Welthungerhilfe warnt vor neuer Migrationswelle

Es fehlen Perspektiven

Alle zehn Minuten stirbt im Jemen laut Unicef ein Kind an vermeidbaren Krankheiten oder Mangelernährung. Die Hungerkrise im Nahen Osten könnte eine neue Migrationswelle hervorrufen. Davor warnt die Welthungerhilfe.

Warnung vor einer neuen Migrationswelle / © Orestis Panagiotou (dpa)
Warnung vor einer neuen Migrationswelle / © Orestis Panagiotou ( dpa )

Die Deutsche Welthungerhilfe warnt vor einer neuen Migrationswelle, weil Geld für die Flüchtlinge aus Syrien fehle. Zwar habe sich die Lage in den Lagern in der Türkei, in Jordanien und im Libanon seit 2015 verbessert, aber "es droht ein Rückfall. Die Programme der Vereinten Nationen sind dramatisch unterfinanziert. Für Syrien fehlen den UN 30 Prozent der Gelder", sagte die neue Welthungerhilfe-Präsidentin Marlehn Thieme der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag): "Und eine Perspektive für die Flüchtlinge, in ihre Heimat zurückzukehren, fehlt noch immer."

Zu wenig Maßnahmen zur Eindämmung der Konflikte

Laut Thieme sind allein in Syrien noch 13 Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Weltweit litten heute 17 Millionen mehr Menschen Hunger als vor zwei Jahren. "Das ist unerträglich", sagte Thieme. 40 Millionen Menschen seien in ihren Heimatregionen auf der Flucht: "Die extremen Verteilungskonflikte, die dort entstehen, lassen die Debatten über Integration und Migration hierzulande geradezu erbärmlich erscheinen." Die Staatengemeinschaft tue viel zu wenig zur Eindämmung von Konflikten, deswegen werde auch der gerade verabschiedete UN-Migrationspakt "Not und Elend kaum lindern", so Thieme.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warf sie zugleich vor, sein "Pakt mit Afrika", der auf Privatinvestoren setze, greife viel zu kurz: "Das reicht bei weitem nicht aus. Die Ärmsten der Armen werden von Privatinvestoren nichts haben, weil sie in Regionen leben, in denen sich keine Geschäfte machen lassen", betonte Thieme. Drei von vier Hungernden in Afrika lebten auf dem Land. "Sie müssen durch staatliche Programme und Hilfsprojekte in die Lage versetzt werden, sich selbst zu ernähren."

Weniger private Spenden 

Besorgt zeigte sich Thieme über den Einbruch der Zahl privater Spender in Deutschland um rund eine halbe Million gegenüber 2017. "Ich kann die Bürger nur animieren, darüber nachzudenken, wie gut es ihnen selbst geht und was sie für andere abgeben könnten", sagte sie. "Jede kleine Spende hilft! Fünf Euro sind in einem Entwicklungsland viel Geld." Helfen könne man auch durch sein eigenes Konsumverhalten, den Kauf fair gehandelter Produkte und durch Verzicht auf Fleisch. "Für ein Kilo Fleisch wird ein Vielfaches an Getreide und anderer nichtfleischlicher Produkte "aufgefressen"", erklärte die Welthungerhilfe-Präsidentin.


Quelle:
KNA
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