Interreligiöses Bet- und Lehrhaus eröffnet Pavillon in Berlin

"Neue Wege ausprobieren"

Das geplante Drei-Religionen-Projekt "House of One" in Berlin nimmt Gestalt an. Am Montag wurde am Petriplatz ein temporärer Info- und Veranstaltungspavillon eröffnet. 2019 soll der Grundstein gelegt werden.

Infopavillon am Standort vom "House of One" / © Rolf Zoellner (epd)
Infopavillon am Standort vom "House of One" / © Rolf Zoellner ( epd )

Am Standort des geplanten interreligiösen Bet- und Lehrhauses "House of One" in Berlin-Mitte ist ein Pavillon eröffnet worden. Der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge bescheinigte dem Projekt "Laborcharakter" und hob hervor: "Hier kann Dialog eingeübt werden, hier können neue Wege ausprobiert werden." Mit dem Pavillon gebe es nun einen Veranstaltungsraum, in dem "die Idee des 'House of One' sozusagen auf dem Weg gelebt werden kann".

Der hölzerne Bau hatte bereits auf der "Weltausstellung Reformation" in Wittenberg für das Projekt geworben. Er soll bis zum Baubeginn 2019 auf dem Petriplatz als Ort für Veranstaltungen und Informationen dienen. Das künftige "House of One" soll dann einen Gemeinschaftsraum mit angeschlossener Synagoge, Moschee und einem christlichen Kirchenraum umfassen. Der Name "House of One" ("Haus des Einen") bezieht sich auf den Glauben der beteiligten Religionen an einen Gott.

Rabbiner Andreas Nachama, Mitglied des Präsidiums der Stiftung, sagte, mit dem Projekt werde Neuland betreten. "Eigentlich sollte es in jeder Stadt dieser Welt so ein Projekt geben." Der Pavillon sei das erste sichtbare und erlebbare Zeichen des Drei-Religionen-Hauses. "Gemeinsam Frieden schaffen" sei die Idee des "House of One", sagte Nachamas Präsidiumkollege, der evangelische Pfarrer Gregor Hohberg. "Wir stehen hier zusammen, weil wir es alleine nicht schaffen."

Inmitten eines Gartens

Der beheizbare Pavillon ist eine Holzkonstruktion, die weitgehend maßstabsgerecht dem geplanten zentralen Raum der Begegnung entspricht. In Berlin steht er auf den Fundamenten der kriegszerstörten evangelischen Petri-Kirche inmitten eines Gartens, der die drei Sakralräume für Juden, Muslimen und Christen des "House of One" markiert. Träger des Bet- und Lehrhauses sind die Evangelische Kirchengemeinde Sankt Petri-Sankt Marien, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, das Abraham Geiger Kolleg und der muslimische Verein Forum Dialog.

"Mit diesem Pavillon suchen die Religionen den unvoreingenommenen Austausch", sagte Geschäftsführer Roland Stolte. "Wir hoffen, dass es gelingen wird, die Mauer des Hasses zwischen verfeindeten Religionen niederzulegen", ergänzte Pfarrer Gregor Hohberg, der zu den Initiatoren des Projekts gehört.

Grundsteinlegung für 2019

Nach einem Architekten-Wettbewerb liegt bereits ein Entwurf vor, der einen Ziegelbau in kubischen Formen vorsieht. Die Stiftung veranschlagt die Kosten auf 43 Millionen Euro. Der Bund sicherte 2,2 Millionen Euro zu, das Land Berlin 1,2 Millionen Euro. Dank einer größere Einzelspende beträgt der Spendenstand für das Projekt nach Angaben Stoltes aktuell 8,5 Millionen Euro.

Eine Grundsteinlegung ist für 2019 geplant. Ein erster Bauabschnitt kann Stolte zufolge bei einem Spendenstand von 12,5 Millionen Euro beginnen. Als 2014 die Spendensammlung für das Projekt begann, war ein Baustart 2015 vorgesehen. Ein Datum für eine Fertigstellung konnten die Initiatoren am Montag nicht nennen.

Markus Dröge / © Jürgen Blume (epd)
Markus Dröge / © Jürgen Blume ( epd )
Model des "House of One" in Berlin / © Paul Zinken (dpa)
Model des "House of One" in Berlin / © Paul Zinken ( dpa )
Vertreter der EKD und des Koordinationsrates der Muslime im "House of One" in Wittenberg / © Christina Oezlem Geisler (epd)
Vertreter der EKD und des Koordinationsrates der Muslime im "House of One" in Wittenberg / © Christina Oezlem Geisler ( epd )
Quelle:
KNA , epd