Soldaten halten bei der Wandlung die Flambeaus.
Soldaten halten bei der Wandlung die Flambeaus.
Das Haus Europa sichere den Frieden, betont Kardinal Woelki in seiner Predigt.
Das Haus Europa sichere den Frieden, betont Kardinal Woelki in seiner Predigt.
Sogar aus Burkina Faso, Brasilien, Uruguay, Estland und Serbien stammen Soldaten, die am Friedensgottesdienst teilnehmen.
Sogar aus Burkina Faso, Brasilien, Uruguay, Estland und Serbien stammen Soldaten, die am Friedensgottesdienst teilnehmen.
Kardinal Woelki zieht mit zahlreichen Militärgeistlichen ein.
Kardinal Woelki zieht mit zahlreichen Militärgeistlichen ein.
Eine Politik für das Gemeinwohl müsse sich an der Nächstenliebe ausrichten, heißt es in einer der Fürbitten.
Eine Politik für das Gemeinwohl müsse sich an der Nächstenliebe ausrichten, heißt es in einer der Fürbitten.
Soldaten bringen die Gaben zum Altar.
Soldaten bringen die Gaben zum Altar.
General Ansgar Rieks ist Mitglied im ZDK und trägt die Lesung vor.
General Ansgar Rieks ist Mitglied im ZDK und trägt die Lesung vor.
Unter den Geistlichen ist an diesem Morgen auch der Erzbischof von Moskau, Paolo Pezzi (links von Kardinal Woelki).
Unter den Geistlichen ist an diesem Morgen auch der Erzbischof von Moskau, Paolo Pezzi (links von Kardinal Woelki).
Neben Kardinal Woelki stehen Erzbischof Paolo Pezzi aus Moskau und Militärgeneralvikar (rechts) Reinhold Bartmann.
Neben Kardinal Woelki stehen Erzbischof Paolo Pezzi aus Moskau und Militärgeneralvikar (rechts) Reinhold Bartmann.
Sogar aus Burkina Faso, Brasilien, Uruguay, Estland und Serbien stammen Soldaten, die am Friedensgottesdienst teilnehmen.
Sogar aus Burkina Faso, Brasilien, Uruguay, Estland und Serbien stammen Soldaten, die am Friedensgottesdienst teilnehmen.
Stille Anklage: "Die Deutsche Friedensgesellschaft und Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen" protestieren auf der Domplatte.
Stille Anklage: "Die Deutsche Friedensgesellschaft und Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen" protestieren auf der Domplatte.

17.01.2019

Internationaler Friedensgottesdienst im Kölner Dom Vereint im Gebet um den Frieden

Soldaten ausländischer Streitkräfte, Bundeswehrsoldaten und Beamte der Bundespolizei haben anlässlich des Weltfriedenstages mit Kardinal Woelki und zahlreichen Militärgeistlichen Eucharistie gefeiert. Ihr gemeinsames Anliegen: der Frieden.

Eine Handvoll Demonstranten sind es diesmal nur, die auf der Domplatte gegen den internationalen Soldatengottesdienst protestieren, den zeitgleich Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Kölner Dom feiert. Doch ihre Parolen und Transparente sind zynisch wie immer: Da wird der Kardinal in Militäruniform und mit Weihrauchfass dargestellt. Und als sei diese Fotomontage noch nicht Provokation genug, steht über diesem Bild, das ein Vertreter der Deutschen Friedensgesellschaft und der Vereinigten Kriegsdienstgegner im Protest "gegen die Zusammenarbeit von Kirche und Militär" auf einer Papptafel über die Domplatte trägt, auch noch der Kommentar: "Kardinal Woelki sei Dank, wenn bewaffnete Soldaten beichtfreudiger in illegalen Auslandseinsätzen kämpfen." Unmittelbar daneben – vor dem Domforum – stehen weitere Gegner dieses traditionellen Gottesdienstes anlässlich des Weltfriedenstages: als Skelette verkleidet. Sie fordern auf ihren Bannern: "Abrüsten statt aufrüsten. Oder: "Kein Militär im Dom. Soldatengottesdienst – nein!" Zugespitzt und besonders sarkastisch heißt es auf einem schwarzen Transparent mit weißem Totenkopf: "Der Tod dankt für die gesegnete Ernte."

