Religionspädagoge Albert Biesinger: "Ohne religiöse Bildung geht es nicht."
Religionspädagoge Albert Biesinger: "Ohne religiöse Bildung geht es nicht."

11.12.2019

Weihnachten, Chanukka, Zuckerfest - oder gar nichts Brauchen Kinder Religion?

​Kinder verschiedener Religionen wachsen auch mit unterschiedlichen Traditionen auf. Dabei ist es wichtig, frühzeitig über andere Rituale Bescheid zu wissen, wie Experten betonen. Pädagogische Fachkräfte müssten deshalb besonders geschult werden.

Die achtjährige Daniela liebt den Moment, wenn am Freitagabend zu Beginn des Schabbat die Kerzen angezündet werden. Lilli, fünf Jahre alt, spielt an Heiligabend gern mit dem Jesuskind und der Krippe. Und der siebenjährige Aslan glaubt fest daran, dass Allah auf ihn aufpasst. Dass aus dem Lautsprecher in seinem Wohnzimmer der Muezzin fünf Mal täglich zum Gebet ruft, ist für ihn ganz normal.

"Religiöse Pädagogik spricht im besten Fall alle Sinne an", sagt Peter Martins, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Zum Guten Hirten in Berlin-Friedenau. Es gebe bestimmte Rituale, "die nicht viel mit Rationalität zu tun haben, aber einen bewegen, so ein 'magic moment'", sagt Martins. Für ihn ist das an Weihnachten etwa der Moment, wenn der Tannenbaum fertig geschmückt dasteht.

Der Theologe bietet Gesprächsabende für Eltern an, die Antworten suchen, wenn es um das Christentum geht - auch, wenn man "religiös unmusikalisch" ist, wie er betont.

Antworten auf Kinderfragen oft schwierig

"Was ist Gott? Wieso bringt das Christkind Geschenke? Oft komme ich ins Straucheln, wenn mein Sohn mich das fragt", bekennt in der Runde eine Mutter. Eine andere, selbst Theologin, stellt fest: "Mit meinem theologischen Überbau kann ich keine einzige Frage meiner Tochter beantworten". Ein reines "Kulturweihnachten" aber will sie auch nicht feiern.

Religiöse Traditionen, Gebete, Kirchenbesuche: Für die meisten Deutschen ist das langweilig, lebensfremd und hat mit dem familiären Alltag oder der Erziehung nichts zu tun. Was kann Religion für Kinder des 21. Jahrhunderts da leisten? "Zunächst ist Religion wichtig, weil sie zum kulturellen Wissensbestand gehört, in der Kunstgeschichte und Musik immer wieder vorkommt. Sie ist Teil der Allgemeinbildung", betont der Religionspädagoge Frieder Harz, emeritierter Professor der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg.

"Religiöse und interreligiöse Bildung muss intensiver werden"

Interreligiöser Austausch ist dabei seine Idealvorstellung. "Kein Kind sollte aus dem Kindergarten rausgehen, ohne zu wissen, dass es noch andere Religionen gibt", empfiehlt er. Was nicht heißt, dass man die Unterschiede verdecken soll. "Man muss zunächst einmal seine eigene Religion kennen, um andere zu akzeptieren."

Ähnlich sieht es der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger, Autor zahlreicher Ratgeber zum Thema. "Wenn wir nicht wollen, dass Synagogen, Moscheen und Kirchen brennen, muss die religiöse und interreligiöse Bildung intensiver werden", fordert der katholische Theologe. "Ohne religiöse Bildung geht es nicht mehr. Die Kinder von heute wachsen in eine Gesellschaft hinein, in der Religion ein Megathema wird". Pädagogische Fachkräfte müssten mit Blick auf interreligiöse Kompetenz trainiert werden.

