Sternberg: Religion darf nicht zum Sündenbock gemacht werden
Sternberg: Religion darf nicht zum Sündenbock gemacht werden

09.05.2018

Katholiken besorgt über Islamfeindlichkeit und Antisemitismus Schlechter Sündenbock

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist besorgt über zunehmende Islamfeindlichkeit und wachsenden Antisemitismus. Religion dürfe nicht für vielschichtige Probleme instrumentalisiert werden, so Sternberg.

Präsident Thomas Sternberg beklagte am Dienstag bei der ZdK-Vollversammlung in Münster, dass niemand von den 2017 erstmals erfassten, mindestens 950 islamfeindlichen Straftaten spreche. Dies sei "eine erschreckend hohe Zahl". Dabei wollten die meisten Muslime in Deutschland in Würde, Freiheit und Frieden leben.

Religion werde zum Sündenbock gemacht

Erschreckend sei auch die Art und Weise, in der Antisemitismus Kreise ziehe, so Sternberg in seinem Lagebericht. Dies reiche von infamen Sprüchen bis hin zu tätlichen Angriffen. Der Antisemitismus speise sich aus unterschiedlichen Quellen wie völkischem Denken, Dummheit und leider auch aus religiösen Quellen, etwa bei manchen Muslimen. "Das ist selbstverständlich ganz entschieden und klar abzulehnen", betonte der Präsident. Aber die Antisemitismusdebatte dürfe auch nicht gegen die Muslime instrumentalisiert werden.

Sternberg warnte vor einer "Religionisierung" von vielschichtigen Problemen. Ganz verschiedene Themen würden undifferenziert als Problem "des Islam" charakterisiert, wobei die Religion zum Sündenbock gemacht werde. Dem gelte es zu widerstehen.

Kreuz als Wahlkampfgag und Kampfansage

Als schädlich bezeichnete Sternberg die Debatte um den Erlass des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), in den Eingangsbereichen von Behörden Kreuze aufzuhängen. Kreuze im öffentlichen Raum seien zwar als Zeichen selbstloser Liebe und höherer Gerechtigkeit zu begrüßen. Als Kampfansage und Wahlkampfgag verliere das Kreuz aber diese Symbolik.

Scharfe Kritik übte Sternberg "an einer scheinbar harmlosen Kleinen Anfrage der AfD im Bundestag", die "ein widerliches Signal der Ausgrenzung von Behinderten und Flüchtlingen gleichermaßen" darstelle. Die Partei hatte danach gefragt, inwiefern sich durch Zuwanderer Krankheiten verbreitet hätten. Zudem wollte sie wissen, ob es einen Zusammenhang gebe zwischen der Zahl der Schwerbehinderten in Deutschland und einer angeblich hohen Zahl von inzestuösen Verbindungen in Zuwandererfamilien.

Die ZdK-Vollversammlung findet im Vorfeld des 101. Katholikentags statt, der am Mittwochabend in Münster eröffnet wird. Zu dem Programm unter dem Leitwort "Suche Frieden" werden rund 50.000 Dauer- und etwa 20.000 Tagesbesucher erwartet.

(KNA)

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