Gedenken nach den Schüssen von Hanau
Gedenken nach den Schüssen von Hanau
Bischof Michael Gerber
Bischof Michael Gerber
Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Peter Kohlgraf
Schweigeminute wegen Hanau beim Fußball
Schweigeminute wegen Hanau beim Fußball
Kölle Alaaf gegen Rassismus
Kölle Alaaf gegen Rassismus

24.02.2020

Trauer und Debatten nach Anschlag von Hanau halten an Politik und Religion, Fastnacht und Fußball - vereint gegen Hass

Im Karneval und im Stadion, in den Kirchen und auf der Straße. Der Schock nach dem Anschlag von Hanau ließ die Menschen nicht los. In allem wird das Miteinander und die Solidarität bekundet.

Nach dem tödlichen Anschlag von Hanau gab es auch am Wochenende Trauerkundgebungen und weitere Debatten. Aus Politik, Religion, Sport und Fastnacht kamen zudem Aufrufe zu einem entschiedeneren Kampf gegen Hass und Rassismus.

In Hanau kamen am Samstag und Sonntag jeweils mehrere Tausend Menschen zu friedlichen Demonstrationen zusammen. Sie versammelten sich zu stiller Trauer, verlasen die Namen der Opfer und forderten mehr Engagement gegen den Hass. Auch Angehörige der Opfer meldeten sich zu Wort und bedankten sich für die Solidarität.

Beauftragter für Rassismus

Die Grünen im Bundestag forderten einen bundesweiten Beauftragten gegen Rassismus. Zugleich stellte die Fraktionsspitze ein "Sofortprogramm für eine sichere Gesellschaft" vor. Dazu gehören als erste Schritte die Einrichtung eines Krisenstabes, eine Verschärfung des Waffenrechts und ein besserer Schutz für besonders gefährdete Einrichtungen wie Moscheen und Synagogen.

Prominente Muslime und Politiker mit Migrationshintergrund äußerten in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" Sorge vor einer Eskalation. Sie riefen angegriffene Minderheiten zu Besonnenheit und Solidarität mit allen demokratischen Teilen der deutschen Gesellschaft auf. Das Letzte, was passieren dürfe, sei, dass Heißsporne auf rassistischen Terror ihrerseits mit Gewalt reagierten.

Bischof Gerber würdigt das Miteinander

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber, zu dessen Bistum Hanau gehört, würdigte das Miteinander unterschiedlicher Religionen und Gruppen vor Ort. Er rief auf zu einer nachhaltigen Entwicklung, "die von Integration anstatt von Ausgrenzung geprägt ist". Nicht zuletzt sollten kirchliche Kitas und andere Initiativen hier einen wesentlichen Beitrag leisten.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf erinnerte in einem Fastnachtsgottesdienst an die Opfer von Hanau und forderte die Aktiven in Fastnacht, Fasching und Karneval auf, "Akteure gegen den Hass" zu sein: "Es kann nicht sein, dass wir Fassenacht feiern, schunkeln, uns umarmen und feiern, und uns daran gewöhnen, dass in unserer Gesellschaft Menschen verächtlich gemacht werden, dass Hass und Gewalt nicht nur die Sprache beherrschen, sondern zunehmend auch zur Tat werden."

Für sehr viel und überwiegend positive Resonanz sorgte der AfD-kritische Auftritt von "Obermessdiener" Andreas Schmitt in der Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht". Er hatte unter lautem Beifall unter anderem gesagt: "Die Morde von Hanau, die Schüsse auf die Synagoge in Halle - ob Juden, Christen, Muslime, das war ein Angriff auf alle. Wir leben hier zusammen, die Demokratie wird triumphieren; dieses Land werdet ihr niemals regieren."

Auch im Fußball kein Platz für Rassismus

Neben einer Schweigeminute in allen Stadien für die Opfer von Hanau forderten auch mehrere Fußballstars und DFB-Präsident Fritz Keller mehr Einsatz gegen Rassismus. Keller sagte: "Beim Fußball, im Stadion, beim Sport überhaupt haben Hass, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus keine Chance."

Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea, der selbst schon häufiger wegen seiner dunklen Hautfarbe im Stadion rassistisch beleidigt wurde, sagte, die Tat von Hanau sei ein "Endprodukt" einer längeren Entwicklung, die auch im Fußball zu beobachten sei. Konkret nannte er rassistische Ausfälle in Stadien aus jüngster Zeit gegen Jordan Torunarigha von Hertha BSC und Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers: "Erst Torunarigha, dann Kwadwo und dann gibt es Tote."

Im "Spiegel" rief Nationalspieler Leon Goretzka vom FC Bayern München seine Profikollegen auf, sich stärker im Kampf gegen Rassismus zu engagieren. "Ich will ganz bewusst dazu aufrufen, dass man gegen Leute, die sich rassistisch äußern, vorgeht". Es wäre schon viel geholfen, "wenn sich jeder an der Nase packt und den Mut hat, den Mund aufzumachen".

Nationalmannschaftskollege Marco Reus von Borussia Dortmund sagte dem Portal t-online.de: "Kein Tor, kein Sieg, kein Titel im Fußball bedeutet mir so viel wie eine offene und friedliche Gesellschaft. Ich wünsche mir einer tolerantere Welt, in der kein Platz für Rassismus, Hass und Fremdenfeindlichkeit ist."

Gottfried Bohl
(KNA)

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