Ein wichtiges Statement für den Frieden

Ihm würde fast schon etwas fehlen, quittiert General Ansgar Rieks, stellvertretender Inspekteur der Luftwaffe, eher achselzuckend diese stille Kundgebung, als er nach der Messe den Dom verlässt. Ein solcher Gottesdienst sei vielmehr ein wichtiges Statement für den Frieden, hält er der auf diese Weise vorgebrachten Anklage entgegen und betont, eine Messfeier wie diese – auf der Grundlage des Friedensappells von Papst Franziskus – schaffe an dem Kölner Standort der Bundeswehr als einem der größten Deutschlands eine Identität für die Zusammenarbeit mit den Soldatinnen und Soldaten, die im Bereich des Erzbistums Köln stationiert seien. Rieks ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und regelmäßiger Teilnehmer des Soldatengottesdienstes. Er stimme den Ausführungen Kardinal Woelki zu, sagt er noch: dass es immer primär um den Frieden und seinen Erhalt gehe und es trotz einer Bewaffnung als gewissermaßen notwendigem Übel gelte, stets ethischen Prinzipien zu folgen und die im Ernstfall angewendeten Mittel zuvor sorgfältig abzuwägen.

Auch Markus Herweg, Sanitäter bei der Bundeswehr, findet die Feier des alljährlichen Soldatengottesdienstes legitim. Soldat zu sein, sei ein Beruf wie jeder andere, erklärt er. "Daher sind wir nichts anderes als ein Spiegelbild der Gesellschaft." Viele seiner Kameraden seien christlich geprägt. "Da tut es gut, dass uns in dieser Öffentlichkeit auch die Teilnahme an einem Gottesdienst in Uniform ermöglicht wird. Schließlich müssen wir uns nicht verstecken."

Mit Rieks und Herweg feierten an diesem Donnerstag rund 1.200 Soldaten diesen traditionellen Gottesdienst zu Beginn eines neuen Jahres, um gemeinsam für den Frieden zu beten. "Gute Politik steht im Dienste des Friedens", so hatte Papst Franziskus seine Botschaft für 2019 formuliert. Neben inländischen Soldaten aus den Seelsorgebezirken Aachen, Nörvenich, Köln, Bonn, Wahn, Siegburg und Düsseldorf kamen auch Vertreter ausländischer Streitkräfte sowie Beamte der Bundespolizei in den Kölner Dom. Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Peter Tauber (CDU), Bundesminister a. D. Dr. Franz-Josef Jung und Hans-Werner Bartsch als Bürgermeister der Stadt Köln nahmen ebenfalls an dem Gottesdienst teil.

Gegen Nationalismus und Abschottung

Schon in seiner Begrüßung hatte Erzbischof Woelki dazu aufgerufen, sich als Gestalter des Friedens zu verstehen – „zum Wohl der ganzen Menschheitsfamilie“. Doch sei Frieden nur da möglich, „wo wir im Frieden mit uns selbst und im Frieden mit Gott sind“. In seiner Predigt warb er dann leidenschaftlich für ein einheitliches Europa, das Freiheit und Schutz garantiere. Der Trend zu einer schlechten Politik, zu Nationalismus und Abschottung dürfe sich nicht weiter durchsetzen, so der Kardinal. Er erinnerte an die Dom-Illumination „Dona nobis pacem“ im Gedenken an das Ende des Ersten Weltkrieges im September, in deren Licht der Dom zu einem Mahnmal und zu einem Leuchtturm des Friedens geworden sei. Ebenso eindringlich aber sprach er an, dass der Erste Weltkrieg die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts mit 17 Millionen Toten gewesen sei, an der allein 40 Staaten beteiligt gewesen waren. "Niemals werden wir das Leid und das Grauen jener Schlacht vergessen dürfen, in der ungezählte französische und deutsche Soldaten ihr Leben verloren haben", so der Kardinal konkret zu den Kämpfen in Verdun und dem erstmaligen Einsatz von Giftgas als Massenvernichtungswaffe in der zweiten Flandernschlacht. Trotz dieser Erfahrungen würden wir augenscheinlich nur schlecht daraus lernen können, denn weiterhin beherrschten Kriege weite Teile der Erde. Woelki mahnte, es bedürfe keiner neuen Waffen, sondern "einer neuen Generation von Menschen", die nicht für eine Kultur des Todes, sondern für eine Kultur des Lebens, des Friedens und des Miteinanders stünden.

