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Kardinal Woelki
Kardinal Woelki
Reinhard Marx
Erzbischof Reinhard Kardinal Marx
Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn
Erzbischof Becker an Libori
Erzbischof Becker
Der Aachener Bischof Dieser
Helmut Dieser, Bischof von Aachen
Bischof Georg Bätzing
Georg Bätzing, Bischof von Limburg

05.03.2017

Fastenhirtenbriefe deutscher Bischöfe Christen müssen "Botschafter Gottes" sein

Den Glauben als Quelle des Lebens betrachten, Menschen in ihrer seelischen Not beistehen und einen grundlegenden Perspektivwechsel in der Pastoral voranbringen. Die deutschen Bischöfe setzen verschiedene Schwerpunkte in ihren Fastenhirtenbriefen.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat die Christen dazu aufgerufen, sich stärker als "Botschafter Gottes" zu erkennen zu geben. Christus wolle durch die Getauften sichtbar und wirksam werden, schreibt er in seinem Fastenhirtenbrief, der in den Sonntags- und Vorabendgottesdiensten im Erzbistum Köln verlesen wird. Das Glaubensgut sei kein Museum, sondern "lebendige Quelle des Lebens", so Woelki in Anlehnung an ein Wort von Papst Franziskus.

"Die Gesellschaft, in der wir leben, sucht immer weniger nach dem Gott, der im Stall von Bethlehem Mensch wurde", schreibt der Erzbischof. Christus habe "nur unsere Hände, um seine Werke heute zu tun". Der Kardinal appelliert an die Christen, ganz bewusst aus der Taufe, in der sich die Zugehörigkeit zu Gott und der Kirche ausdrücke, heraus zu leben.

Kardinal Marx: "Glaube ins Gespräch bringen"

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat die Christen dazu aufgerufen, ihre eigene Überzeugung immer wieder neu zu leben und ins Gespräch zu bringen. "Denn von einem Verschwinden der Religion kann keine Rede sein", schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in seinem Hirtenbrief zur österlichen Bußzeit an die Katholiken der Erzdiözese München und Freising.

Die Diskussionen über Gottesbilder und die Wirklichkeit der Religionen seien keineswegs zu Ende, schreibt der Erzbischof. Er verweist auf die vielen Muslime hierzulande, die mittlerweile zu Mitbürgern geworden seien. Auch dadurch sei Religion in den Kindergärten, Schulen und im gesellschaftlichen Leben neu zum Thema geworden.

"Dass sich Terroristen weltweit und auch bei uns als Kämpfer im Namen des Islam bezeichnen, fordert uns, aber auch die gläubigen Muslime heraus", fügte Marx hinzu. Die scharfe Ablehnung dieser Gewalttäter dürfe nicht zur Ablehnung oder gar zum Hass gegen Menschen führen, "die mit uns zusammen in diesem Land leben und arbeiten oder in großer Not zu uns gekommen sind".

Für die Christen stelle sich indes neu die Herausforderung, was es bedeute, an Gott zu glauben, und wie sich in der Vielfalt der Weltanschauungen neu die Faszination des christlichen Bekenntnisses entdecken lasse, so der Kardinal. Er hoffe, dass diese Debatten - die öffentlich geführt würden, aber auch in den Familien, unter Freunden und in den Pfarreien - ermutigen, den eigenen Glauben zu leben. Erst dann ist es nach den Worten von Marx möglich, in einen guten Austausch und Dialog mit allen Menschen guten Willens einzutreten, ob gläubig oder suchend oder einer anderen Religion folgend: "Und das wollen wir!"

Bischof Genn: Die Menschen hungern nach Trost und Zuwendung

Münsters Bischof Felix Genn erinnert zur Fastenzeit an die seelische Not vieler Menschen. So notwendig wie das tägliche Brot sei auch das "Brot des Wortes", erklärt er in seinem Fastenhrtenbrief. "Wir können noch so satt sein, es braucht uns an nichts zu fehlen, wir bleiben arm und bedürftig, wenn uns nie jemand ein gutes Wort sagt", so der Bischof. Die Menschen hungerten "nach einem Wort der Ermutigung, des Trostes, der Zuwendung und der Liebe".

