Symbolbild: Woche der Brüderlichkeit
Symbolbild: Woche der Brüderlichkeit
Bischof Ulrich Neymeyr
Bischof Ulrich Neymeyr

13.03.2018

Vertreter von Kirchen und Judentum warnen vor Rechtspopulismus Achtung vor der Würde des Menschen

Kirchenvertretern und Rabbiner zeigen sich während der "Woche der Brüderlichkeit" besorgt angesichts von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Sie berichteten am Montag von Beleidigungen und Straftaten. 

Vertreter der christlichen Kirchen und des Judentums haben vor einem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland gewarnt. Antisemitische Beleidigungen und Straftaten hätten in den vergangenen Jahren in erschreckendem Maße zugenommen, erklärte der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr am Montag bei einem Treffen von Kirchenvertretern und Rabbinern zur "Woche der Brüderlichkeit" in Recklinghausen. Die aggressive Rhetorik von Rechtspopulisten sei dazu geeignet, die Kultur öffentlicher Debatten und das gesellschaftliche Zusammenleben nachhaltig zu beschädigen.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass der Respekt, den wir jedem Menschen schulden, als 'Gutmenschentum' oder 'politische Korrektheit' lächerlich gemacht wird, forderte Neymeyr. Die Achtung vor der Würde des Menschen sei kein Tabu, das es zu brechen gelte, sondern die moralische Grundlage des Zusammenlebens einer Gesellschaft.

"Symptom einer verängstigten Gesellschaft"

Der Berliner Rabbiner Jonah Sievers sagte: "Leider mussten wir in der letzten Zeit erkennen, dass der latent immer schon vorhandene Antisemitismus seine hässliche Fratze immer ungenierter in der Öffentlichkeit zeigt, sei es als klassischer Antisemitismus oder getarnt als Israel-Kritik." Dieser Zustand sei nicht hinnehmbar.

Der evangelische hannoversche Landesbischof Ralf Meister sieht Rechtspopulismus als Symptom einer verängstigten Gesellschaft. Dafür sei auch ein beschleunigter sozialer Wandel verantwortlich. Es gehe darum, "Abstiegsängste wahrzunehmen, Gespräche zu führen, Konflikte auszutragen", so Meister. Grenzüberschreitungen, mit denen die Grundlagen der demokratischen Kultur verschoben werden sollen, seien nicht hinnehmbar.

Rabbiner Avraham Yitzchak Radbil aus Osnabrück verwies auf die Sündenbockstrategie der Rechtspopulisten. Jeder Rechtspopulist versuche, dem eigenen Volk zu vermitteln, dass sie "die eigentlichen Opfer im eigenen Land sind, die von den Fremden schamlos ausgebeutet und gefährdet werden". Radbil forderte, Hasspredigten und fremdenfeindlichen Äußerungen vehement entgegen zu treten.

Die bundesweite "Woche der Brüderlichkeit" war zentral am Sonntag in Recklinghausen eröffnet worden. Sie richtet sich gegen weltanschaulichen Fanatismus und religiöse Intoleranz. Bis Sonntag finden unter dem Motto "Angst überwinden - Brücken bauen" zahlreiche Veranstaltungen statt. Die Woche wird seit 1952 jeweils im März vom Deutschen Koordinierungsrat veranstaltet. Der Rat umfasst bundesweit mehr als 80 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

(KNA)

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