Moraltheologe Schallenberg: Krankheiten haben unmittelbar mit dem Bereich des Glaubens nichts zu tun
Moraltheologe Schallenberg: Krankheiten haben unmittelbar mit dem Bereich des Glaubens nichts zu tun
Prof. Peter Schallenberg
Prof. Peter Schallenberg

03.02.2020

Moraltheologe über biblische Plagen und neue Epidemien Sind Krankheiten auch eine Strafe Gottes?

Das neuartige Coronavirus verbreitet sich weltweit und fordert Menschenleben. Und viele stellen die Frage nach dem "Warum"? Früher sah man Krankheiten auch als Strafe Gottes. Der Moraltheologe Peter Schallenberg klärt auf.

DOMRADIO.DE: Gibt es eine religiöse Dimension von Krankheiten?

Monsignore Peter Schallenberg (Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn): Wir würden heute sagen: Krankheit und Leiden sind keine Sündenstrafen, sondern sind Ereignisse, die zum naturwissenschaftlichen Bereich des Menschen und unserer Welt gehören. Sie müssen mit naturwissenschaftlichen und technischen Mitteln bewältigt werden und haben unmittelbar mit dem Bereich des Glaubens nichts zu tun.

DOMRADIO.DE: Im Alten Testament gibt es zehn biblische Plagen. Sind die denn gottgewollt?

Schallenberg: Das ist eine Bildrede, sagen wir heute. Gottgewollt sind sie nur im allerweitesten Sinn - dass Gott zulässt, dass diese Welt auch Plagen, Krankheiten und Epidemien hat. Wir sagen heute, es ist eine Aufgabe an die Vernunft des Menschen, das zu bewältigen. Gott lässt die Schöpfung zu. Insofern sind es von Gott zugelassene Plagen. Als gottgewollte Plagen würden wir sie heute nicht mehr formulieren.

DOMRADIO.DE: Auch das Neue Testament thematisiert durchaus Krankheiten. Da gibt es Aussatz, Lähmungen, Blindheit und Taubheit. Gibt es da grundsätzliche Unterschiede zum Alten Testament?

Schallenberg: Ich glaube schon, dass der Unterschied darin liegt, dass die unaufgeklärte Rede von der Krankheit als Folge persönlicher Sünde von Jesus nicht mehr stehengelassen wird. Er heilt. Aber das tut er nicht als Ersatz für mangelhafte medizinische Grundversorgung in Palästina um das Jahr 30 nach Christus.

Vielmehr heilt er, um deutlich zu machen: Ich bin in der Lage, mehr zu heilen als nur körperliche Krankheiten. An einer Stelle im Evangelium sagt Jesus: Geh und sündige nicht mehr, damit Dir nicht noch Schlimmeres passiert. Also, die Krankenheilungen sind vollkommen aus dem medizinisch-naturwissenschaftlichen Bereich herausgenommen und dienen lediglich als Zeichen dafür, dass er Sünden vergibt und dass er - modern gesprochen - die Seele heilt.

DOMRADIO.DE: Es ist ja so, dass sich im akuten Fall von schwerer Krankheit Menschen immer fragen: Warum ausgerechnet ich? Womit habe ich das verdient? Gibt es in unserem modernen Religionsverständnis eine Antwort darauf?

Schallenberg: Das ist eine sehr existenzielle und individuell unterschiedliche Frage. Wir könnten die Frage ja noch ausweiten auf: Womit habe ich verdient, dass ich zum Opfer von Krieg, Vertreibung, Vergewaltigung, Misshandlung werde? Schon die Frage nach dem Zweiten Weltkrieg war ja in diese Richtung gehend: Womit hatten die Unschuldigen in Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern ihr Leid verdient?

Wahrscheinlich müsste man sagen: Die Frage nach dem "Verdienen" ist vermutlich nicht ganz korrekt. Gott ist nicht derjenige, der uns einfach etwas an Verdienst zuweist. Sondern Gott ist, wie im Buch Hiob beschrieben wird, auch sehr rätselhaft und sehr geheimnisvoll. Das Buch Hiob ist ja im Grunde eine frühe Antwort auf den Versuch des Menschen, darüber nachzudenken: Womit hab ich, der so fromm und gottesfürchtig lebt, das verdient, was mir zustößt? Das Buch Hiob endet damit, dass Hiob erkennt: Die Frage ist für uns zu groß.

Das darf natürlich nicht zu früh als Antwort kommen, wenn jemand fragt: Womit habe ich das verdient? Sonst bügelt man das einfach ab und dann ist es vorbei. Sondern man muss sich schon ernsthaft mit der Not eines Menschen auseinandersetzen, aber das Ganze wahrscheinlich doch in die Richtung führen, dass man erkennt: Gott ist nicht einfach jemand, der das Leben leichter macht.

Gestern, im Evangelium von Mariä Lichtmess, war das erkennbar: Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen, sagt Simeon zur Gottesmutter im Tempel. Der Weg zu Gott und der Weg durchs Leben in der Nachfolge Christi ist immer ein Weg des Schwertes und auch des Leidens. 

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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