Stadtdechant Robert Kleine und Stadtsuperintendent Rolf Domning (r.) segnen Karnevalswagen
Stadtdechant Robert Kleine und Stadtsuperintendent Rolf Domning (r.) segnen Karnevalswagen
Trump Motivwagen in Köln
Trump Motivwagen in Köln

06.02.2018

Kölner Stadtdechant segnet Rosenmontagswagen "Ein Meilenstein im Karneval"

Allmählich nähert sich der Straßenkarneval seinem Höhepunkt. Damit beim Rosenmontagszug in Köln auch alles glatt läuft, wurden nun die Wagen gesegnet. Für den Stadtdechanten Robert Kleine ein besonders angenehmer Termin.

DOMRADIO.DE: Vermutlich war dies einer der schöneren Termine für Sie in diesem Jahr, oder?

Monsignore Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant): Natürlich. Es ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Rosenmontagszug. Die Wagen zum Rosenmontagszug sind monatelang in der Wagenhalle des Kölner Festkomitees gebaut worden. Es sind wunderbare Prunkwagen, aber auch aktuelle Motivwagen. Politische und auch kölsche Themen werden da aufs Korn genommen, wie es sich für den Karneval gehört. Ich bin sehr froh, dass Jahr für Jahr auch diese Wagen von evangelischer und katholischer Seite aus gesegnet werden.

DOMRADIO.DE: Sie waren zusammen dort mit dem evangelischen Superintendenten Rolf Domning. Wie sah die Segnung denn konkret aus?

Kleine: Es war in diesem Jahr eine Premiere. Sonst gibt es immer eine Halle, in der auch Bänke und Tische aufgestellt waren und ein Programm mit dem Dreigestirn dargeboten wurde. Dann ging man früher in die Wagenhalle und die Segnung fand immer symbolisch in der ersten Halle statt, indem der Zugleiter besprenkelt wurde oder er brachte einen Rückspiegel oder eine Kupplung mit, die dann symbolisch gesegnet wurde.

Heute war es das erste Mal so, dass man in die Wagenhalle selbst ging und ich mit dem Stadtsuperintendenten auf den Wagen des Zugleiters des Rosenmontagszuges durfte. Das ist der Wagen, der den Rosenmontagszug anführt. Da durfte ich ganz oben drauf stehen, aber keine Kamelle werfen, sondern habe das Gebet gemeinsam mit dem Superintendenten gesprochen und wir haben von da aus die Wagen gesegnet. Segen meint ja vor allem die Menschen, die die Wagen nutzen, die sie fahren, von dort Kamelle werfen und die Menschen, die die Wagen angucken. Es waren auch ganz viele Jecke da, die am Ende auch mit Weihwasser besprengt wurden.

DOMRADIO.DE: Wer durfte denn sonst alles dabei sein? Wie groß war diese Veranstaltung?

Kleine: Es ist schon ein geschlossener Kreis. Es sind natürlich die Gesellschaften, die auch die Wagen finanzieren, dabei. Ebenso sind die Künstler dabei, die die Wagen entworfen haben, sich die Motive überlegt haben und die Wagenbauer, die diese dann umgesetzt haben. Es waren Musikgruppen dabei, die auch beim Rosenmontagszug mitfahren. Dieses Mal war die Gruppe Querbeat dabei, die auch einen eigenen Wagen haben.

Natürlich waren die Verantwortlichen der Stadt anwesend, die ganzen Präsidenten der Gesellschaften, das kleine Kinderdreigestirn und das große Dreigestirn. Das ist umrissen der Kreis der Teilnehmer. Man darf auch nicht vergessen, dass gar nicht so viele in die Wagenhalle passen, weil dort auch dichtgedrängt Wagen neben Wagen steht. Schließlich waren auch zahlreiche Medienvertreter mit von der Partie.

DOMRADIO.DE: Mit diesem Termin heute wurden nun auch die Wagen der Öffentlichkeit präsentiert. Gab es einen Wagen, der Ihnen besonders aufgefallen ist?

Kleine: Ich war insgesamt positiv überrascht, wie schön das diesjährige Thema "Mer Kölsche danze us der Reih" umgesetzt war. Also, es geht um Tanz. Da waren ein paar sehr politische Themen dabei, wie beispielsweise "Dirty Dancing" mit dem nordkoreanischen Machthaber, der mit einer Rakete tanzt. Oder aber der letzte Walzer. Der ist dargestellt durch US-Präsident Donald Trump, der durch die Gegend walzt. Aber es gibt auch Themen zur Großen Koalition, also die Kanzlerin und der SPD-Vorsitzende Schulz, die auf einer Schaukel sitzen und von der CSU entweder angeschubst oder gebremst werden.

Auch die kölschen Themen wie Schunkeln als Tanzen und Leben am Limit sind vertreten. Interessant ist auch die Aussage "Tanzen auf Recep", also angelehnt als "Tanzen auf Rezept", was in Richtung des türkischen Staatspräsidenten Erdogan deutet, wo es darum geht, dass da einige Menschen hinter Gefängnismauern "tanzen" müssen.

Abschließend hoffe ich natürlich auch, dass die Tropfen des Weihwassers die einzigen Tropfen bleiben, die auf die Wagen niederprasseln. Ich hoffe auf schönes Wetter, nicht nur in Köln, sondern im ganzen Land, sodass viele die Wagen in Aktion sehen können. Kölle Alaaf!

Das Interview führte Andres Lange.

(DR)