Intensivstation der Elisabeth-Klinik in Berlin
Ärzte entwickeln Handlungsempfehlungen für Corona-Pandemie

26.03.2020

Entscheidung über Leben und Tod - Ärzte legen Kriterien vor "Wir entscheiden nicht nach Alter"

​Was passiert, wenn die Intensivbetten nicht ausreichen, um alle Corona-Patienten zu behandeln. Mediziner haben jetzt Handlungsempfehlungen erarbeitet, die über Leben und Tod entscheiden können.

Deutschlands Notfall- und Intensivmediziner wollen gewappnet sein für die schwerste aller Entscheidungen. Sieben medizinische Fachgesellschaften legten am Donnerstag in Berlin ethische Handlungsempfehlungen für den Fall vor, dass nicht mehr ausreichend Intensivbetten in Deutschland zur Verfügung stehen oder Beatmungsgeräte fehlen. Welche Patienten sollen im Fall der Fälle intensivmedizinisch behandelt werden - und welche können es dann nicht mehr?

"Noch ist es nicht so weit", betonte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Aber es sei erschütternd gewesen zu sehen, unter welchem Druck Kollegen in anderen Ländern bereits Entscheidungen dieses Ausmaßes hätten fällen müssen, ohne irgendeine Orientierung zu haben, berichtete der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler. "Die Kollegen in Italien und Spanien sind jetzt schon schwer traumatisiert. Das geht an niemandem spurlos vorbei. Daher ein solcher Kriterienkatalog auf jeden Fall eine Stütze sein!"

"Ein großer Kraftakt"

Zehn Tage hat laut Janssens die Gruppe von 14 Autoren, darunter Fachvertreter aus Notfall- und Intensivmedizin, Medizinethik, Recht und weiteren Disziplinen, an den Handlungsempfehlungen geschrieben. "Ein großer Kraftakt, den ich so in meiner Laufbahn auch noch nie erlebt habe", erklärte der Mediziner. "Wir wollen am Ende dieses schwierigen, schmerzlichen Prozesses sagen können: Es war eine fundierte, gerechte Entscheidung." Janssens forderte die Ärzte auf, sich an der weiteren Diskussion über die Empfehlungen zu beteiligen.

Ärzte und Sanitäter kennen solche schwierigen ethischen Entscheidungen aus der Katastrophenmedizin oder nach großen Terroranschlägen, wenn mit Hilfe einer sogenannten Triage über die Verteilung der begrenzt verfügbaren Ressourcen entschieden werden muss.

Entscheidung nicht nach Bauchgefühl

Janssens sagte dazu, die Entscheidungen müssten medizinisch begründet und gerecht sein. Transparenz sei entscheidend, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Auch dürften Ärzte nicht nach Bauchgefühl entscheiden.

Die Empfehlungen legen fest, dass die medizinische Diagnose und der Patientenwille für die Weiterbehandlung entscheidend seien. Ausdrücklich wird betont, dass die Priorisierungen nicht in der Absicht erfolgten, Menschen oder Menschenleben zu bewerten. Es gehe darum, mit den (begrenzten) Ressourcen möglichst vielen Patienten eine Teilhabe an der medizinischen Versorgung unter Krisenbedingungen zu ermöglichen.

"Entscheidung nach Alter oder sozialen Kriterien nicht zulässig"

Als Kriterium soll die Erfolgsaussicht gelten, also die Wahrscheinlichkeit, ob der Patient die Intensivbehandlung überleben wird. "Es ist nicht zulässig, nach dem kalendarischen Alter oder nach sozialen Kriterien zu entscheiden", betonte Janssens. In Deutschland werde 80-Jährigen nicht von vornherein die Behandlungsmöglichkeit verweigert.

Eine Intensivtherapie sei dann nicht angezeigt, wenn der Sterbeprozess unaufhaltsam begonnen habe, wenn die Therapie aussichtslos sei oder wenn das Überleben nur bei dauerhaftem Aufenthalt auf der Intensivstation gesichert werden könne, heißt es.

Bundesweites Register für Intensivbetten

Vor der Bundespressekonferenz betonte Janssens am Donnerstag, alle Kliniken in Deutschland hätten in den vergangenen Wochen Kapazitäten für intensivmedizinische Behandlungen von Corona-Patienten freigeschaufelt. Die Zahl der Intensivbetten in Deutschland wird auf 28.000 geschätzt.

Stolz zeigte sich der Mediziner darüber, dass die DIVI in den vergangenen Wochen ein bundesweites Register für Intensivstationen aufgebaut habe - ein weltweit einmaliges Projekt. Darin können Krankenhäuser auf freiwilliger Basis angeben, ob sie noch Kapazitäten auf ihren Intensivstationen freihaben und wieviele Corona-Patienten sie behandeln. Auf diese Weise könnten sich die Kliniken bei regional unterschiedlichen Erkrankungsraten aushelfen.

Bislang haben laut Janssen 670 von 1.160 Kliniken mit Intensivstationen ihre Daten eingespeist - das Ziel sind 100 Prozent. Das Ergebnis: Derzeit verfügen allein die beteiligten Krankenhäuser über mehr als 5.400 freie Intensivbetten. "Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir gut gerüstet", betonte der Intensivmediziner.

Christoph Arens
(KNA)

Gottesdienste Kar- und Osterwoche

DOMRADIO.DE überträgt alle Gottesdienste der Kar- und Osterwoche auch auf Facebook und Youtube und Periscope.

Alle Übertragungen im Überblick (pdf).

DOMRADIO hören

Laden Sie sich unsere App herunter – kostenlos in den Stores. DOMRADIO hören Sie auch übers Internetradio, Smartspeaker, andere gängige Radio-Apps, in Köln auf UKW 101,7, in Berlin/Brandenburg über DAB+ und natürlich auf DOMRADIO.DE.

Himmelklar Podcast

WBS-Weggeleit

DURCH-ATMEN - Der neue Podcast

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Podcast: Der Morgenimpuls von Schwester Katharina

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 10.04.2020
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Musica

  • "Jesu, deine Passion will ich jetzt bedenken" - geistliche Musik ab 19 Uhr
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…