Blick auf den Kölner Dom
Blick auf den Kölner Dom
Gordon Sobbek, Finanzdirektor des Erzbistums Köln
Gordon Sobbek, Finanzdirektor des Erzbistums Köln

24.09.2020

Erzbistum Köln legt Finanzbericht vor "Mit weniger Ressourcen auskommen"

Das Erzbistum Köln hat seine Finanzen für das Jahr 2019 dargelegt und wagt eine Prognose, wie es im krisengeschüttelten Corona-Jahr 2020 aussehen könnte. Der Finanzdirektor des Erzbistums, Gordon Sobbek, erklärt die Situation.

DOMRADIO.DE: Blicken wir zunächst auf das Jahr 2019. Da stehen an Erträgen 925 Millionen Euro zu Buche, vornehmlich aus Kirchensteuergeldern. Wer kriegt dieses Geld? Fließen die an die Kirchensteuerzahler zurück?

Gordon Sobbeck (Finanzdirektor des Erzbistums Köln): Ja, in jedem Fall ist das so. Der Großteil der Mittel, etwa die Hälfte, fließt direkt in die Seelsorge zurück. Wir differenzieren hier nochmal in die regionale und in die zielgruppenbezogene Seelsorge. Die Kirchengemeinden erhalten beispielsweise Zuschüsse von rund 230 Millionen Euro für Personal, Gebäude und Projekte. Weitere 50 Millionen Euro fließen in Jugendbildungsstätten, Jugend-/ Erwachsenenverbände wie Kolping und kfd oder auch in den Krankenhausbereich sowie in die Altenseelsorge.

DOMRADIO.DE: Nun kann man positiv auf das Jahr 2019 zurückblicken. Da gab es einen Überschuss von über 30 Millionen Euro. Was passierte damit?

Sobbeck: Wir sind froh, dass wir im Jahr 2019 noch auf ein solides Jahresergebnis zurückgreifen können. Im Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat wurde entschieden, dass wir das Jahresergebnis zur Vorsorge nutzen, insbesondere für den Baubereich und in Form einer Sonderrücklage für weitere Projekte. Das hilft uns ein bisschen, auch die Belastungen durch die Corona-Krise abzufedern.

DOMRADIO.DE: Das Jahr 2019 war ein positives Jahr. Jetzt haben wir das Jahr 2020. Die Corona-Krise schlägt natürlich zu Buche. Welche Auswirkungen hat das auf die Kirchenfinanzen des Erzbistums Köln?

Sobbeck: Sehr kurzfristig führt die Corona-Krise schon im laufenden Jahr zu einem erheblichen Rückgang bei der Kirchensteuer. Aktuell rechnen wir hier mit Einbußen von bis zu 50 Millionen Euro im laufenden Wirtschaftsplan. Das könnte im Jahresergebnis 2020 zu einem Defizit in der Größenordnung von 30 Millionen Euro führen. Aus den Erfahrungen der Finanzkrise wissen wir, dass wir nicht so schnell mit einem Aufholeffekt rechnen können. Das ist eher in einem Zeitraum von bis zu drei Jahren realistisch, sodass wir auch noch für das Jahr 2021 mit negativen Vorzeichen rechnen müssen.

DOMRADIO.DE: Wie reagiert das Erzbistum darauf? 50 Millionen weniger ist eine große Summe.

Sobbeck: Das stimmt. Hier zahlt es sich aus, dass wir mit Blick auf kommende finanzielle Herausforderungen schon seit längerer Zeit einen sehr strukturierten Prozess aufgesetzt haben. Wir wollen nicht kurzfristig sparen, sondern wir wollen langfristig unsere Strukturen so anpassen, dass sie auch tragen. Dies soll im Hinblick auf die kommenden zehn Jahre dann auch dazu führen, dass Einnahmen und Ausgaben sich wieder die Waage halten.

DOMRADIO.DE: Nun nimmt die Corona-Krise ja die Langzeitentwicklung der katholischen Kirche vorweg. Es wird immer weniger Kirchensteuereinnahmen geben. Es gibt sogar Prognosen, dass sich in den kommenden 40 Jahren die Ressourcen halbieren werden. Wie reagiert das Erzbistum darauf?

Sobbeck: In der Tat: Nach dieser von Ihnen erwähnten Studie des Freiburger Forschungszentrums Generationenverträge würden sich die Ressourcen, aber auch die Anzahl der Katholiken in einem Zeitraum von 40 Jahren halbieren. Aus diesem Grunde müssen wir jetzt handeln und beispielsweise unsere Strukturen in der Verwaltung anpassen. Ich glaube aber, dass das Erzbistum für diese Zeit gut gerüstet ist. Wir werden auch künftig in der Lage sein, Schwerpunkte zu setzen und zu investieren. In Zukunft kann es jedoch nicht nur um eine Ausweitung in bestimmten Bereichen gehen, sondern es wird auch zu prüfen sein, wo man sich kleiner setzt oder wo Leistungen gegebenenfalls in Frage gestellt werden müssen.

DOMRADIO.DE: Was heißt das jetzt ganz konkret für den Katholiken vor Ort in seiner Gemeinde?

Sobbeck: Wir haben einen sehr positiven Konjunkturzyklus in den vergangenen zehn Jahren gesehen, der auch dazu geführt hat, dass die die finanziellen Grundlagen immer ausreichend waren. Künftig müssen wir lernen, noch sorgsamer mit den Ressourcen umzugehen und den Mitteleinsatz stärker zu priorisieren. Ich bin sehr davon überzeugt, dass ein lebendiges pfarrliches Leben auch unter diesen Rahmenbedingen gelingt.

Das Interview führte Johannes Schröer.

(DR)

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