Was kann gegen religiöses Mobbing getan werden?
Zwei Jungen mit Kippa

01.04.2019

Studie: Antisemitismus bei Muslimen Folge von Islamfeindlichkeit Noch kleinere Minderheit als Sündenbock

Antisemitismus unter jungen Muslimen in Deutschland ist laut Experten auch Ergebnis einer zunehmenden Islamfeindlichkeit in der Gesellschaft. Zu dem Ergebnis kommt eine neue Studie. Bedenklich sei dabei eine Art "Sündenbock-Mechanismus".

Das geht aus der jetzt in Bonn von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichten Abschlussdokumentation eines Schulprojekts zum Thema hervor. Danach rechtfertigen viele Jugendliche muslimischen Glaubens ihre antisemitischen und menschenfeindlichen Einstellungen damit, "dass sie durch die zunehmende Islamfeindlichkeit selbst abgewertet und diskriminiert werden".

"Höchst bedenklicher" Mechanismus

Das sei "ein höchst bedenklicher" Mechanismus, hieß es. Mitglieder der Minderheit der Muslime in Deutschland suchten in einer noch kleineren Minderheit "eine Art Sündenbock, um selbst erfahrene Diskriminierung durch Verschwörungstheorien zu erklären".

Die Hilflosigkeit und Widersprüchlichkeit der Haltung zeige sich dadurch, dass einige Jugendliche beanspruchten, als Muslime in einer ähnlichen Opferrolle zu sein wie Juden. Daraus folgten dann Forderungen nach einem ähnlichen Solidarisierungsprozess wie mit Juden.

Das Präventionsprojekt "Extreme out - Empowerment statt Antisemitismus" des Liberal-Islamischen Bundes in Hamburg war zwischen 2015 und 2018 an zwei Schulen in Dinslaken und Duisburg-Marxloh umgesetzt worden. Ziel war es, antisemitische Einstellungen bei Jugendlichen mit muslimischer Glaubenszugehörigkeit zu beleuchten und zu bearbeiten. Das vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge geförderte Projekt soll möglichst auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.

Handlungsempfehlungen für die schulische Arbeit

Die Studie erarbeitete Handlungsempfehlungen für die schulische Arbeit. Als eines der Ziele beschreiben die Wissenschaftler, dass Jugendliche muslimischen Glaubens in Deutschland "als gleichwertige Mitglieder in unserer Migrationsgesellschaft" respektiert werden.

Die Anerkennung beginne bei der Sprache. Es handele sich um "deutsche Jugendliche muslimischen Glaubens" und eben nicht um "Türken" oder "Araber". Unabdingbar sei auch die Fähigkeit der Mehrheitsgesellschaft, innerhalb der muslimischen Community Unterschiede zu kennen.

Darüber hinaus sei es wichtig, islamfeindliche Erfahrungen junger Muslime ernst zu nehmen. Nur so könne unter ihnen auch ein Einfühlungsvermögen in die Befindlichkeit von Juden entstehen. Zum Abbau von Antisemitismus bedürfe es zudem Begegnungen und weiterführender gemeinsamer Aktivitäten.

(KNA)

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