Plakat für Katholikentag 2018
Plakat für Katholikentag 2018
Lisi Maier
Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): Lisi Maier

01.03.2018

Katholische Jugend für Katholikentag ohne AfD "Es braucht keine AfD auf irgendwelchen Podien"

Ein "fatales Signal" nennt die katholische Jugend den geplanten Auftritt der AfD beim Katholikentag in Münster. "Denn der Katholikentag ist keine Talkshow", so Lisi Maier, die Vorsitzende vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend.

DOMRADIO.DE: Die AfD ist Thema in der Gesellschaft und in der Kirche. Zum ersten Mal soll auch ein Abgeordneter, der religionspolitische Sprecher Volker Münz, bei einem Katholikentag dabei sein, nämlich in Münster. Wäre es besser, das Thema "AfD" zu ignorieren beim Katholikentag?

Lisi Maier (Vorsitzende vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend, BDKJ): Also wir erkennen demokratische Prozesse natürlich respektvoll an; auch Wahlergebnisse. Wir glauben aber nicht, dass eine Abgrenzung von Rassisten, Völkischen oder Rechtsradikalen, die auch in der AfD vorhanden sind, nicht möglich ist. Wir glauben aus drei Gründen, dass die AfD auf dem diesjährigen Katholikentrag nichts zu suchen hat; vor allen was die Person Volker Münz betrifft:

Das begründet sich zu einem aus dem Format. Denn der Katholikentag ist keine Talkshow, bei dem es um Konfrontation geht, sondern um die Entwicklung gemeinsamer Vorstellungen auf der Basis eines gemeinsamen Wertefundaments. Dass man sich dazu Experten aus der Zivilgesellschaft oder aus Parteien einlädt, ist gut. Die AfD aber als Partner bei der Gestaltung dessen einzuladen, wogegen sie selbst kämpft, erschließt sich uns nicht.

Das zweite ist, dass sich die Partei in den letzten zwei Jahren sehr stark radikalisiert hat – also seit dem Katholikentag in Leipzig, bei dem man sich bewusst entschieden hat, die AfD nicht einzuladen und ihnen keine Bühne zu geben.

Drittens ist Volker Münz für diese Radikalisierung mitverantwortlich, weil er nicht nur ein Unterstützer der Erfurter Resolution ist, sondern weil er auch ein Stück weit ein Feind der Religionsfreiheit ist, insbesondere dann, wenn sie den Islam betrifft.

DOMRADIO.DE: Hätten Sie also kein Problem damit, einen anderen Vertreter der AfD einzuladen?

Maier: Nein, ich glaube, dann verschärft sich nur die Lage. Die AfD hat sich sehr deutlich radikalisiert. Die Problematik, die wir sehen ist, dass man gerade Volker Münz eingeladen hat, ohne sich im Vorfeld deutlich mit ihm und seinen Positionen auseinandergesetzt zu haben. Das spricht für uns dafür, dass man sich noch einmal überlegen muss, welchen Umgang man mit der AfD haben möchte und wie man sich als zivilgesellschaftlicher Akteur aufstellen möchte.

Wir habe uns als BDKJ zum Beispiel sehr wohl überlegt, dass wir der AfD bei eigenen Veranstaltungen keine Bühne geben wollen. Wir wollen aber mit den Vertretern auf Konfrontation gehen, wenn wir zu Podiumsdiskussionen oder anderen Formaten eingeladen sind.

DOMRADIO.DE: Das Zentralkomitee deutscher Katholiken – ZdK – ist als Laienkomitee Veranstalter des Katholikentags. Dort gibt es Stimmen, die sagen: "Wenn man eine Partei auslädt, spielt man der AfD in die Hände". Wie sehen Sie das?

Maier: Ich glaube, da gibt es verschiedene Positionen auch im ZdK. Wir wissen das vor allem daher, weil wir vor zwei Jahren sehr intensiv darüber im ZdK diskutiert haben und uns entschieden haben, die AfD eben nicht einzuladen nach Leipzig. Ich weiß, dass das Opfer-Argument immer wieder kommt. Aber wir sehen auch in den aktuellen Bundestagsdebatten, dass auch dort, wo die AfD mitspielt, die Partei sich nicht auf dem Boden des Grundgesetztes bewegt. Wir glauben auch, dass die Opferperspektive der AfD immer wieder eingenommen wird. Das war vor zwei Jahren so und wird auch in diesem Kontext so sein. Das führt aber nicht dazu, dass ich jeden einladen muss, zu meinen Veranstaltungen, der sich als Opfer inszenieren möchte.

DOMRADIO.DE: Was wäre der richtige Umgang mit dem Thema?

Maier: Man sollte sich als Organisation bevor man Einladungslisten schreibt, sehr klar überlegen, wen man einladen möchte und wen nicht. Es ist wichtig, sich als Organisation zu überlegen, in welchen Situationen man auf ein Podium mit der AfD geht und in welchem Kontext man im parlamentarischen Raum mit Vertretern der AfD spricht. Ich glaube, dass so ein Umgangsbeschluss im Vorfeld von Veranstaltungen immer gut und wichtig ist, um gezielt für Veranstaltungen gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Ich denke, bei eigenen Veranstaltungen, wie dem Katholikentag, die nicht als konfrontative Talkshow aufgebaut sein sollen, braucht es keine AfD auf irgendwelchen Podien.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch. 

(DR)

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