Kölner Synagogen-Gemeinde zur Woche der Brüderlichkeit

"Wir fühlen uns gut aufgehoben"

Es ist eine Woche gegen weltanschaulichen Fanatismus und religiöse Intoleranz: die Woche der Brüderlichkeit. Geborgen in der Gemeinschaft mit den christlichen Kirchen sieht sich Abraham-Josef Lehrer von der Synagogen-Gemeinde in Köln.

Jüdische Geistliche / © Rolf Zöllner (epd)
Jüdische Geistliche / © Rolf Zöllner ( epd )

domradio.de: Nun gehe hin und lerne - das ist das Motto in diesem Jahr. Es hat ja einen langen Lernprozess gebraucht, bis man gemerkt hat, dass Antisemitismus und Antijudaismus im Christentum keinen Platz haben. Fühlen Sie sich denn jetzt angenommen und akzeptiert bei Katholiken und evangelischen Christen?

Abraham-Josef Lehrer (Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln): Wir fühlen uns gut aufgehoben und geborgen in der Gemeinschaft mit den großen christlichen Kirchen. Und der diesjährige Preisträger, die KLAKer Gemeinschaften, sind absolut ein verdienter Preisträger, weil sie dazu beigetragen haben und dazu beitragen, das Verhältnis zwischen den christlichen Kirchen und dem Judentum deutlich zu verbessern. Sie haben es außerdem auch in den eigenen Reihen geschafft, ein Klima zu kreieren, was dieses Angenommen- und Geborgenfühlen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland stark gefördert hat.

domradio.de: Klima ist vielleicht das richtige Stichwort - denn mit der AfD ist ja zur Zeit eine Partei aktuell sehr erfolgreich, weil sie die Politik rechts außen bedient. Der thüringische AfD-Chef Björn Höcke hat ja Anfang des Jahres von einem Holocaust-Mahnmal als einem "Denkmal der Schande" gesprochen. Wie sehr schmerzt sie das?

Lehrer: Das schmerzt uns furchtbar. Das Mahnmal in Berlin ist ein Symbol für die gute und erfolgreiche Arbeit, die diese Republik nach 1945 geleistet hat, um die Zeit des Holocaust aufzuarbeiten und ihr einen gebührenden Platz in der Geschichte und im Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft zu geben. Wenn also der gute AfD-Mann jetzt kommt und sagt: "Wir müssen das alles auf den Kopf stellen", können wir das überhaupt nicht nachvollziehen. Ich vermag auch nicht so ganz zu verstehen, warum das alles nicht strafrelevant sein soll. Wir lehnen die Äußerungen von diesem AfD-Mann auf das Schärfste ab.

domradio.de: Die Woche der Brüderlichkeit ist jedes Jahr natürlich immer so ein großes Treffen zwischen hochrangigen Juden und Christen. Aber erreicht die Botschaft auch den "Kleinen Mann"? Wie schätzen Sie das ein?

Lehrer: Ich glaube ja, weil die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die es in vielen vielen Städten und Orten unseres Landes gibt, alle ihr lokales Programm haben, was überhaupt erst diese Woche der Brüderlichkeit ausmacht. Die schöne und wichtige Veranstaltung in Frankfurt ist das Aushängeschild, was auch in den Medien berichtet wird. Aber die tatsächliche Arbeit findet in den Städten beziehungsweise Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit vor Ort statt.

domradio.de: Inwiefern ist die Woche der Brüderlichkeit bei Ihnen in der Gemeinde Thema?

Lehrer: Wir berichten darüber. Wir geben über unseren Newsletter alle Veranstaltungen bekannt, wo Dinge passieren die aus unserer Sicht für die Woche der Brüderlichkeit für uns relevant sind. Wenn sie so wollen, fordern wir damit auch unsere Mitglieder auf: Wenn du magst, geh da hin.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Abraham Lehrer (dpa)
Abraham Lehrer / ( dpa )
Quelle:
DR