Die Herausforderungen der Corona-Krise für Paare und Familien
Die Herausforderungen der Corona-Krise für Paare und Familien
Mit der Familie im Homeoffice
Mit der Familie im Homeoffice

21.03.2020

Die Herausforderungen der Corona-Krise für Paare und Familien "Man muss nicht immer alles gemeinsam machen"

Die Corona-Krise stellt für viele Paare und Familien eine extreme Herausforderung dar: Kinderbetreuung plus Homeoffice, dazu das Quasi-Eingesperrtsein auf oftmals engem Raum. Wie lässt sich da verhindern, dass Spannungen überhand nehmen, dass die Situation eskaliert? 

Katholische Nachrichtenagentur: Frau Hübner, aus China sind kürzlich erstaunliche Fakten bekannt geworden: Kaum hatten in der Provinz Wuhan die Standesämter wieder geöffnet, wurden sie mit Scheidungsanträgen geradezu überhäuft. Droht so etwas auch bei uns?

Gaby Hübner(Vorsitzenden des Bundesverbands Katholischer Ehe-, Familien- Lebensberaterinnen und -berater): Ich hoffe nicht. Aber eines ist natürlich klar: Die aktuelle Situation stellt viele Paare und Familien vor eine große Herausforderung. Die meisten sind es ja gar nicht mehr gewöhnt, so viel Zeit auf womöglich engem Raum miteinander zu verbringen. Am ehesten kennen wir das noch aus dem Urlaub. Aber das ist ja eine schöne Zeit, während es jetzt darum geht, gemeinsam eine Krise zu bewältigen. In einer Krise aber reagieren Menschen sehr unterschiedlich. Während der eine sich gerne öffnen und reden möchte, braucht die andere vielleicht Ruhe und will sich zurückziehen. Generell besteht die Gefahr, sich gegenseitig zu überfordern, weil man denkt, dass die Beziehung oder die Familie jetzt die Rettung bringen. Gerade deswegen ist es wichtig, dennoch andere Kontakte zu pflegen - nur eben auf anderen Wegen.

KNA: Andererseits heißt es doch, dass Krisen zusammenschweißen. