Bundeswehr
Rund 300 jüdische Soldaten dienen in der Bundeswehr
Rabbiner in einer Syngaoge - bald auch in der Bundeswehr?
Rabbiner in einer Jüdischen Synagoge

03.04.2019

Konferenz in Berlin: Seelsorge und Einsatz für Demokratie Bundeswehr hat künftig Militärrabbiner

Mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust bekommt die Bundeswehr eine jüdische Seelsorge - per Staatsvertrag soll es in den Streitkräften künftig Militärrabbiner geben. Passend dazu: eine Konferenz zum Thema in Berlin.

Sein Schritt war umstritten. Als Michael Fürst Ende der 1960er Jahre, gut 20 Jahre nach dem Ende der Schoah, als erster Jude Zeitsoldat in der Bundeswehr war, gab es durchaus Gegenwind und Unverständnis. Etwa in der jüdischen Gemeinde in Hannover, wo er mit Uniform im Gottesdienst erschien, wie Fürst dem Deutschlandfunk einmal sagte.

Rund 300 jüdische Soldaten in der Bundeswehr

Und in der "Jüdischen Allgemeinen" berichtete er von einem Ausbilder, der sich offen als Antisemit bezeichnet habe. Mittlerweile gibt es Schätzungen zufolge rund 300 jüdische Soldaten in der Bundeswehr - die nun eine jüdische Seelsorge bekommen soll, wie das Verteidigungsministerium am Dienstag ankündigte.

Dazu soll ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik und dem Zentralrat der Juden ausgehandelt werden - so wie auch "das Wirken der beiden großen christlichen Kirchen" abgesichert sei, hieß es. Der Zentralrat soll nach Angaben des Ministeriums künftig Kandidaten für Militärrabbiner vorschlagen, die Bundeswehr wähle aus. Und: "Die Seelsorger sollen bei Bedarf auch in die Einsatzgebiete der Bundeswehr reisen." Die "fachliche Aufsicht über das theologische Wirken" soll beim Zentralrat liegen, die Dienstaufsicht über die Arbeit der Militärrabbiner bei der Bundeswehr.

Niedrige einstellige Zahl von Rabbinern

Wie viele Militärrabbiner künftig vorgesehen sind und zu welchem Zeitpunkt, wurde bislang noch nicht mitgeteilt. Jedenfalls sei erst einmal eine niedrige einstellige Zahl geplant - um Erfahrungen zu sammeln. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verwies auf die aktuelle Lage: Gerade in Zeiten, in denen "Antisemitismus, religiöse Polarisierung und Engstirnigkeit vielerorts auf dem Vormarsch" seien, sei dies ein wichtiges Signal. Übrigens auch für die etwa 3.000 Muslime in der Bundeswehr, für die "verbesserte seelsorgerische Angebote" geplant seien.

Vorschläge für Militärrabbiner kamen nicht zuletzt von "höchster Stelle": vom Präsidenten des Zentralrats, Josef Schuster. Mit Blick auf die jüngste Ankündigung aus dem Verteidigungsministeriums sagte er: "Die Berufung von Militärrabbinern ist ein Zeichen für das gewachsene Vertrauensverhältnis der jüdischen Gemeinschaft in die Bundeswehr als Teil unserer demokratischen Gesellschaft. Mit jüdischer Militärseelsorge wollen wir unseren Beitrag zur ethischen Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten leisten. Die Bundeswehr soll ein positives Spiegelbild unserer Gesellschaft sein."

Denn die Militärrabbiner sollen sowohl Seelsorger als auch Dozenten im lebenskundlichen Unterricht sein.

100.000 jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg

Es gibt historische Bezüge: Im Ersten Weltkrieg waren Feldrabbiner für die kämpfenden Soldaten im Einsatz. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), legt in der April-Ausgabe der Zeitschrift "Kompass" des katholischen Militärbischofs dar, dass ab 1812 Juden in weiten Teilen Preußens erstmals wehrpflichtig geworden seien.

Im Ersten Weltkrieg standen in den deutschen Armeen demnach 100.000 Juden unter Waffen, rund 12.000 fielen. 1920 schlossen sich den Angaben zufolge jüdische Soldaten im "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" zusammen. Der Bund habe sich "als Interessenvertretung gegen antisemitische Hetze und Verleumdungen" verstanden. Nach dem millionenfachen Mord an deutschen und europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg galt bis zur Aussetzung der Allgemeinen Wehrpflicht 2011 die Praxis, jüdische Wehrpflichtige nicht gegen ihren Willen einzuziehen, schreibt Bartels, der auch an Fälle von Antisemitismus in der Bundeswehr und ihre Ahndung erinnert.

Von Mittwoch bis Freitag veranstaltet der Zentralrat die Konferenz "Militärrabbiner in der Bundeswehr. Zwischen Tradition und Herausforderung" in Berlin. Dazu werden Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Rabbiner in ausländischen Streitkräften sowie Vertreter der Kirchen und von Bundestagsfraktionen erwartet. Mit dabei ist auch der Leiter des Katholischen Militärbischofsamts, Reinhold Bartmann. Vor einigen Jahren hat sich der Bund jüdischer Soldaten (BjS) gegründet. Michael Fürst, der erste jüdische Zeitsoldat und heutige Landesvorsitzende der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, ist Ehrenvorsitzender des BjS.

Von Leticia Witte

(KNA)

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