Kunst-Installation in Saarbrücker Johanneskirche
Kunst-Installation in Saarbrücker Johanneskirche
Eine Mauer aus Schwimmwesten
Eine Mauer aus Schwimmwesten
Flüchtlingsboot geht auf "Wanderschaft"
Flüchtlingsboot im Kölner Dom
Einige "Highlights" des Erzbistums Köln im Heiligen Jahr: Flüchtlingsboot als Altar zu Fronleichnam
Flüchtlingsboot als Altar

15.07.2016

Kunstaktion in Saarbrücker Kirche als Mahnmal in der Flüchtlingskrise Festungsmauer aus Rettungswesten

Aus gut 400 Rettungswesten von Flüchtlingen haben Künstler in einer Saarbrücker Kirche eine Mauer gebaut. Damit wollen sie Europa den Spiegel vorhalten. Die Aktion erinnert ein wenig an das Flüchtlingsboot im Kölner Dom - und ist doch anders.

Der Mittelgang der Saarbrücker Johanneskirche ist mit hunderten orange-gelben Westen bedeckt. An ihnen klebt noch das Salz des Mittelmeeres und der Sand griechischer Inseln - Lesbos, Samos, Kos. Jede dieser Westen wurde vor wenigen Monaten von einem Flüchtling auf seiner gefährlichen Reise über das Meer getragen. Folgt man dem Weg aus grellem Plastikgewebe durch die Kirche bis zum Altar, erhebt sich dahinter in der Apsis eine drei Meter hohe Mauer: Im roten Licht der Bleiglasfenster steht eine bedrohliche Wand aus Rettungswesten gekrönt von scharfem Stacheldraht.

Spiegel für die Menschen in Europa

"Das ist eine Art Berliner Mauer aus Rettungswesten", erklärt der US-amerikanische Polit-Künstler Fred George. Die Mauer stehe für die Situation der Flüchtlinge, die es über das Mittelmeer geschafft hätten und gezwungen seien, vor den Mauern und Zäunen der europäischen Staaten in Lagern zu leben, sagt George. "Unsere Mauer soll auch ein Spiegel für die Menschen in Europa sein."

Mehr als 400 Flüchtlings-Rettungswesten haben George und der Fotojournalist Andrew Wakeford für ihre Ausstellung "A Wall of Life Jackets and Their Stories" in die evangelische Kirche in der Saarbrücker Innenstadt geschafft. Die Ausstellung ist von Samstag an bis zum 26. August zu sehen.

Geschichten über Flüchtlinge erfahren

George, Wakeford und ihr Team von freiwilligen Helfern legen letzte Hand an ihr Projekt an. An einige Westen, die zwischen Stacheldraht an der Mauer heften, werden kleine schwarz-weiße QR-Code-Quadrate und Fotos von Flüchtlingen geklebt. Scannt man diese mit einem Smartphone, kann man dort mehr über den jeweiligen Geflüchteten und seine Geschichte erfahren. Die Porträts der Flüchtlinge sind aber auch auf Plakaten hinter der Mauer abgedruckt und ohne Smartphone zu sehen.

Diese ganz persönlichen Flüchtlingsgeschichten hat Andrew Wakeford recherchiert. Der britische Fotojournalist traf sich mit im Saarland untergebrachten Asylbewerbern und sprach mit ihnen stundenlang über Krieg, Flucht und den schwierigen Neuanfang in Deutschland, aber auch über ihr Leben vor dem Krieg.

Flüchtlinge helfen beim Aufbau der Kunstausstellung

Nachdenklich knüpft Hayrham Alayik eine weitere Rettungsweste zu den anderen an der Mauer. Er ist einer der vielen Flüchtlinge, die beim Aufbau der Kunstausstellung in der Kirche freiwillig mithelfen. Für den Syrer ist die Weste in seinen Händen ein Symbol des Lebens. Auch er kam in eine Rettungsweste gehüllt auf einem seeuntüchtigen Boot nach Europa. "Ich kenne viele, die keine Rettungsweste hatten", erklärt er. "Einige meiner Freunde sind ertrunken."

500 US-Dollar zahlte Alayik, so sagt er, an der türkischen Küste für sein Life Jacket. Eine Zahl, die Künstler Fred George erzürnt. Nach kurzem Suchen hebt er eine orangene Weste vom Kirchenboden und zerreißt sie. Billige dünne Schaumstoff-Platten kommen zum Vorschein. "It's a fake, eine Fälschung", sagt der Amerikaner. Diese Westen könnten unmöglich einen Menschen über Wasser halten.

Deutsche und Flüchtlinge zusammenbringen und Asylbewerber als Individuen sichtbar machen: Das ist das Hauptziel des Künstlerduos. Nach dem Start in der Saarbrücker Johanneskirche soll die Installation weiterziehen und in anderen europäischen Städten aufgebaut werden. Einen Terminplan gibt es noch nicht.

Flüchtlingsboot im Kölner Dom

Da liegt dann auch ein Unterschied zum Flüchtlingsboot, das im Fronleichnamsgottesdienst auf dem Roncalliplatz als Altar diente und danach in den Kölner Dom transportiert wurde. Denn dort bleibt das Flüchtlingsboot erst einmal stehen. "Das Boot erinnert an die Menschen, die fliehen müssen, die genauso von Gott erschaffen sind, die die gleiche Würde haben, das gleiche Recht auf Leben", sagte Dompropst Gerd Bachner nach der Transportaktion in die Kölner Kathedrale.

Das Holzboot soll während des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit als Mahnzeichen im Dom bleiben. Es wurde zuvor in Kooperation mit der Hilfsorganisation MOAS durch das Erzbistum von Malta nach Köln gebracht. Nach Angaben der Hilfsorganisation wurde das Boot vor einigen Jahren von der Maltesischen Armee bei einem Rettungseinsatz beschlagnahmt und später auf Malta versteigert. Ein Malteser mit Leidenschaft für Bootsrestaurierung hat das Boot erworben.

(dpa, DR)

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