklärte sie demnach mit der Verantwortung für die Gesundheit im Sinne des fünften Gebotes "Du sollst nicht töten!"

"So viele Gläubige wie möglich"

Nycz verwies zudem auf die Eröffnung einer Impfstelle im Warschauer "Heiligtum der Göttlichen Vorsehung". Damit wolle man ein "Beispiel für die konkrete Sorge um das Wohl des Nächsten" geben vor der Seligsprechung von Kardinal Stefan Wyszynski (1901-1981) und der Ordensgründerin Elzbieta Roza Czacka (1876-1961) in dem Heiligtum am 12. September.

Laut dem Bericht ist dem Schreiben des Kardinals ein Brief beigefügt, den der Regierungspräsident für die Region Warschau an ihn gerichtet hatte. Darin bittet er Nycz die Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen die Epidemie zu unterstützen, indem er "so viele Gläubige wie möglich ermutigt, sich impfen zu lassen".

Bischöfe sahen "moralische Einwände" 

Im April hatte die Polnische Bischofskonferenz noch "ernste moralische Einwände" gegen die Corona-Impfstoffe der Pharmaunternehmen Astrazeneca und Johnson & Johnson erhoben. Der Vorsitzende der Bioethik-Expertengruppe der Bischofskonferenz, Weihbischof Jozef Wrobel, kritisierte damals, dass Zellstofflinien abgetriebener Föten für die Herstellung beider Vakzine verwendet würden.

Katholiken sollten deshalb einer Impfung mit ihnen nicht zustimmen, außer sie seien etwa aus beruflichen Gründen dazu verpflichtet oder hätten keinen anderen Impfstoff zur Auswahl. Dann dürften sie diese Präparate "ohne moralische Schuld nutzen". Die Stellungnahme stieß auf teilweise massive Kritik von Impfbefürwortern. Für die Impfstoffe von Pfizer und Moderna gab die Kirche hingegen vollständig grünes Licht.

Impfprogramm deutlich verlangsamt

Das Impfprogramm hatte sich in Polen zuletzt deutlich verlangsamt. Einige Impfzentren wurden bereits geschlossen. Der Sprecher des Erzbistums Warschau, Przemyslaw Sliwinski, sagte dem Radiosender TOK FM (Mittwoch): "Experten, die Verantwortung für die öffentliche Gesundheit tragen, bitten uns zu impfen, also impfen wir." Zugleich wandte er sich gegen Spekulationen darüber, ob die Impfstoffe wirken oder nicht.

(KNA)

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