"Woche der Brüderlichkeit" hat begonnen

Antisemitismus bekämpfen

Die 65. Berliner christlich-jüdische "Woche der Brüderlichkeit" hat mit einem eindringlichen Appell, sich gegen Antisemitismus zu stellen, begonnen. Gleichzeitig wurde die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen.

Margaretha Hackermeier, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Ministerpräsident Volker Bouffier und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm (v.l.) / © Heike Lyding (KNA)
Margaretha Hackermeier, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Ministerpräsident Volker Bouffier und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm (v.l.) / © Heike Lyding ( KNA )

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, räumte bei der bundesweiten Eröffnung der "Woche der Brüderlichkeit" ein, die Kirche sei gegenüber dem Judentum "zutiefst schuldig geworden" und verstrickt in die Geschichte des Antisemitismus. Die Erinnerung daran erfülle seine Kirche mit großer Trauer und Scham.

Er kündigte an, mit den EKD-Landeskirchen für zehn Jahre eine Stiftungsprofessur zur Erforschung und Förderung des christlich-jüdischen Dialogs einzurichten. Bedford-Strohm bat auch "um Vergebung für das unermessliche Leid, das, auch im Namen Martin Luthers, unserem jüdischen Schwestern und Brüdern angetan worden ist". Die Professur sei ein Zeichen der evangelischen Kirche für die Abkehr von einem "schuldbeladenen Irrweg" im Umgang mit dem Judentum und ein "Angebot, den Weg des Dialogs und der Verbundenheit mit dem Judentum gemeinsam weiter zu gehen".

Derzeit befinde sich der christlich-jüdische Dialog in einem Umbruch, sagte Bedford-Strohm. Antisemitische Vorurteile kehrten zurück, und die Anliegen des Dialogs müssten an eine nachwachsende Generation vermittelt werden.

Erzbischof Koch verurteilt Hass auf andere Religionen

"Wer Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, die Angst vor Flüchtlingen oder den Hass auf religiös Andersdenkende schürt, der hat den Boden des Christentums, den Boden jeglicher Religion und Humanität längst verlassen", betonte Erzbischof Heiner Koch am Sonntag in der Katholischen Akademie.

Nach einem langen und schmerzlichen Lernprozess dürften Antisemitismus und Antijudaismus auch im Christentum keinen Platz haben, forderte Koch in seiner Festrede. Er kritisierte, Populismus bestehe "in der Überzeugung, dass man vom anderen nichts mehr zu lernen braucht". Dies habe Auswirkungen "bis in die Politik hinein". Dagegen setze die bundesweite "Woche der Brüderlichkeit" ihr diesjähriges Motto: "Nun gehe hin und lerne".

Bouffier fordert Kampf gegen Antisemitismus

"Der Aufruf zum Kampf gegen den Antisemitismus gilt auch für jene, die sich zu Verteidigern des christlichen Abendlandes aufschwingen und dabei übersehen, dass der jüdische Glaube Teil unserer kulturellen Tradition ist", sagte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Er gelte auch für jene, die sogar aus den Parlamenten heraus die Erinnerungskultur diffamieren wollten, sagte er mit Bezug auf eine Rede des Vorsitzenden der thüringischen AfD-Landtagsfraktion, Björn Höcke. "Nicht die Art des Erinnerns ist eine Schande, sondern es nicht zu tun", sagte Bouffier.

Lob für interreligiösen Dialog

Der hessische Ministerpräsident begrüßte den christlich-jüdischen Dialog. Er verhindere, "dass sich jeder in sein religiöses Schneckenhaus zurückzieht und dass die Gesellschaft in immer mehr unverbundene Teile zerfällt", sagte Bouffier. "Es ist zu wünschen, dass sich auch die Muslime noch konsequenter auf den Weg des Dialogs einlassen." In der "Woche der Brüderlichkeit" vom 5. bis 12. März sind bundesweit rund 750 Veranstaltungen geplant.

Buber-Rosenzweig-Medaille wird verliehen

Der DKR zeichnete die "Konferenz Landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden" (KLAK) mit der Buber-Rosenzweig-Medaille 2017 aus. Landesrabbiner Henry G. Brandt betonte, angesichts des Erstarkens eines neuen Antisemitismus sei die Arbeit der KLAK noch lange nicht getan. Zudem seien durch den Zuzug von Flüchtlingen Zehntausende "unter uns, die ihr ganzes Leben mit Hass gegen Israel und parallel alles Jüdische geimpft" worden seien.

Seit dem Holocaust hätten viele Kirchen eine neue Haltung zum Judentum eingenommen, sagte der evangelische Präsident des DKR, Friedhelm Pieper. Die Kirchen hätten gelernt, dass sie das Judentum nicht enterbt hätten, sondern dass sie nur neben dem Judentum existierten. Dieser noch unabgeschlossene Lernprozess sei in Deutschland auf evangelischer Seite von Mitgliedern der 1978 gegründeten Konferenz vorangetrieben worden.

Die Konferenz habe entschlossen die kirchliche Judenfeindschaft aufgearbeitet und entscheidend zur Neuorientierung der Protestanten im Verhältnis zu den Juden beigetragen. Der DKR vergibt die undotierte Auszeichnung seit 1968 zum Auftakt der "Woche der Brüderlichkeit". Im vergangenen Jahr wurde der jüdische Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik geehrt. Die Medaille erinnert an die jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929).

Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (v.l.) / © Boris Roessler (dpa)
Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (v.l.) / © Boris Roessler ( dpa )
Quelle:
epd , KNA