Immer wieder sind auch Juden Antisemitismus ausgesetzt
Die Woche der Brüderlichkeit beginnt
Peter Maffay
Peter Maffay

11.03.2018

Woche für Brüderlichkeit in Zeiten wachsenden Antisemitismus "Angst greift immer mehr um sich"

Seit den 1950er Jahren veranstalten die mehr als 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit jedes Jahr im März die Woche der Brüderlichkeit. In diesem Jahr steht sie im Zeichen des wachsenden Antisemitismus in Deutschland.

DOMRADIO.DE: Dieses Jahr wird die Woche der Brüderlichkeit an diesem Sonntag in Recklinghausen feierlich eröffnet. Eine Woche lang stehen dann christlich-jüdische Gemeinschaftsfeiern, Vorträge, Konzerte und Filmabende in ganz Deutschland auf dem Programm. Ihr Motto in diesem Jahr lautete: "Angst überwinden, Brücken bauen" und es heißt, dass Sie dies ausdrücklich aufgrund der Flüchtlingserfahrung der vergangen Jahre ausgewählt haben. Wie ist das denn gemeint?

Margaretha Hackermeier (Präsidiumsmitglied des deutschen Koordinierungsrates für christlich-jüdische Zusammenarbeit): Es ist insgesamt so, dass sich in unserer Gesellschaft Ängste und Unsicherheiten immer mehr verbreiten. Die Menschen fühlen nicht nur Unsicherheit in Bezug auf die Flüchtlinge. Es sind ganz unterschiedliche Situationen. Es ist die soziale Situation von manchen Menschen. Es ist die internationale Politik. Angst greift immer mehr um sich und dies führt unseres Erachtens nicht zu einem guten gesellschaftlichen Zusammenleben, sondern hier eröffnen sich Gräben oder es entwickeln sich sogar Feindschaften. Wir finden, dass "Brücken bauen" dem entgegenwirken kann.

DOMRADIO.DE: Und wäre es vor diesem Hintergrund nicht an der Zeit gewesen, auch Muslime offiziell miteinzubinden bei der Woche der Brüderlichkeit?

Hackermeier: Wir laden immer - auch zu der bundesweiten Eröffnungsfeier - hochrangige Vertreter der Muslime ein. Vom deutschen Koordinierungsrat ist es schon seit bestimmt zehn Jahren so, dass Veranstaltungen durchgeführt werden, bei denen muslimische, christliche und jüdische Religionslehrkräfte teilnehmen und sich gegenseitig ihre Konzepte für den interreligiösen Dialog und interreligiöse Kompetenzen vorstellen. 

DOMRADIO.DE: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 1.453 antisemitische Straftaten registriert. Die Zahlen steigen. Neuerdings werden sie auch von muslimischer Seite verzeichnet. Auf Demonstrationen in Deutschland ist wieder "Juden ins Gas" zu hören. Ist denn diese Entwicklung auch ein Thema in der kommenden Woche?

Hackermeier: So etwas ist sehr erschreckend und wir sprechen uns sehr deutlich dagegen aus. Es ist nur so, dass unser Dialog eine präventive Maßnahme ist. Antisemitische Straftaten sind ein Thema der Polizei und müssen sehr hart sanktioniert werden. Für uns ist es eine rote Ampel. Wir sehen, dass das Problem nicht weniger wird, sondern wieder ansteigt. Wir sehen auch, dass daher unsere Veranstaltungen und die Signale an die Öffentlichkeit noch wichtiger sind als früher. 

DOMRADIO.DE: Wie kann man denn präventiv antisemitischen Tendenzen in Deutschland wirksam begegnen?

Hackermeier: Ich denke, dass es ganz oft so ist, dass Vorurteile da sind. Wenn man es genauer sachlich analysiert, geht es um relativ hanebüchene Dinge und dann ist natürlich klar, dass im Rahmen der Bildung - egal ob im Religionsunterricht, Geschichtsunterricht in der Schule oder in der Erwachsenenbildung - entsprechende Informationen auch mit Dialogsituationen weitergegeben werden. Wir haben bei uns in der Gesellschaft in Augsburg auch Situationen, in denen ein christlicher und ein jüdischer Theologe zusammen eine Bibelstelle auslegen und vielleicht auch strittige Themen besprechen und dadurch Informationen so weitergeben, dass auf Vorurteilsebene entsprechend viel abgebaut wird. 

DOMRADIO.DE: Sie haben jetzt die Bildung erwähnt. In Deutschland gibt es zunehmend Berichte über jüdische Kinder, die gemobbt oder sogar angegriffen werden. Können Sie nachvollziehen, wenn jüdische Familien dann sagen, dass sie keine Lust mehr auf einen Dialog haben?

Hackermeier: Selbstverständlich. Das ist nachvollziehbar. Ich denke, man weiß, dass Mobbing eine Eskalationsstufe auf höchstem Grade ist, und wir können als Dialog dort nichts mehr bewirken. Der Dialog ist immer eine präventive Maßnahme und soll dafür sorgen, dass so etwas gar nicht erst zustande kommt oder dass man, wenn eine solche Situation entsteht, eingreift und vermittelt. Ich denke, der Fakt, dass jüdische Kinder in Schulen gemobbt werden, ist ein ganz klares Signal dafür, dass Bildungsarbeit, Informationen und interreligiöses Training auch bei Kindern sehr wichtig sind. 

DOMRADIO.DE: Und einer der Höhepunkte in der Woche ist die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Personen oder Gruppen, die sich für Verständigung und Dialog einsetzen. Dieses Jahr geht die Medaille an Peter Maffay. Warum?

Hackermeier: Peter Maffay ist für uns ein ganz klares Symbol. Ein Mensch, der Zivilcourage gezeigt hat, Mut gezeigt hat und der vor sehr vielen Jahren schon klar geäußert hat, dass es Rechtsextremismus in unserem Land noch gibt. Es ist keineswegs verschwunden. Er hat sich laut und deutlich auch dazu geäußert, dass es so nicht weitergehen kann und das in einer sehr kreativen Form über seine Lieder, seine Texte und die Konzerte "Rock gegen Rechts". Ich glaube, die haben sich auch sehr eingeprägt und für sein bürgerschaftliches Engagement möchten wir ihn ehren.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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