Architekturausstelung in der Parochialkirche: Entwurf Emil Tuffner und Annika Liesen
Architekturausstelung in der Parochialkirche: Entwurf Emil Tuffner und Annika Liesen

26.09.2020

Berliner Bau eines Drei-Religionen-Hauses strahlt bis Afrika aus Studierende legen Architekturentwürfe für Ableger vor

Nicht nur mit Blick auf Spenden findet das in Berlin geplante Bet- und Lehrhaus für Juden, Christen und Muslime internationale Beachtung. Auch in Afrika soll es einen Ableger geben. Entwürfe dazu präsentiert eine Ausstellung.

Eine neue Ausstellung zeigt die internationale Ausstrahlung des Berliner interreligiösen Projekts "House of One". In der Parochialkirche in Berlin-Mitte sind ab diesem Donnerstag rund zwei Wochen lang Zeichnungen und Modelle für ein vergleichbares Bet- und Lehrhaus in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui zu sehen.
Die 24 Entwürfe stammen von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar und der Hochschule EAMAU in Lome (Togo). Sie sollen als Grundlage für einen afrikaweiten Architektenwettbewerb dienen. Er war bereits in diesem Jahr geplant und wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben.

Ähnliches Projekt in der Zentralafrikanischen Republik

Bei der Vorstellung der Schau erklärte der Vorsitzende des Verwaltungsdirektoriums für das "House of One", Roland Stolte, nach der Ehrung mit dem Aachener Friedenspreis 2015 hätten der katholische Kardinal Dieudonne Nzapalainga und der islamische Geistliche Oumar Kobine Layama von der Friedensplattform PCRC die Berliner Initiative um Unterstützung für ein ähnliches Projekt in der Zentralafrikanischen Republik gebeten.

Im vergangenen Jahr kamen sie nach Berlin und warben für ein "Haus des Friedens und der Religionen" sowie weitere deutsche Hilfe bei den Friedensbemühungen in ihrem Heimatland, in dem es seit Jahren Kämpfe zwischen christlichen und muslimischen Milizen gibt. Nzapalainga äußerte sich anschließend zuversichtlich, dass das Bauprojekt realisierbar ist. Ein Grundstein dafür wurde bereits im Beisein hochrangiger Regierungsvertreter gelegt.

Rabbiner Andreas Nachama vom "House of One"-Präsidium betonte, zum Berliner Projekt gehöre das Ziel, auch andernorts solche Initiativen zu fördern. Imam Kadir Sanci, der ebenfalls dem Präsidium angehört, sagte, die Ausstellung sei ein "Spiegelbild des gemeinsamen Lernprozesses". Nach Angaben des Professors für Entwerfen und Baukonstruktion an der Bauhaus-Universität Weimar, Johannes Kuehn, stammen 22 der präsentierten Entwürfe aus Weimar und zwei aus Lome.

Berliner Vorbild nun zehn Jahre alt

Das Berliner Vorbild wurde vor zehn Jahren begründet. Es trägt den Titel "House of One" ("Haus des Einen"), weil die beteiligten Religionsgemeinschaften an einen Gott glauben. Träger sind die evangelische Kirchengemeinde Sankt Petri-Sankt Marien, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, das Abraham Geiger Kolleg und der muslimische Verein Forum Dialog. Ihr Sakralbau wird eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee unter einem Dach umfassen sowie einen zentralen Raum der Begegnung mit anderen religiösen und nichtreligiösen Menschen.

Es entsteht ein dreistufiger Ziegelbau in kubischen Formen. Das Konzept belegte 2013 bei einem Architektenwettbewerb den ersten Platz. Errichtet wird er auf den Fundamenten der historischen evangelischen Petri-Kirche, deren Ruine nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen wurde. Die Grundsteinlegung war im vergangenen April geplant, wurde jedoch wegen der Corona-Krise auf das kommende Jahr verschoben.

Die Kosten des Projekts belaufen sich nach Angaben der Träger auf 47,2 Millionen Euro. Davon sind jeweils 10 Millionen Euro vom Bund und dem Land Berlin zugesagt. An privaten Spenden sind demnach bislang rund 6 Millionen Euro aus aller Welt eingegangen. 3,4 Millionen Euro stammen aus dem von Bund und Land geförderten Programm "Nationale Projekte des Städtebaus". Für das afrikanische Partnerprojekt liegt noch keine Kostenschätzung vor.

Gregor Krumpholz
(KNA)

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