Gegner der AfD demonstrieren während der Podiumsdiskussion "Nun sag', wie hast du's mit der Religion?"
Gegner der AfD demonstrieren während der Podiumsdiskussion "Nun sag', wie hast du's mit der Religion?"
AfD-Politiker Volker Münz
AfD-Politiker Volker Münz

12.05.2018

Protest gegen Auftritt von AfD-Vertreter Polizeieinsatz auf Katholikentag

"Suche Frieden – nicht die AfD – für eine antifaschistische Kirche" – stand auf dem Plakat, mit dem Aktivisten beim Katholikentag in Münster eine Veranstaltung unterbrochen haben. Die Podiumsdisskussion zur Haltung der Bundestagsparteien "zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft" hat schon im Vorfeld für Streit gesorgt.

Tumulte beim Katholikentag: Bei Vorstellung des Bundestagsabgeordneten Münz durch einen Einspielfilm auf der Videowand mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Volker Münz stürmten am Samstag Aktivisten vor die Bühne und riefen "Keine Bühne für die AfD" und "Nazis raus". Der Moderator bat die mutmaßlichen Aktivisten daraufhin, den Raum zu verlassen oder die Diskussion auf ihren Plätzen weiterzuverfolgen. Angaben der epd zufolge rückten auch etwa 20 Sicherheitspersonen und Polizisten an, um den Tumult zu beruhigen. Nach einigen Minuten konnte die Veranstaltung fortgesetzt werden. Unter Applaus wurden die Demonstranten schließlich friedlich aus dem Saal geführt.

Insgesamt herrschte bei der schon im Vorfeld umstrittenen Podiumsdiskussion eine angespannte Atmosphäre. Immer wieder wurden einige der insgesamt sechs Politiker oder der Moderator von Zwischenrufen unterbrochen. Hintergrund ist, dass bei der Veranstaltung erstmals ein offizieller Repräsentant der AfD bei einem Katholikentag auftritt. Münz sprach bei der Veranstaltung gemeinsam mit anderen Bundestagsabgeordneten über das Verhältnis der Parteien zu Kirche und Religion. Zuvor hatten rund 1.000 Menschen unter dem Motto "Keinen Meter den Nazis" gegen die Teilnahme des AfD-Politikers an dem Christentreffen demonstriert. 

Was wurde diskutiert?

Unter dem Motto "Nun sag', wie hast du's mit der Religion?" diskutierten in der mit 800 Menschen voll besetzten Halle neben Münz und Buchholz auf dem Podium Karlheinz Busen, Mitglied der FDP-Bundestagsfraktion, die Sprecherin des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD, Kerstin Griese, der Vorsitzende des Kardinal-Höffner-Kreises in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Hirte sowie Bettina Jarasch, religionspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus.

Die Debatte verlief kontrovers, aber unspektakulär, und wurde nur von wenigen Zwischenrufen pro und contra AfD unterbrochen. Münz betonte auf dem Podium, seine Partei mache sehr wohl "Politik auf Basis eines christlichen Menschenbildes". Zudem wolle er nicht seinen Kopf hinhalten für problematische Äußerungen anderer AfD-Mitglieder wie etwa Björn Höcke oder Andre Poggenburg. Die AfD insgesamt wolle dafür sorgen, dass "Deutschland christlich geprägt bleibt". Dies drohe aber aufs Spiel gesetzt zu werden, etwa durch eine Flüchtlingspolitik, in der alle anderen Parteien "Schuld auf sich geladen" hätten.

Die Vertreter von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken verwahrten sich gegen diesen Vorwurf. SPD-Religionsexpertin Kerstin Griese betonte: "Für mich sind viele Positionen der AfD nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbar." Bettina Jarasch von den Grünen warf der AfD vor, sie verhalte sich ausgrenzend, etwa gegenüber Muslimen, und das sei alles andere als christlich. Ähnlich bewertete Christine Buchholz von der Linken einen Antrag der AfD im Bundestag zu Inzest, Behinderung und Flüchtlingen.

Münz verteidigte sich gegen die Vorwürfe und kritisierte viele Kirchenvertreter, die sich aus seiner Sicht zu sehr in die Politik einmischten. Weitere Themen wie die Kreuzdebatte und das Staat-Kirche-Verhältnis wurden in der Diskussion nur kurz gestreift.

Demo gegen AfD-Auftritt

Rund 1.000 Menschen demonstrierten am Samstagmittag gegen die Teilnahme der AfD am Katholikentag in Münster. Unter dem Motto "Keine Bühne für die AfD" zogen sie friedlich durch die Innenstadt. Aufgerufen zu der Demonstration hatte das Bündnis "Keinen Meter den Nazis". Sprecher Carsten Peters sagte: "Wir wollen klar machen, dass es für die AfD keine Normalisierung geben darf." Die Einladung zum Katholikentag werte die Partei auf und mache sie salonfähig. Die AfD sei die Partei des Rassismus und der Ausgrenzung. Dass sie im Bundestag vertreten sei, ändere daran nichts.

Ihre Kritik äußerten die Demonstranten mit Plakaten wie "Kein Frieden für die AfD", "Für Nächstenliebe und Zusammenhalt" und "Kirche ohne Rassismus". Die Demonstration endete mit einer Abschlusskundgebung unmittelbar neben dem Veranstaltungsort.

Wie ist mit der AfD umzugehen?

Innerhalb der Kirchen gibt es eine Diskussion über den Umgang mit der AfD und mit AfD-Mitgliedern in Gemeinden und kirchlichen Gremien.

Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin hatte der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge mit der damaligen Sprecherin der Vereinigung "Christen in der AfD", Anette Schultner, diskutiert. Schultner ist inzwischen aus der AfD ausgetreten. In und außerhalb der Kirche war diskutiert worden, ob der Kirchentag eine Vertreterin der AfD zu Wort kommen lassen sollte.

(epd, dpa, KNA)