Die Restaurierung der Archivalien ist aufwendig und zeitintensiv
Die Restaurierung der Archivalien ist aufwendig und zeitintensiv
Trümmer liegen am 04.03.2009 in Köln an der Stelle, an der sich das eingestürzte historische Stadtarchiv befand.
Trümmer des historischen Stadtarchivs

17.01.2018

​Das Kölner Stadtarchiv ist ein jahrzehntelanger Schadensfall Kampf gegen Betonstaub und Wasserschäden

Der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln vor neun Jahren hat einen jahrzehntelangen Schadensfall zur Folge. 13 Prozent des Archivguts sind wieder nutzbar. Die Restaurierung der rund 1,7 Millionen Objekte wird aber noch Jahrzehnte dauern.

"Der Restaurierungsbedarf ist gigantisch", so die Experten des Archivs. Mehr als 200 Menschen müssten in ständigem Einsatz sein, damit das Archiv in 30 Jahren wieder voll funktionsfähig sein kann.

Bei dem Wassereinbruch an einer nahen Baugrube für die Kölner U-Bahn versanken inmitten von Trümmern, Staub, Wasser und Schmutz 30 Regalkilometer Archivmaterial aus über 1.000 Jahren Stadt-, Regional- und Kirchengeschichte. Zwei Bewohner eines Nachbarhauses kamen bei dem Unglück ums Leben.

Grundwasserbefall: Jedes zehnte Dokument betroffen

Rund 95 Prozent der Bestände konnten geborgen und erstversorgt werden. Die geschätzte Gesamtmenge von 1,73 Millionen Bergungseinheiten kamen zunächst in 20 Asylarchiven in ganz Deutschland unter. Etwa jedes zehnte Dokument war Grundwasserbefall während der Bergungsphase ausgesetzt.

Um die Zersetzung des Papiers durch Schimmel zu verhindern, wurden sofort nach der Bergung diese nassen Dokumente schockgefroren. Eine besondere Herausforderung sind auch die fotografischen Bestände und audiovisuellen Medien, deren Trägerschichten sehr anfällig für mechanische und chemische Belastung sind.

Zentren extra eingerichtet

Inzwischen sind die meisten Dokumente im ehemaligen Landesarchiv NRW in Düsseldorf mit rund 20 Regalkilometern Magazinfläche. Die Aufarbeitung der Bestände erfolgt im 2011 eingerichteten Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum (RDZ) in Köln-Porz.

Ein zweiter zentraler Restaurierungsort ist das Sächsische Staatsarchiv, mit dem es eine Kooperationsvereinbarung gibt. Inzwischen wurden rund 13 Prozent der Archivalien trockengereinigt; der Großteil davon ist wieder als Original oder Digitalisat nutzbar.

Aufwendige Restaurierung

Von jedem einzelnen Blatt muss der allgegenwärtige Betonstaub entfernt werden. Bei leichteren Schäden ist die Bearbeitung mit der Reinigung abgeschlossen, was aber nur bei 15 Prozent der Archivalien der Fall ist. Bei allen anderen Archivalien sind aufwendigere Arbeiten wie Glättung, Schließung von Rissen, Ergänzung von Fehlstellen, Fixierung von Siegeln Entfernung, von mikrobiellem Befall und die Herstellung neuer Einbände und Schutzverpackungen notwendig.

Aus dem Bestand der mittelalterlichen Urkunden wurden laut Stadtarchiv bisher rund 31.000 Exemplare und damit über die Hälfte trockengereinigt. Rund 750 Handschriften sind bereits wieder restauriert worden.

Derzeit entsteht am Eifelwall ein Neubau für das Historische Archiv, das auch das Rheinische Bildarchiv aufnehmen soll. Neben rund 10.600 Quadratmetern Magazinfläche ist Platz unter anderem für Werkstätten, einen Ausstellungsraum und einen Lesesaal vorgesehen.

Andreas Otto
(KNA)

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