Die ökumenische "Mehr"-Konferenz findet seit 2008 statt
Die ökumenische "Mehr"-Konferenz findet seit 2008 statt
Die "Mehr"-Konferenz gibt es seit 2008
Die "Mehr"-Konferenz 2015

04.01.2018

"Mehr"-Ökumene-Konferenz in Augsburg Frommes Spektakel?

Mehr als 10.000 Besucher erwartet die am Donnerstag gestartete 11. ökumenische "Mehr"-Konferenz in Augsburg. Vielen Menschen scheint das Angebot zu gefallen. Doch es gibt auch Kritik. Die Diözese Augsburg gibt sich entspannt.

Das muss man erst mal schaffen: Über 10.000 Teilnehmer erwarten die Veranstalter der ökumenischen Glaubenskonferenz "Mehr" in der Augsburger Messe. Vom 4. bis 7. Januar gibt es dort christlich motivierte Vorträge, Konzerte, Diskussionen, Gebete und Lobpreisungen. Für Religion so viele Leute zu begeistern – zumal junge; im Schnitt sind die Besucher 37, das erstaunt. Was steckt dahinter?

Seit zehn Jahren gibt es "Mehr"

Die "Mehr": Das sind kurz gesagt Massen, die zu Gebet und Gesang ihre Arme in der Luft schwenken – inmitten einer Ton- und Lichtershow, die professionell wirkt wie bei einer Fernsehgala. Begonnen hat die Konferenz 2008 mit gut 100 Besuchern. Diese Zahl hat sich verhundertfacht. Stefan Dobner erklärt das mit einer "positiven Mundpropaganda" und der steigenden Bekanntheit durch Medien und soziale Netzwerke. Er ist Sprecher des Gebetshauses, eines Vereins, der die "Mehr" organisiert.

Das Gebetshaus ist zudem ein Gebäude, das im Augsburger Stadtteil Göggingen steht – und für Ausdauer: Seit dem 19. September 2011 beten dort charismatisch orientierte Christen ununterbrochen. Leiter ist der promovierte katholische Theologe Johannes Hartl, 1979 im niederbayerischen Metten geboren und einer der Hauptredner der "Mehr". Auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) war Hartl nicht zu erreichen. Laut seiner Homepage ist er verheiratet, vierfacher Vater und lebt von der "Vorsehung". Die Hartls vertrauen also "darauf, dass Gott sie versorgt, indem er Menschen inspiriert, für Johannes' Dienst zu spenden"

Auch die gut 40 hauptamtlichen Gebetshaus-Mitarbeiter erhalten ihre Gehälter laut Dobner aus Spenden. Diese orientierten sich nach unten gedeckelt am gesetzlichen Mindestlohn und nach oben am Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst für pastorale Mitarbeiter in der Kirche.

Wie genau das System funktioniert, ob es bei Bedarf etwa Umverteilungen gibt, konnte Dobner nicht sagen. Er ergänzte aber, dass das Gebetshaus Medien über eine ausgelagerte GmbH verkaufe - "um kostenlose Angebote zu finanzieren".

Angebot ruft Kritiker auf den Plan

Spenden waren zuletzt auch bei der "Mehr" ein Thema: Kritiker fanden die Werbung dafür arg offensiv – und zudem den Eintritt zu hoch. Bis zu 169 Euro beträgt er diesmal, mehr als zuletzt. Grund sind laut Dobner die Kosten für eine zusätzliche Halle. Die Preise sehe man "mit einem gewissen Schmerz", sie seien aber bloß kostendeckend. Für Kinder etwa koste es weniger, auch gebe es einen Gratis-Livestream. Die Konferenz mache einen niedrigen siebenstelligen Umsatz und damit tendenziell ein geringes Minus.

Konkretere Zahlen nennt Dobner zu den Konfessionen der Teilnehmer: Gut 60 Prozent seien katholisch, 35 Prozent je zur Hälfte Anhänger von evangelischer Landeskirche und Freikirchen, drei Prozent orthodox. Diese ökumenische Ausrichtung findet kritischen Widerhall: Im Internet warnen Evangelikale wie traditionelle Katholiken vor Hartls Wirken, das ihnen mal zu papsttreu ist und mal zu viel Freistil hat. "Die Kritik bildet die Unterschiede der Konfessionen ab", meint Dobner. Bei vielen Besuchern wirke die "Mehr" jedenfalls: "Dies beginnt bei einer stärkeren Besinnung auf den Glauben und reicht bis zu vollständiger Bekehrung und Umkehr."

Religionssoziologe vermisst theologische Tiefe

Bei Armin Nassehi ruft die "Mehr" derweil "Skepsis" hervor. Der Münchner Religionssoziologe findet: "Die Veranstaltung lebt von einer Reduktion auf Ästhetik und Emotionalität. Sie ist stark an individuellen Erfahrungen und am Erlebnis orientiert, aber ohne theologisches Back-up und Reflexion und dadurch niedrigschwellig." Dahinter stehe eine "nichtkonforme Form von Kirchlichkeit, eigentlich eine dissidente Form".

Die Diözese Augsburg gibt sich da entspannt. Vor einem Jahr setzte sie mit Alessandro Perego einen Beauftragten für das Gebetshaus ein. Dieser sagt, man begegne sich "in gegenseitiger Wertschätzung".

Wie es nun weitergeht? Dobner erklärt, man wolle neben dem Gebetshaus wegen des Besucherandrangs eine Versammlungshalle bauen. Bei der "Mehr" stoße das Wachstum indes an Grenzen: Die Kapazität der Messe Augsburg sei fast erschöpft. Mehr "Mehr" geht bald also nicht mehr.

Christopher Beschnitt
(KNA)

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