Joe Biden und seine Frau Jill in einem Gottesdienst
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Prof. Dr. Georg Bier, Kirchenrechtler Uni Freiburg
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Abtreibungsgegner demonstrieren in Washington - "March for Life" (24.01.2020)
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Papst Franziskus mit US-Bischöfen
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04.05.2021

Kirchenrechtler blickt auf mögliches Kommunionverbot für Biden "Was ist dem Präsidenten vorzuwerfen?"

Wer eine Legalisierung von Abtreibungen befürworte, der solle auch keine Kommunion in der Kirche mehr empfangen können, meinen US-Bischöfe und wollen Präsident Joe Biden sanktionieren. Aber geht das kirchenrechtlich überhaupt?

DOMRADIO.DE: Im Buch des Kanonischen Rechts wird die Teilnahme an der Heiligen Eucharistie festgelegt. Was steht da dem Sinn nach drin?

Prof. Dr. Georg Bier (Kirchenrechtler Universität Freiburg): Da steht, dass manche Leute zur Kommunion nicht zugelassen werden dürfen, nämlich diejenigen, die exkommuniziert oder interdiziert sind. Oder, und das wäre hier, wenn überhaupt einschlägig, die hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren. Das hat man traditionell angewendet auf wiederverheiratet Geschiedene.

DOMRADIO.DE: Und wenn wir jetzt wieder auf den Fall Biden zurückkommen. Da ist dann die Frage: Dürfen die amerikanischen Bischöfe nach kirchlichem Recht die Empfehlung herausgeben, dass US-Präsident Joe Biden die Kommunion nicht mehr empfangen darf?

Bier: Sie dürfen alles Mögliche empfehlen, aber wenn Sie darüber abstimmen, so wie sie das ja anscheinend vorhaben, dann hat das Abstimmungsergebnis zunächst einmal keine rechtliche Bedeutung, sondern es wäre ein Meinungsbild ohne Verbindlichkeit. Vor allem wäre es natürlich ein politisches Signal.

Und ich denke, es geht da auch um die Außenwirkung. Ich habe gelesen, dass die Positionen in Amerika auch in der katholischen Kirche von größeren Extremen gekennzeichnet sind, so wie wir das ja bei uns in Deutschland in der gesellschaftlichen Debatte auch zunehmend feststellen.

Da kann man mit so einem Abstimmungsergebnis in die eigene Anhängerschaft natürlich ein bisschen was signalisieren. Aber rechtsverbindlich ist das nicht. Und auch die Frage bleibt, ob der Kanon, den Sie da genannt haben, hier überhaupt einschlägig ist. Man müsste ja auch einmal klären, was genau ist denn dem Präsidenten vorzuwerfen? Er müsste ja hartnäckig in einer offenkundigen schweren Sünde verharren.

DOMRADIO.DE: Die Bischöfe sagen natürlich: Das tut er ja, weil er eine liberale Abtreibungshaltung vertritt.

Bier: Bidens persönliche Position ist ja bekannt, da ist er nicht für Abtreibung. Jetzt hat er natürlich als katholischer Politiker nach katholischem Verständnis das in seinen Kräften stehende zu tun, um zum Beispiel in der Abtreibungsfrage katholische Positionen zur Geltung zu bringen. Nur, ob er die Möglichkeit hätte, auch wenn er Präsident der Vereinigten Staaten ist, seine persönliche Position hier politisch durchzusetzen, das kann man ja mit guten Gründen bezweifeln.

Und wenn er die kirchliche Position nicht politisch durchsetzen kann und er es deshalb vielleicht auch nicht versucht, ist das meines Erachtens noch nicht sofort Sünde, weil er vielleicht sich hier in dem politischen Raum bewegt und einfach abschätzt, was möglich ist.

Also Sünde oder Fehlverhalten, was einen Ausschluss von der Kommunion rechtfertigen würde, sehe ich nicht so recht. Man muss ja einfach unterscheiden zwischen dem Privatmann Biden, der da sicher seine klare Position hat und dem Politiker Biden, der mit einigem Realismus sieht, was er denn wirklich umsetzen kann und was nicht. Die Bischöfe versuchen natürlich politisch Einfluss auszuüben. 

DOMRADIO.DE: Würden Sie als Kirchenrechtler den amerikanischen Bischöfen zu diesem drastischen Schritt raten?

Bier: Nein, das würde ich in der Tat nicht tun. Ich halte das für unangemessen, weil gar nicht klar ist, worin genau das Problem besteht. Wie gesagt, dass es eine Diskrepanz gibt, zwischen der persönlichen Position und auch der Position der Kirche und dem, was dann möglich ist, das erkenne ich an. Aber das wird man auf diese Art und Weise nicht durchsetzen können.

Und ich weiß auch nicht, ob das so angemessen ist, wenn man auf den beschämenden Umgang der Bischöfe mit eigenem Fehlverhalten blickt, nicht nur in den USA. Ob man da nicht mit den verkehrten Instrumenten versucht, eine Person, die in dieser Weise in der Öffentlichkeit steht und ja womöglich das ihrige zu tun versucht, um die Sache so gut wie möglich zu händeln, Einfluss auszuüben.

DOMRADIO.DE: Angenommen, es käme tatsächlich so, dass die Bischöfe empfehlen, die Kommunion nicht an Joe Biden zu spenden. Joe Biden ginge dann am Sonntag in den Gottesdienst, würde sich ganz normal in die Schlange zur Kommunion stellen. Bekommt er sie oder nicht?

Bier: Zunächst einmal würde ich sagen, es ist ja nicht einfach nur so mit einem Mehrheitsvotum der Bischöfe getan. Da wäre nochmal zu fragen, was denn der eigene Bischof von Joe Biden sagt? Also derjenige, der für ihn zuständig ist, aufgrund des Wohnorts, und das ist jetzt Washington. Das wäre der erste Punkt, der zu beachten ist.

Und der zweite Punkt ist natürlich auch, die Bischöfe können ein bestimmtes Verhalten eben in der Tat nur empfehlen, man hat noch keine Kontrolle darüber, was der einzelne Seelsorger oder der einzelne Priester in dem konkreten Moment dann tut.

Das hat man übrigens auch dann nicht, wenn es eine Empfehlung gegen ein Verbot wäre, weil ja dann der einzelne Priester trotzdem sagen kann: Mit Biden komme ich nicht klar und ich kann das nicht verantworten, die Kommunion zu geben. Also, das lässt sich nicht regeln durch eine Empfehlung oder durch eine Abstimmung.

DOMRADIO.DE: Machen wir noch ein anderes Gedankenspiel. Angenommen, die nordrhein-westfälischen Bischöfe sagen: Unser Ministerpräsident Armin Laschet ist ein guter Katholik, aber bei bestimmten Dingen verhält er sich in unseren Augen sündhaft. Könnten die dann auch hingehen und ihm die Kommunion verweigern?

Bier: Gleiche Antwort: Für Deutschland und die USA gelten die gleichen kirchenrechtlichen Regeln. Und auch hier wäre es ein Unterschied, ob Herr Laschet kommunziert, dass er das blöd fände, was die Kirche sagt und er dafür eintreten würde, dass sich das auf jeden Fall ändert.

Das wäre so etwas, wo man sagen könnte, da setzt er die katholische Position nicht um. Eine andere Situation wäre es, wenn er einfach nur guckt, was politisch möglich ist. Und selbst wenn er sich da in dieser Weise verhielte, wenn er klar das ablehnte, dann müsste man prüfen, ob das nicht anders geregelt werden müsste. Ich finde das schwierig insgesamt, aber es ist ja nur ein Gedankenspiel.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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