Christen müssen überzeugte Europäer sein

Es sei ein Glück, seit mehr als 70 Jahren in einem weitgehend friedlichen Europa zu leben – lasse man die Auseinandersetzungen auf dem Balkan und in der Ukraine einmal für einen Moment außer Acht. Doch dieser europäische Friedensraum, so Woelki, sei "alles andere als selbstverständlich". Man habe sich so sehr an ein Leben in Sicherheit, an Recht und Rechtsstaatlichkeit sowie ein christlich geprägtes Wertesystem, das Freiheit und den Schutz der menschlichen Würde garantiere, gewöhnt, dass man offensichtlich nicht mehr wisse, was man alles aufs Spiel setze bzw. verspielen könne, wenn sich der Trend zu einer schlechten Politik und zu Nationalismus und Abschottung weiter durchsetze. "Jeder für sich und ich für mich – so lässt sich Europa nicht gestalten", sagte der Kardinal wörtlich. So gerate Europa unter die Räder nationaler Egoismen. Nationalistisches Denken und nationalistische Politik aber führten ins Verderben. „Davor bewahre uns Gott!“

Das gemeinsame Haus Europa dagegen sichere den Frieden, der auf keinen Fall gefährdet werden dürfe. "Als Christen sollten wir deshalb überzeugte Europäer sein. Als solche haben wir aus dem Grauen der beiden letzten Weltkriege gelernt und wollen deshalb weiter an der inneren und äußeren Einheit Europas mitarbeiten". Deshalb dürfe man sich nicht durch ökonomische oder gar nationalistische Eigeninteressen auseinanderdividieren lassen. "Europa gehört zusammen und es kann nur solidarisch die großen Herausforderungen von Krieg und Frieden an seinen Außengrenzen, die Herausforderungen von Migration und Integration, die Schaffung und die Implementierung gerechter ökonomischer Lebensverhältnisse weltweit bestehen."

Christliche Glaubensboten haben Europa geeint

Die kommenden Europawahlen seien in diesem Kontext entscheidend für alle Bürgerinnen und Bürger Europas. "Bei diesen Wahlen dürfen wir als Christen nicht fehlen", betonte der Kardinal. Denn: "Europa ist von seinen frühesten Anfängen an fest verbunden mit dem christlichen Glauben.“ Christliche Glaubensboten hätten die Völker des Kontinents bereits vor Jahrhunderten geeint. Als Beispiele führte er Benedikt von Nursia, Bonifatius, der zum Apostel Deutschlands wurde, Willibald aus England, Kilian aus Irland, Liborius aus Gallien, Brigitta von Schweden sowie Cyrill und Methodius aus den slawischen Ländern an. Sie alle seien nicht nur große Heilige der Kirche, sondern sie gehörten mit vielen anderen auch zu den Baumeistern Europas und damit zur abendländischen Kultur. Sie alle habe der Glaube an den einen Gott geeint, sagte Woelki. Auch heute müsse es Menschen geben, die Gott in allem die erste Perspektive einräumten und ihm gäben, was Gottes sei: Anbetung. Ehrfurcht, Gehorsam. Dann werde auch dem Menschen gegeben, was des Menschen sei: Freiheit, Friede, Gerechtigkeit.

"Europa braucht keine Zyniker und Filterblasen"

Es brauche Staatslenker, die nicht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner fragten, sondern das Fundament und eine neue Vision von Europa weiterspinnen würden; von einem Europa "das um seine Wurzeln weiß und daraus lebt und gerade deshalb auch keine Angst vor Überfremdung haben muss". Das solidarisch sei, aber auch selbstbewusst Eingliederung und Identifikation verlangen dürfe. Weil ein solches Europa für Gott ein Herz habe, habe es auch ein Herz für alle Menschen – „besonders für die Notleidenden, die zu uns kommen“. Europa brauche Menschen, "die sich gestaltend engagieren statt sich zynisch auf Twitter oder in anderen Social-Media-Debatten zurückzulehnen“, lautete ein weiterer Appell Woelkis an seine Zuhörer. „Dafür muss mancher die eigenen von Chatbots und Scharfmachern kontrollierten Meinungsblasen links wie rechts auch einmal zum Platzen bringen lassen, um das große Ganze in den Blick zu nehmen."

Tradition seit 1977 im Erzbistum Köln

Im Anschluss an den Gottesdienst, der in dieser Form in Köln seit 1977 gefeiert wird, kamen die Soldaten im Kölner Maternushaus zu dem ebenfalls schon über einen weiten Zeitraum traditionellen Austausch mit dem Kölner Erzbischof und den vielen Militärgeistlichen, zu denen auch Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann und der leitende Militärdekan, Monsignore Rainer Schnettker, gehörten, zusammen.

Das Katholische Militärdekanat Köln erstreckt sich über vier Bundesländer. Es umfasst 18 Seelsorgebezirke, in den 44.000 Soldatinnen und Soldaten und ihre Familienangehörigen betreut werden.

Beatrice Tomasetti
(DR)

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