Gerettete auf der "Sea-Watch 4" vor der Ankunft in Palermo
Gerettete auf der "Sea-Watch 4" vor der Ankunft in Palermo
Eine Frau aus der Gästebetreung der Sea-Watch Crew gibt den Migranten Informationen zur Ankunft in Palermo
Eine Frau aus der Gästebetreung der Sea-Watch Crew gibt den Migranten Informationen zur Ankunft in Palermo

02.09.2020

353 Gerettete können von Bord der "Sea-Watch 4" "Ein großartiges Ergebnis"

Elf Tage nach der ersten Rettung dürfen rund 350 Migranten das Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 4" verlassen und auf ein italienisches Quarantäneschiff umsteigen. Italien dürfe jetzt nicht alleingelassen werden, mahnt EU-Politiker Giegold.

Die Erleichterung ist groß an Bord der "Sea-Watch 4": Am Mittwoch erreichten Crew und 353 Geflüchtete den Hafen der italienischen Stadt Palermo. Das bestätigte ein Sprecher der zivilen Seenotrettungsorganisation Sea-Watch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Direkt nach der Ankunft in Palermo begann das Umsteigen auf ein Quarantäneschiff, das die italienischen Behörden bereitgestellt haben. Die italienische Küstenwache begleitete das Manöver, bei dem die "Sea-Watch 4" an das größere Quarantäneschiff
andockte und die Geretteten über eine behelfsmäßige Brücke das Deck verlassen konnten.

Jetzt stehen zwei Wochen auf dem Quarantäne-Schiff an

Einsatzleiter Philipp Hahn sagte dem epd an Bord der "Sea-Watch 4", die Besatzung sei froh, dass die Geretteten im sicheren Hafen angekommen seien. "Wir sind auch deshalb froh, weil wir wissen, dass zur selben Zeit noch 27 Menschen auf dem Tanker 'Etienne' ausharren", sagte er. Das Schiff hatte die Flüchtlinge am 4. August aus Seenot gerettet und wartet seitdem auf einen Hafen.

Der Grünen-EU-Politiker Sven Giegold nannte die Rettung der 353 Menschen "ein großartiges Ergebnis nach nur wenigen Tagen im Einsatz für das 'Kirchenschiff'". Zwei Wochen lang sollen die Geretteten an Bord des Quarantäne-Schiffs bleiben, bevor sie an Land dürfen.

Italien dürfe nicht alleingelassen werden

Es brauche nun schnelle Zusagen aus Deutschland und anderen EU-Mitgliedsländern, die Geretteten nach ihrer Quarantäne in Italien aufzunehmen. Italien dürfe mit den geretteten Flüchtlingen nicht alleingelassen werden, erklärte er. Giegold hatte im vergangenen Jahr auf dem Kirchentag in Dortmund die Resolution "Wir schicken ein Schiff" initiiert, die letztlich zur Anschaffung der "Sea-Watch 4" aus überwiegend kirchlichen Spenden führte.

Die "Sea-Watch 4" war Mitte August zu ihrer ersten Mission im zentralen Mittelmeer aufgebrochen. Das ehemalige Forschungsschiff wurde im Januar für 1,3 Millionen Euro erworben. Es wird von Sea-Watch und "Ärzte ohne Grenzen" im Auftrag des zivilen Bündnisses "United4Rescue" betrieben. Dem Bündnis gehören mittlerweile mehr als 550 Organisationen und Unternehmen an. Es wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründet.

Das Bild des toten Alan Kurdi

Zu Palermo hat "United4Rescue" einen besonderen Bezug: Der Bürgermeister Leoluca Orlando unterstützt das Bündnis. Er ist für sein Engagement in der Flüchtlingspolitik bekannt. Im vergangenen Jahr machte er den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm zum Ehrenbürger der Stadt. Dass die "Sea-Watch 4" dort einfahren durfte, ist laut Sea-Watch jedoch Zufall.

Bedford-Strohm betonte am Mittwoch in einem Facebook-Eintrag die Dringlichkeit der zivilen Seenotrettung. Er nahm Bezug auf den Tod des syrischen Jungen Alan Kurdi, der am 2. September 2015 tot an einem türkischen Strand gefunden worden war. "Wer besser verstehen will, warum wir die zivile Seenotrettung so aktiv unterstützen, muss sich noch mal der Härte eines Bildes aussetzen, das heute genau vor fünf Jahren an einem türkischen Strand entstanden ist und das um die Welt gegangen ist", betonte der bayerische Landesbischof.

Staaten Europas retten weiterhin nicht

Das Foto zeigt den toten Jungen, bekleidet mit rotem T-Shirt und blauen Shorts, auf dem Bauch liegend am Strand. "Mir - Opa eines kleinen Jungen - treibt es immer noch die Tränen in die Augen", schrieb Bedford-Strohm.

Die Staaten Europas retteten weiterhin nicht, erklärte er. "Die zivilen Seenotretter tun es. Sie warten nicht darauf, dass es gute Lösungen für die flüchtlingspolitischen Probleme gibt." Leben retten könne nicht bis zu diesem Zeitpunkt verschoben werden. Deshalb sei er auch für die jüngsten Rettungsaktionen der "Sea-Watch 4" dankbar.

Franziska Hein
(epd)

Hilfe für Opfer der Unwetterkatastrophe

Nothilfe für die Betroffenen der Fluten in Deutschland:

Caritas International Spendenkonto

Die neue App von DOMRADIO.DE

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Tageskalender

Radioprogramm

 02.08.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Impfangebote für Jugendliche? Gesundheitsminister und -ministerinnen beraten sich
  • Mehr Glaube in der Krise - aber trotzdem Kirchenaustritte?
  • Olympia geht in die zweite Woche - Gold für Alexander Zverev
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Warum haben Religionsgemeinschaften in der Pandemie nicht mehr Zulauf
  • Diskussion über Abschiebungen nach Afghanistan
  • Rettung von Archivalien im Flutkatastrophengebiet
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!