Martin Bröckelmann-Simon
Martin Bröckelmann-Simon

19.07.2018

Misereor warnt vor "Tunnelblick" bei Entwicklungszusammenarbeit Keine schnellen Lösungen

Entwicklungszusammenarbeit ist laut Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon mehr als der Kampf gegen Fluchtursachen. Er warnt davor, globale Herausforderungen einseitig zu betrachten.

 In einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstag) sieht der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor die Gefahr eines "Tunnelblicks" auf die Zusammenarbeit mit den Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Entwicklungshilfe werde seit 2015 immer stärker unter dem Blickwinkel einer Eindämmung von Migration hauptsächlich aus Afrika und den Krisenherden des Nahen und Mittleren Ostens betrachtet, kritisiert Bröckelmann-Simon. Doch es sei eine Illusion, zu glauben, "ein tieferer Griff in die Haushaltskasse" des Bundes zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit könne zu schnellen Lösungen führen.

Bröckelmann-Simon: Es gibt keine schnellen Lösungen

"Die Ursachen der Flucht von global derzeit circa 66 Millionen Menschen liegen vorrangig in anhaltender Gewalt und fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat", schreibt der Misereor-Geschäftsführer. "Solch komplexe Probleme lassen sich nicht kurzfristig beseitigen, hierzu bedarf es eines sehr langen Atems."

Um die Lebensbedingungen der Menschen in den armen Ländern des Südens zu verbessern, müssten die reichen Länder zudem ihren Wirtschafts- und Lebensstil ändern. Das habe Konsequenzen beispielsweise für die Agrar-, Handels- und Rüstungspolitik, so Bröckelmann-Simon.

Der Misereor-Vertreter warnt zugleich davor, die Hilfen für das nördliche Afrika oder den Nahen und Mittleren Osten gegen andere Bereiche der Entwicklungshilfe auszuspielen. "Auch die Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase und Anpassungsmaßnahmen an die nicht mehr vermeidbaren Klimawandelfolgen sind drängende globale Themen jenseits der Frage, wie viele Menschen Einlass in die Festung Europa erbitten."

Höherer Entwicklungsstand führt nicht zu weniger Migration

Krisenhafte Entwicklungen in Tonga oder Venezuela könnten für Europa und Deutschland ebenso relevant sein, wie solche in Bayern oder Niederösterreich, so Bröckelmann-Simon weiter. "Wir Europäer können es uns nicht leisten, Weltregionen wie zum Beispiel den Pazifik, das südliche Afrika oder Lateinamerika auszublenden."

Falsch sei schließlich die Gleichung, wonach ein höherer Entwicklungsstand eines Landes automatisch zu weniger Migration führe, betont er. "Im Gegenteil: Mehr verfügbares Geld und ein durch Bildung, Medienzugang und Reisemöglichkeiten erweiterter Horizont verstärken die Sehnsucht nach neuen Perspektiven im Ausland."

Davon unabhängig sei ein unbefangenerer Blick auf Migration dringend notwendig. "Grenzüberschreitende zirkuläre Arbeitsmigration etwa gehört zu den Lebenszyklen und Wirtschaftskreisläufen Westafrikas seit Langem konstitutiv dazu. Sie ist also dort entwicklungspolitisch etwas Gutes und nichts Schlechtes."

(KNA)

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