Wer aus Gottes Wort lebe, werde innerlich "so reich, dass er auch ohne Gewalt auskommt", schreibt Genn. "So finden wir zu einer Gesellschaft, in der die Würde des Menschen beachtet wird, in der Friede und Versöhnung herrschen können, nicht Gewalt, Krieg und Terror."

Ökumene steht im Fokus

Mit Blick auf das Reformationsgedenken 2017 macht der Bischof deutlich, dass es den Reformatoren "um eine Erneuerung aus dem Wort Gottes" gegangen sei. Zwar sei es schmerzvoll, dass die Reformation zur Kirchenspaltung beigetragen habe. Doch dürfe man heute dankbar feststellen, wie viel geschehen sei, um den Riss in der Christenheit zu überwinden.

So habe die evangelische Kirche die Katholiken zum Gedenken an die Reformation eingeladen, betont der Bischof. "Dieses Jahr 2017 soll ein Christusfest sein - besser kann man in unserer Zeit nach Spaltung und zahllosen Verwundungen in der Geschichte" gar nicht die Erinnerungen heilen. Katholiken könnten viel von evangelischen Christen lernen, etwa jeden Tag mit einer Tageslosung unter ein ganz bestimmtes Wort Gottes zu stellen.

Weiter lädt Genn zum internationalen Friedenstreffen der Gemeinschaft von Sant' Egidio ein, das vom 10. bis 12. September in Münster und Osnabrück interreligiös begangen wird.

Erzbischof Becker: Politisches Klima "spürbar verschärft"

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker ist besorgt angesichts eines "spürbar verschärften" politischen Klimas in Deutschland. "Die konstruktive und sachliche politische Auseinandersetzung droht immer mehr von Polemik, vordergründigen Polarisierungen und wechselseitigen Verdächtigungen überlagert zu werden", schreibt Becker in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit. Besonders sei dies zu beobachten im Zusammenhang mit Herausforderungen wie "Europakrise, Migration und Terrorismus".

Aufgabe der Kirche sei es hier, mäßigend und verbindend im politischen und zivilgesellschaftlichen Diskurs zu wirken, betont Becker mit Blick auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai und die Bundestagswahl am 24. September. Christen sollten sich als Staatsbürger ins Gemeinwesen einbringen und "in kluger Abwägung" von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Unser Glaube fördert ein Ethos der Gemeinschaft, der Mitmenschlichkeit und Solidarität gerade mit den Menschen am Rande der Gesellschaft", so der katholische Erzbischof.

Zum Verhältnis zur evangelischen Kirche hebt Becker hervor, zum ersten Mal werde das Reformationsgedenken im ökumenischen Dialog gemeinschaftlich bedacht. Der geschichtliche Rückblick auf die blutigen Glaubenskriege im 16. und 17. Jahrhundert und konfessionelle Streitigkeiten mahne Katholiken wie Protestanten zu Buße und Neubesinnung. Auch sei das Reformationsgedenken Anlass, dankbar für die bisher erreichten Erfolge im ökumenischen Dialog zu sein. Es gelte, weiter an der Überwindung der Glaubensspaltung mitzuarbeiten, so Becker.

Bischof Dieser: In Fastenzeit vom Alltag Abstand nehmen

Der Aachener Bischof Helmut Dieser sieht die Fastenzeit als Chance, vom Alltag Abstand zu nehmen und Leib und Seele freier zu machen. Er ruft in seinem am Sonntag im Aachener Dom verlesenen Fastenhirtenbrief dazu auf, gegen den Strom zu schwimmen und an den wirklich wichtigen Stellen das Aussteigen zu üben. Fasten sei ein Suchen nach dem, was wirklich satt und erfüllt leben lasse.

Der Bischof ermuntert dazu, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen, etwa den Umgang mit Geld, das Verhalten im Straßenverkehr oder das Streben nach Höchstform und körperlicher Attraktivität. "So werden wir zu Menschen, die aufrecht durchs Leben gehen, von denen etwas ausgeht, die andere stützen, aufbauen, aushalten können, die eine echte Orientierung haben und sie auch weitergeben können", so Dieser. Die Sorge um sich selbst, Eitelkeiten, Stolz, Neid, Lüge oder übergriffige Gewalt würden ausgebremst.