"Wer ein Wurstbrot isst, kommt in die Hölle"

"Jahrzehntelang haben wir Religionspädagogen dagegen angekämpft, dass man Kindern Angst vor der Hölle macht, und jetzt kommt das über die muslimischen Kinder wieder in die Kitas rein", so Biesinger. Er gibt ein Beispiel: "Wer ein Wurstbrot isst, kommt in die Hölle", habe ein muslimisches Kind in der Kita zu anderen Kindern gesagt.

"Die Erzieherin hat nicht eingegriffen, hat das so stehen lassen", bedauert Biesinger. "Dabei hätte sie erstens sagen, dass hier niemand in die Hölle kommt, und zweitens erklären müssen, wieso das Kind überhaupt darauf kommt - weil Muslime kein Schweinefleisch essen." Es sei wichtig, dass Lehrer und Erzieher aus Angst vor Konflikten bei dem Thema nicht ausweichen.

Überraschende Fragen

Religion gibt Antworten auf kinderphilosophische Fragen, sind sich die Pädagogen einig - etwa darauf, wer die Welt gemacht hat. "Damit haben es Kinder einfacher, sich in der Welt zu Hause zu fühlen", sagt Harz. Durch religiöse Rituale erfahren sie Zugehörigkeit, Schutz und Geborgenheit. "Ich gehe davon aus, dass Kinder von sich aus religiöse Wesen sind. Sie fangen früh an, überraschende Fragen zu stellen. Das steckt evolutionsbedingt in Menschen drin", so Biesinger.

Fragen, die man selbst an die Religion habe, solle man offen beantworten und dabei auch zeigen, dass man nicht immer die Antwort wisse, rät der Pädagoge - etwa, wenn ein Kind ein Elternteil wegen einer Krankheit früh verliert. Warum Gott in dieser Welt Leid zulasse - das sei auch für einen gläubigen Menschen schwer zu verstehen.

Nina Schmedding
(KNA)

Sommeraktion: Meine Heimatkirche

Die Sommeraktion von DOMRADIO.DE: Wir suchen Ihre Heimatkirche. Laden Sie ein Bild hoch und erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 03.08.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Erster Schultag in Mecklenburg-Vorpommern - Don Bosco Schule in Rostock
  • Zentralrat der Muslime zum Opferfest der Muslime - zu wenig Beachtung in Deutschland?
  • "Freunde der Hedwigskathedrale" zur Baugenehmigung für Umbau der Hedwigs-Kathedrale in Berlin
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Jesus liebt Radfahrer - Weltreise mit Gottes Hilfe
  • Sorge um Benedikt XVI. - Wie geht es dem Papst emeritus?
  • Heavy-Metal Festival in Wacken fiel aus - Seelsorge findet trotzdem statt
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Jesus liebt Radfahrer - Weltreise mit Gottes Hilfe
  • Sorge um Benedikt XVI. - Wie geht es dem Papst emeritus?
  • Heavy-Metal Festival in Wacken fiel aus - Seelsorge findet trotzdem statt
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Die Heilige Lydia und die Frauen in der Kirche: KfD ärgert sich über Rom
  • Kirchenasyl auf dem Prüfstand: Was ist erlaubt?
  • Happy Birthday DOMRADIO.DE - Kultur und Kirche im Radio
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Die Heilige Lydia und die Frauen in der Kirche: KfD ärgert sich über Rom
  • Kirchenasyl auf dem Prüfstand: Was ist erlaubt?
  • Happy Birthday DOMRADIO.DE - Kultur und Kirche im Radio
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Zentralrat der Muslime zum Opferfest der Muslime - zu wenig Beachtung in Deutschland?
  • Sorge um Benedikt XVI. - Wie geht es dem Papst emeritus?
  • Kirchenasyl auf dem Prüfstand: Was ist erlaubt?
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wichtig: Kein DAB+ mehr in NRW ab Juli

Leider sendet DOMRADIO ab Juli nicht mehr über DAB+ in NRW. Laden Sie sich doch unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…