Entwurf für den "Toleranzwagen"
Entwurf für den "Toleranzwagen"
Wagenbaumeister Jacques Tilly (l.), und die Vertreter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Walter Schuhen und Michael Szentei-Heise (r.) stellen den "Toleranzwagen" vor
Wagenbaumeister Jacques Tilly (l.), und die Vertreter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Walter Schuhen und Michael Szentei-Heise (r.) stellen den "Toleranzwagen" vor

04.03.2019

Interreligiöser Karnevalswagen in Düsseldorf vor dem Start Mit Toleranz zur Akzeptanz

Am Montag ist Premiere: Der Toleranzwagen von Juden, Muslimen, Katholiken und Protestanten rollt im Düsseldorfer Rosenmontagszug. Er soll ein Zeichen gegen Extremismus und Spaltung sein.

Helau! Schalom! Salam! So könnte es klingen, wenn der Toleranzwagen an Rosenmontag durch Düsseldorfs Straßen fährt. "So schwer machen wir es den Zuschauern nicht", sagt der Initiator des Wagens, Michael Szentei-Heise. Die interreligiösen Jecken hätten sich auf das karnevalistische "Düsseldorf Helau" geeinigt. "Es entspricht auch der Botschaft, die wir mit unserem Gefährt vermitteln wollen", betont der 64-Jährige. Eigentlich hätte der Titel "Akzeptanz-Wagen" heißen müssen, so der Initiator. "Aber nicht so viele Schritte auf einmal", sagt er und lacht.

Der Wagen, entworfen von Jacques Tilly, zeigt einen Imam, eine evangelische Pastorin, einen katholischen Priester und einen jüdischen Rabbiner. "Ich habe das derzeitige politische Klima in Teilen der Gesellschaft aufgenommen, und dieses Zeichen für mehr Toleranz ist dabei herausgekommen", erläuterte der Künstler. Den Hintergrund zu der Vierergruppe bildet das Stadtbild von Düsseldorf, an dessen Himmel "Toleranz-Wagen" geschrieben steht. Vorbild dafür sei das berühmte Zitat "Mehr Demokratie wagen" von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) aus seiner Regierungserklärung von 1969.

"In Vielfalt geeint"

Die Kosten für den 16 Meter langen und etwa 4 Meter hohen Wagen beziffern die Initiatoren auf rund 65.000 Euro. Die eigens einberufene "Crowdfunding-Aktion" brachte laut Szentei-Heise, der auch Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf ist, rund 30.000 Euro ein. "Es ist sehr schade, dass diese wunderbare Aktion nicht rein aus Spenden finanziert werden konnte, denn gerade das wäre ein schönes Zeichen gewesen." Den Restbetrag übernehmen laut Szentei-Heise die beteiligten vier Religionsgemeinschaften zu gleichen Teilen.

32 Jecken wollen am Montag auf dem Toleranzwagen mitfahren. Sieben Plätze hätten Karnevalsfreunde zuvor für 1.911 Euro erstehen können. Mit der Startnummer 58 – im zweiten Zugdrittel – geht die interreligiöse Karnevalsgemeinschaft gegen 12.00 Uhr an den Start. Das Zugende soll etwa um 16.30 Uhr erreicht werden. Buntgemischte Kostüme trügen die Mitfahrer übrigens. "In Vielfalt geeint", sagt Szentei-Heise und lacht. Sein eigenes Kostüm bleibe bis Zugbeginn jedoch ein Geheimnis.

Eine deutliche Annäherung

"Wir werden sehr beschäftigt sein", sagt der Initiator: Als Wurfmaterial während des Zuges gibt es laut den Verantwortlichen neben herkömmlichen Kamellen auch koscheres Wurfgut und "Halal". Mit an Bord ist auch ein Kamerateam – mal vom ZDF, mal vom WDR. Der Zug wird zudem in voller Länge live übertragen.

"Von katholischer Seite werden unter anderem der Düsseldorfer Stadtdechant, Ulrich Hennes und Caritas-Direktor Thomas Salmen vertreten sein", erklärte der Geschäftsführer des katholischen Gemeindeverbandes Düsseldorf, Michael Hänsch. Es sei "allgemein" eine deutliche Annäherung unter den vier Religionen zu spüren. "Es ist ein bisschen jeck, dass jetzt alle auf einem Wagen vereint sind – ein tolles Zeichen", lobte Hänsch.

"Wir erwarten keine Übergriffe"

Der exponierte Karnevalswagen rief bereits vor Monaten ein breites Medienecho hervor – Sicherheitsbedenken inklusive. Ein beruhigendes Signal will die Düsseldorfer Polizei aussenden: "Sicherer als am Rosenmontag kann ein Wagen nicht durch die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt fahren", sagt Polizei-Pressesprecher Andre Hartwich.

Es seien rund 1.000 Beamte entlang der Zugstrecke positioniert. Zusätzlich gebe es ein bewährtes Sicherheitskonzept. "Wir erwarten keine Übergriffe auf den Toleranzwagen." Im vergangenen Jahr fuhr beim Düsseldorfer Rosenmontagszug erstmals ein Wagen der jüdischen Gemeinde unter dem Motto "Heinrich Heine - der berühmteste jüdische Sohn der Stadt" mit.

Michael Hammer
(KNA)

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