Bischof Bätzing: Neue Perspektiven wagen

Für einen grundlegenden Perspektivwechsel in der Pastoral plädiert der Bischof von Limburg, Dr. Georg Bätzing, in seinem ersten Hirtenwort zur Österlichen Bußzeit 2017. Es gehe darum, von einer "abwartenden Versorgungshaltung hin zu wachsendem Engagement zu kommen, vom besorgten Kümmern um den Selbsterhalt hin zu gastfreundlicher Offenheit und einer dienenden Bereitschaft, von hohen Erwartungen anderen gegenüber hin zum selbstbewussten Handeln aus der eigenen Taufwürde heraus", zu kommen.

Ein solcher Perspektivwechsel könne nicht von heute auf morgen gelingen. "Neben der Freude daran, Neues zu wagen und auszuprobieren, brauchen wir viel Geduld miteinander, nicht zuletzt mit den Fehlern, die wir unterwegs machen werden. Und wir brauchen viel gegenseitiges Vertrauen und Ermutigung. Dies möchte ich Ihnen geben, denn ich bin fest überzeugt, dass der Herr uns den Weg in die Zukunft zeigt und uns begleitet", schreibt Bätzing. Er vertraut darauf, dass Gott die Kirche so formen wird, damit Menschen heute Trost im Glauben erfahren, Hoffnung schöpfen und die barmherzige Liebe Gottes entdecken.

Auf die Lebenswirklichkeit der Menschen schauen

Nach Auffassung des Bischofs gibt es drei Elemente, die helfen können eine neue Perspektive zu gewinnen. Er lädt dazu ein, auf die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen, die auf dem Gebiet der Pfarrei leben, zu schauen. "Erst wenn wir mit den Menschen sprechen und gemeinsam herauszufinden versuchen, wie sie die Dinge sehen, was sie selbst tun können und welche Unterstützung sie sich von anderen und auch von uns erhoffen, dann wird uns deutlicher werden, wozu Gott an diesem konkreten Ort Kirche braucht", so Bätzing.

Sich unter das Wort Gottes stellen

Der Bischof wünscht sich, dass das Wort Gottes künftig noch mehr in den Mittelpunkt des Pfarreialltags gestellt wird. Die intensive Beschäftigung mit der Heiligen Schrift soll zu einem regelmäßigen Bestandteil von Treffen und Sitzungen werden. Es gehe um mehr als um einen Impuls und es gehe auch um mehr als darum, gemeinsam in der Bibel zu lesen. "Wir wollen uns unter Gottes Wort stellen, das lebendig ist, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, wie der Hebräerbrief sagt. Jesus selbst begegnet uns darin. Er spricht uns an, und in seiner Gegenwart können wir uns gemeinsam vergewissern, wozu er uns anstiftet", schreibt Bätzing.

Auf das schauen, was neu wächst

Gut sechs Monate nach seiner Bischofsweihe und Amtseinführung am 18. September 2016 ist Georg Bätzing gut im Bistum angekommen. Er lerne das Bistum mit seinen lebendigen Traditionen, mit dem Reichtum an unterschiedlichen Prägungen in den elf Bezirken und mit so vielen engagierten Menschen jeden Tag etwas mehr kennen. Das große Vertrauen, mit dem er in der Diözese aufgenommen worden sei, beeindrucke ihn sehr, mache ihn froh und stärke ihn in seinem Dienst. Dafür danke er von Herzen.

Überdeutlich ist für ihn der Umbruch in der Kirche erkennbar. Seit vielen Jahren sei klar, dass es ein einfach so weiter für die Kirche nicht geben kann. Daher müsse vermehrt auf das geschaut werden, was neu wachse und wo Kirche den Menschen mit ihren Anliegen und Nöten begegne. "Wo Menschen sich für andere einsetzen, da folgen sie der Spur Jesu. Da wachsen sie persönlich im Glauben. Und da wächst, sozusagen nebenbei, auch Kirche", so Bätzing. Viel zu oft sei man in den Pfarreien heute damit beschäftigt, vertraute Formen zu retten, als danach zu fragen, wie man Menschen neu mit der Botschaft des Evangeliums in Berührung bringen kann. In den Pfarreiwerdungsprozessen und im Prozess der lokalen Kirchenentwicklung sieht der Bischof Antworten auf die Krisenphänomene einer kirchlichen Umbruchszeit.

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