Männer mit Kippa auf einer Bank
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08.04.2021

Antisemitismusforscher kritisieren neue "Jerusalemer Erklärung" zu Judenfeindlichkeit Scharfe Kritik

Mit scharfer Kritik haben sich Antisemitismusforscher gegen die neue "Jerusalemer Erklärung" zu Judenfeindlichkeit gewandt. Es sei eine politische Manifestation, die gegen Israel gerichtet ist und behindere die Aufklärung und den Kampf gegen Judenhass.

"Dies ist keine wissenschaftliche Definition, sondern eine politische Manifestation, die gegen Israel gerichtet ist. Sie behindert die Aufklärung und den Kampf gegen Judenhass", schreiben Julia Bernstein, Lars Rensmann und Monika Schwarz-Friesel in einem Gastbeitrag für die "Jüdische Allgemeine" (Donnerstag).

Mehrheit leide unter den permanenten Diffamierungen

Die Unterzeichner legitimierten sich durch den Hinweis, sie trügen jüdische Stimmen in die Debatte. "Doch diese bilden lediglich eine Ausnahmeposition ab. Die überwältigende Mehrheit der Juden verurteilt israelbezogenen Antisemitismus und leidet unter den permanenten Diffamierungen", so die Wissenschaftler. Es werde "klar politisch Partei" im arabisch-israelischen Konflikt ergriffen.

"Der Hass auf den jüdischen Staat verbindet heute alle Antisemiten gleich welcher politischen Richtung; er ist das Bindeglied zwischen allen sonst divergierenden Gruppen und dadurch besonders gefährlich", schreiben die Autoren. Der Hass werde häufig als "legitime Kritik" artikuliert. Diese "Alltagsvariante" müsse weltweit besonders energisch bekämpft werden, denn sie mache judenfeindliche Stereotype salonfähig und gebe radikalen Kräften "Resonanzraum in der Mitte".

Papier erfasse nicht die Vielfalt der Ausdrucksformen von Antisemitismus

Der israelbezogene Antisemitismus als "dominante Form des Judenhasses im 21. Jahrhundert" werde in der "Jerusalemer Erklärung" relativiert. Dies spiele denen in die Hände, "die 'Israelkritik' sagen und Judenfeindschaft meinen", betonen Bernstein, Schwarz-Friesel und Rensmann. Das Papier erfasse nicht die Vielfalt der Ausdrucksformen von Antisemitismus im 20. und 21. Jahrhundert und blende die "lange kulturhistorische Tradition der Judenfeindschaft aus".

Die kürzlich veröffentlichte "Jerusalemer Erklärung" sieht sich als Alternative zu der von vielen Staaten und Institutionen angenommenen Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Beide Papiere verstehen sich als nicht rechtlich bindend. Bisher haben rund 200 Forscher und Autoren die "Jerusalemer Erklärung" unterzeichnet, darunter der Historiker Moshe Zimmermann, der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz und der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.

Räume für eine offene Debatte schützen

Brumlik hatte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gesagt: "Diese Erklärung finde ich zum Beispiel sinnvoll, damit nicht jede Kritik an der israelischen Politik in die Gefahr von Antisemitismus geraten kann." Dagegen hatte der Historiker Yehuda Bauer in der "Jüdischen Allgemeinen" darauf verwiesen, dass auch die Definition der IHRA bestimmte Kritik an israelischer Politik für legitim hält. "Wenn man Israel nicht dafür kritisiert, was es ist, sondern dafür, was es tut, dann ist das kein Antisemitismus", sagte Bauer.

Die "Jerusalemer Erklärung" möchte auch Räume für eine offene Debatte über die "umstrittene Frage der Zukunft Israels/Palästinas" schützen. Aus Sicht der Autoren schafft die IHRA-Definition Verwirrung bei den Unterschieden zwischen antisemitischer Rede und legitimer Kritik an Israel und dem Zionismus. Mit Blick auf die BDS-Debatte hält sie zudem fest: "Boykott, Desinvestition und Sanktionen sind gängige, gewaltfreie Formen des politischen Protests gegen Staaten. Im Fall Israels sind sie nicht per se antisemitisch."

Leticia Witte
(KNA)

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