Kardinal Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, im 2017 im Petersdom im Vatikan.
Kardinal Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, im 2017 im Petersdom im Vatikan.
Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken
Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken

31.05.2021

Kardinal Arborelius ist einer der Visitatoren im Erzbistum Köln "Er kann verbinden und verbindlich sein"

Als einer von zwei Apostolischen Visitatoren soll sich Anders Kardinal Arborelius ein Bild von der Situation im Erzbistum Köln machen. Warum ist er für diese Aufgabe geeignet? Georg Austen kennt ihn gut. Er liefert eine naheliegende Erklärung.

DOMRADIO.DE: Anders Kardinal Arborelius ist Erzbischof von Stockholm und Schwedens erster und bislang einziger Kardinal. Wie lange kennen Sie ihn schon?

Monsignore Georg Austen (Generalsekretär des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken): Ich kenne ihn schon seit 2008, als ich beim Bonifatiuswerk als Generalsekretär angefangen habe. Seitdem haben wir eigentlich sehr regelmäßig Kontakt und Austausch miteinander.

DOMRADIO.DE: Das liegt daran, dass Sie vom Bonifatiuswerk die Katholiken Skandinaviens, die dort als kleine Minderheit leben, unterstützen. So unterstützen Sie auch seit langem schon die Arbeit von Anders Kardinal Arborelius. Als was für einen Menschen haben Sie ihn denn kennengelernt?

Austen: Auf der einen Seite als einen sehr sympathischen und bescheidenen Mann, der auch als Kardinal in seinem Herzen Seelsorger geblieben ist. Ich war gerade an dem Tag, als er zum Kardinal ernannt wurde, in Schweden. Da war er, mit der Aktentasche von einer Firmung kommend, sehr überrascht, dass man ihn ernannt hatte.

Er ist aber auch in der Gesellschaft sehr anerkannt. Er selbst ist ja Konvertit. Ich erlebe ihn immer wieder als sehr sensiblen Menschen, der die Weltkirche sozusagen im Rücken, aber auch die Kirche im Blick hat. Er kann verbinden und gleichzeitig auch verbindlich sein. Ich kenne ihn als einen zurückhaltenden geistlichen Menschen, dem es ein großes Anliegen ist, all das unterschiedliche Miteinander in seinem bunten kleinen Bistum, in der Diaspora Kirche in Verbindung zu bringen. Es ist ihm dabei aber schon sehr wichtig, auch eine gesellschaftliche Bedeutung zu haben.

DOMRADIO.DE: Für was steht er denn theologisch?

Austen: Er ist in den Dingen, die er tut, ein sehr geistlicher Mensch. Zudem steht er auch von seinen eigenen Wurzeln her sehr stark für die Ökumene. Er ist ein Ordensmann. Und ich glaube, dass für ihn auch die bunte Vielfalt ganz wichtig ist. In Schweden gehören über 100 Nationen unterschiedlicher Menschen, Lebensentwürfe, aber auch kirchliche Gestaltungsweisen zu dieser kleinen Diasporakirche. Da steht Kardinal Arborelius für die Einheit und auch für die Vielfalt. Das macht ihn auch theologisch aus.

In allen Organisationen ist für ihn das Geistliche, das Evangelium auch sehr wichtig. Er kann auf Menschen zugehen. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den man auch braucht in dieser bunten Vielfalt, die er dort erlebt.

DOMRADIO.DE: Anders Arborelius spricht sehr gut Deutsch. Das wird ihm bei seiner Aufgabe in Köln sicher sehr helfen. Was qualifiziert ihn noch dafür?

Austen: Das kann ich gar nicht so genau beurteilen. Aber ich glaube, dass er die Situation der katholischen Kirche in Deutschland sehr gut kennt. Es fahren oft auch Priesterräte oder Diözesanverantwortliche nach Schweden. Er war auch lange der Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen und Mentalitäten in den Ländern.

Ich glaube, dass ihn auch qualifiziert, dass wir, wenn er in Deutschland oder bei uns im Bonifatiuswerk ist, immer wieder ins Gespräch darüber kommen, wie die Situation gerade aussieht. Es gibt auch zum Erzbistum Köln über das St. Ansgarius-Werk und Bonifatiuswerk gute Verbindungen. Ich glaube, das qualifiziert ihn eben auch, dass er die Situation in Deutschland kennt.

Das gilt auch in Bezug auf all die Fragen, die uns in den letzten Jahren bewegen, auch in all dem, was uns als Kirche ausmacht, bei dem wir auch versuchen, partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Natürlich spricht er exzellent Deutsch. Er ist aber, glaube ich, auch sehr sensibel und kann auch unterschiedliche Bewegungen wahrnehmen und aufeinander zugehen und auch versuchen, Brücken zu bauen.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie ihm jetzt für diese Aufgabe als Apostolischer Visitator?

Austen: Ich beneide ihn sicherlich nicht für das, was dort vor ihm liegt. Aber ich wünsche ihm einerseits ein sehr wachsames Auge und ein Ohr, das gut zuhören kann, was er auch kann.

Mir ist immer das Bild von "Maria, der Knotenlöserin" in Augsburg vor Augen, was dem Papst Franziskus ja auch sehr gut gefällt. Ich wünsche ihm, dass er mit einer gesunden Distanz versucht, dazu beizutragen, dass es eine lückenlose Aufklärung geben kann, auch wenn dies unbequeme Wahrheiten beinhaltet.

Vor allen Dingen hoffe ich, dass er das aufzubrechen versucht, was so gegeneinander steht. Es gilt, die unterschiedlichen Gegebenheiten und Situationen wahrzunehmen und ein Bild aus einer Distanz zu schaffen, damit es auch um weitere Wege, aber auch um Entscheidungen gehen kann.

Denn bei dem, was ich im Moment vom Erzbistum Köln so mitbekomme, ist es für unsere Kirche insgesamt sehr schwer, für alle unterschiedlichen Parteien Wege nach vorne zu finden.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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