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Kontemplative Orden und soziale Medien
Papst an Nonnen: Keine Zeit mit sozialen Medien verschwenden
Papst an Nonnen: Keine Zeit mit sozialen Medien verschwenden

19.05.2018

Benediktinerin über Nutzen und Schaden sozialer Medien Facebook im Kloster

Papst Franziskus hat kontemplative Orden gebeten, keine Zeit mit sozialen Medien zu verschwenden. Schwester Emmanuela, Benediktinerin aus Köln, sprach mit uns über Facebook und Co. im Kloster.

DOMRADIO.DE: Haben Sie ein Handy?

Sr. Emmanuela Kohlhaas OSB (Priorin der Benediktinerinnen in Köln): Ich habe ein Handy, tatsächlich noch ein ganz einfaches, und benutze es nur, wenn ich unterwegs bin, um mich mit jemandem zu treffen und um mich miteilen zu können.

Tatsächlich hat fast niemand meine Nummer und bei uns im Haus selbst wird kein Gebrauch von Handys gemacht.

DOMRADIO.DE: Was ist mit Twitter, Instagram, Facebook?

Kohlhaas: Ich selber nutze das gar nicht. Es gibt von einer Schwester einen Facebookauftritt, der heißt "Beten für einen Firmling". Das ist ein apostolisches Projekt. Es gibt Schwestern, die sind bei Facebook. Aber ich muss gestehen, mir selbst ist das zu anstrengend. Mir reicht mein tägliches Email-Aufkommen.

DOMRADIO.DE: Das heißt aber nicht, dass Sie es grundsätzlich verurteilen, wenn Ihre Mitschwestern auf sozialen Medien unterwegs sind?

Kohlhaas: Grundsätzlich gibt es dagegen nichts einzuwenden. Tatsächlich aber kann diese permanente Omnipräsenz der Medien, die immer wieder eine sofortige Reaktion erwarten, einen förmlich auffressen. Da kann eine Art Parallelwelt neben der erlebten Wirklichkeit entstehen.

So gesehen verstehe ich die Besorgnis des Papstes, dass soziale Medien in Klöstern – und nicht nur da, sondern überall – bei einer falschen Nutzung dem sozialen Leben eher schadet als nutzt. 

DOMRADIO.DE: Inwiefern sind die sozialen Medien in ihrem Orden ein Thema, gerade im Vergleich zu einem Laien, der in der Welt draußen lebt?

Kohlhaas: Die Gemeinschaft spielt für uns eine große Rolle. Wir sind 26 Frauen zwischen Anfang 20 – eine Postulantin ist sogar erst 19 – und fast 95 Jahren. Wir schlafen, essen, beten mehrere Stunden gemeinsam unter einem Dach.

Das heißt, es bleibt kaum Zeit, sich mit sozialen Medien zu befassen. Es würde das Gemeinschaftsleben massiv stören, wenn wir uns mit einem Smartphone in der Hand gegenüber säßen als miteinander zu reden. Wir kommunizieren sehr direkt miteinander.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn konkrete Regeln aufgestellt, im Sinne von: "Bei uns am Tisch gibt es kein Facebook" oder klärt sich das von allein?

Kohlhaas: Das klärt sich von allein. Beim Essen geht es sowieso nicht. Da gibt es bei uns Stille und Tischlesung. Wir hören auch mal Nachrichten und nehmen etwas aus dieser Welt der Medien auf, aber sehr gezielt und ausgewählt. Es käme keiner auf die Idee, mit einem Telefon in der Hand herumzuspielen.

DOMRADIO.DE: Sie haben gerade den Facebookauftritt ihrer Mitschwester erwähnt, die Gruppe "Beten für einen Firmling". Das heißt, es kann auch Vorteile für die Gemeinschaft bringen, oder?

Kohlhaas: Keine Frage, es gibt immer die Möglichkeiten der Kommunikation. Wie ich die nutze, wofür ich die nutze – und es gibt Bereiche, wo sie unserem Leben nutzen, weil es direkter werden kann mit dem Beten.

In der Facebookgruppe geht es darum, dass jeder Firmling weiß, dass für ihn ganz persönlich gebetet wird. Die Schwester ordnet den Firmlingen Beter zu, und sie kommuniziert mit den Betern und oft mit den Firmlingen selbst. Und dass ist ein wunderbares Apostolat.

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus hat gesagt, die sozialen Medien sind ein Mittel, um sich zu bilden und für die Arbeit zu nutzen, aber er sagte auch: "Es ist ein Anlass zur Zeitverschwendung". Stimmen Sie da zu?

Kohlhaas: Es ist keine Frage, dass man im Internet in einen Sog geraten kann und von einer Seite zur anderen wechselt, wenn man anfällig dafür ist. Dann ist schnell viel Zeit vorbei, ohne dass es sinnvoll gewesen ist. Und man fragt sich vielleicht: "Womit habe ich den Abend zugebracht anstatt ein Gespräch zu führen?"

Ich habe mal ein junges Pärchen beobachtet, dass sich bei einer Tasse Kaffee im Bahnhof gegenüber saß: Beide beschäftigten sich ziemlich lange mit ihren Smartphones. Und das kann man ja allerorten beobachten; das ist für mich keine Förderung der Kommunikation.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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