Kinderkleidung in Auschwitz - in einer Vitrine der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
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Margarete Rabow
Margarete Rabow

23.08.2020

Namen von 11.908 ermordeten Frankfurter Juden in weißer Kreide Projekt "Schreiben gegen das Vergessen" in Frankfurt vorgestellt

Es ist ein Gedenkprojekt, dass wachrütteln und Menschen unmittelbar berühren soll: Ab dem 23. August werden die Namen von etwa 12.000 ermordeten Frankfurter Juden mit Kreide auf die Straße am Main geschrieben.

Mindestens 11.908 Frankfurter Jüdinnen und Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet - ihre Namen sind dem Jüdischen Museum Frankfurt bekannt. Doch wie kann man die Dimension dieses unfassbaren Massenmordes heute begreiflich machen? Eine Kunstaktion versucht dies nun, indem die 11.908 Namen der ermordeten Menschen mit weißer Kreide auf die - derzeit gesperrte - Straße am Mainkai in Frankfurt geschrieben werden.

Fünftägige Aktion "Schreiben gegen das Vergessen"​

Die Aktion mit dem Titel "Schreiben gegen das Vergessen" soll am Sonntag (23. August) beginnen und fünf Tage dauern, wie die Initiatorin, Künstlerin und Filmemacherin Margarete Rabow am Dienstag in Frankfurt ankündigte. "Das visuelle Erlebnis, wenn man an einer schier endlosen Strecke an Namen vorbeigeht", werde viele Menschen beeindrucken, sagte Rabow. Mehr als 600 Meter würden mit allen Namen beschrieben.

Das Gedenkprojekt wolle "das Ausmaß nationalsozialistischer Verbrechen sichtbar machen und so viele Menschen wie möglich erreichen und einbinden", betonte Daniela Kalscheuer von der Katholischen Akademie Rabanus Maurus und Mitveranstalterin des Projektes. Der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker (CDU) sagte in einer Videobotschaft, es gehe darum, mit dem Kunstprojekt Menschen wachzurütteln und den ermordeten Frankfurter Juden wieder einen Namen im öffentlichen Raum zu geben.

Vor 1933 zweitgrößte Jüdische Gemeinde

Frankfurt am Main war vor 1933 die deutsche Stadt mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil, ihre Jüdische Gemeinde die zweitgrößte in Deutschland - nach Berlin. Im Finanzwesen, in Bildung und Wissenschaft, aber auch in einer Vielzahl von Vereinen und Stiftungen prägten Juden die Stadt. Bei Kriegsende 1945 war diese vielfältige Kultur durch die Verfolgung, Deportation und Ermordung der Juden völlig zerstört gewesen. Statt einstmals rund 30.000 jüdischen Frankfurtern hielten sich nur noch etwa 100 bis 200 in der zerstörten Stadt auf.

Auf der Internetseite (https://schreiben-gegen-das-vergessen.eu/) des Projekts "Schreiben gegen das Vergessen" können sich nun Einzelne und Gruppen anmelden, die Namen Ermordeter auf die Straße schreiben möchten. 80 Teilnehmer hätten das bereits getan. Leider habe man bislang wegen der schwierigen coronabedingten Lage noch keine Schulklasse gewinnen können, sagte Rabow.

"Wenn es regnet, ist es weg"

Die alphabetisch geordneten Namen der ermordeten Juden sollen dann mit weißer Kreide in mehreren Reihen auf die Straße geschrieben werden - im Abstand von etwa 40 Zentimetern. Doch wie dauerhaft wird das Kunstprojekt sein? "Wenn es regnet, ist es weg", sagte Rabow. Das Projekt sei so angelegt, "dass es etwas Vergängliches hat". Sollte es regnen, würde die Namen auf Papier geschrieben. "Es ist immens wichtig, dass kein Name ungeschrieben bleibt", betonte Rabow.

Die geschriebenen Namen - ob auf der Straße oder auf Papier - würden zudem gefilmt; über das Projekt werde eine Dokumentation mit dem Titel "11.908" produziert. Während sich die Namen auf der Straße auflösen oder abwaschen, soll so ein bleibendes Dokument entstehen.

Vorbild ist ein Gedenkprojekt aus Wien

Vorbild ist ein ähnliches Gedenkprojekt auf Initiative Rabows 2018 in Wien. Ihr entsprechender Film mit dem Titel "66.000" bezieht sich auf die Namen der von den Nationalsozialisten ermordeten österreichischen Juden.

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt habe danach angefragt, ob das Gedenkprojekt auch in Frankfurt möglich sei. Umgesetzt wird es nun mit Unterstützung der Bildungsakademie Rabanus Maurus des Bistums Limburg.

Wegen der Corona-Pandemie wurde das Projekt von April auf August verschoben. Zum Abschluss findet im Frankfurter "Haus am Dom" am 30. August eine Podiumsdiskussion statt. Rabow betonte, dass das Ziel des Projekts dann erreicht sei, wenn es gelinge, dass Gedenken an den Massenmord an jüdischen Menschen so weiterzutragen, "dass man berührt wird".

Norbert Demuth
(KNA)

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