28.02.2019

Der Brexit und die Kirchen Europas Gretchenfrage

In vier Wochen will Großbritannien aus der EU austreten. Ob es so weit kommt, ist aber fraglich. Was heißt das für die Kirchen auf den britischen Inseln? Ein Besuch bei den deutschen Gemeinden in London, Dublin und Belfast.

Brexit oder kein Brexit? Auch einen Monat vorher kann noch niemand die Frage wirklich beantworten. Trotzdem gibt es Unruhe und Verunsicherung, zum Beispiel bei den Deutschen in Großbritannien. Darf ich bleiben? Brauche ich ein Visum? Oder muss ich sogar britischer Staatsbürger werden?

Diese Fragen gehen vielen durch den Kopf. Auch den Mitgliedern der deutschen Gemeinde St. Bonifatius in London. Andreas Blum ist Pfarrer der Gemeinde. Was bedeutet der Brexit für die Gemeinde? “Das Problem ist, dass niemand so wirklich weiß, was kommt. Unsere vorrangige Aufgabe ist deshalb die Aufklärung. Wir stehen in direktem Kontakt mit der Botschaft, da wir den direkten Draht in die deutsche Community haben. Als Gemeinde wollen wir dabei als erstes Ängste nehmen.“  

Wenn der Brexit-Vertrag im britischen Unterhaus angenommen wird, heißt das für die EU-Bürger, dass sie einen sogenannten "Settled Status" beantragen können. Dabei unterstützt die Gemeinde zum Beispiel die älteren Mitglieder, die sich mit dem Antrag am Computer oder Smartphone schwer tun. Rein theoretisch ist für die Deutschen auch eine zweite Staatsbürgerschaft möglich.

Das kommt aber nicht bei allen gut an. Thomas Belk ist Gemeindemitglied, arbeitet in der Finanzbranche und lebt seit 1993 in London. “Ich wehre mich dagegen. Ich könnte einen britischen Pass beantragen, aber ich bin der Meinung: Warum sollte ich? Ich bin Deutscher, auch wenn ich schon lange im Ausland lebe. Warum soll ich jetzt Brite werden, nur wegen des Brexits?“ Ein Gedanke, der vielen durch den Kopf geht, gerade in den Großstädten des Vereinigten Königreiches. Diese haben fast durch die Bank gegen den Austritt gestimmt.

Nordirland: Konflikt der Konfessionen

Auf der anderen britischen Insel ist die Lage noch komplizierter. Kommt es zum Brexit, wird es zwischen Irland und Nordirland eine EU-Außengrenze geben. Diese würde den alten Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten wieder an die Oberfläche bringen. Fährt man im Moment von der Republik Irland nach Nordirland, merkt man nichts von einer Grenze. Nur die Fahrbahnmarkierungen ändern sich, und die Entfernungen werden in Meilen, nicht mehr in Kilometern, angezeigt. Das könnte sich ändern, falls es einen “harten Brexit“ gibt. Gerade in den Grenzorten ist das mit Angst verbunden.

Alexandra Bellinghausen ist 1995 aus Bonn nach Newry gezogen, direkt an die Grenze. “Damals hat das britische Militär ganze Straßenzüge bombardiert, Bomben gelegt und die Straßen unpassierbar gemacht, sodass  kein Auto mehr heimlich hindurchfahren konnte. Was so schön ist im Moment: Man fährt einfach mit dem Auto und ist im Süden. Das Land ist wie eins. Die Leute, die britisch sein möchten, sind und bleiben britisch. Die Leute, die sich als Iren verstehen, für die ist das kein Problem, über die Grenze zu gehen.“

Ihre Gemeinde, die deutsche-lutherische Gemeinde St. Finians hat ihren Hauptsitz in Dublin, ist aber für die ganze Insel, also auch für Nordirland, zuständig. Mit dem EU-Austritt würde sich also eine EU-Außengrenze durch die Gemeinde ziehen. Gottesdienste wird es nach wie vor im Norden wie im Süden geben, sagt Stephan Arras, der Gemeindepfarrer. Aber: “Was passieren kann, ist, dass die Gemeinde in Belfast kleiner wird, wenn Menschen sich entscheiden, Nordirland zu verlassen. Es gibt die große Sorge, dass das wirtschaftlich ein Desaster wird. Es sagen manche auch offen: Wenn ihr Arbeitsplatz in Nordirland wegfallen würde, sind sie gezwungen woanders hinzugehen.“

 

 

Irlands Katholiken

Die Katholiken in Irland haben dabei ein ganz ähnliches Problem. In Maynooth, einem kleinen Ort vor den Toren Dublins, gibt es das einzige Priesterseminar auf der irischen Insel. Hier kommen auch Seminaristen aus Nordirland hin. Was wäre mit ihnen, wenn die Grenze kommt?

Lisa Quarch macht sich Gedanken. Die Theologiestudentin aus St. Georgen in Frankfurt ist zum Erasmus-Semester in Irland, und hat mit vielen ihrer Kommilitonen darüber gesprochen, was nach dem Brexit kommt. “Das muss auf jeden Fall so weiter gemacht werden. Außer, die werden dann nach London geschickt. Aber das wäre natürlich was ganz anderes, als im eigenen Land zu bleiben. Alle Iren, die ich bisher getroffen habe, verstehen sich wirklich als ein Land. Wenn jemand aus Belfast kommt, sagt er nicht er komme aus Nordirland, sondern versteht sich als Ire.“

Renardo Schlegelmilch
(DR)

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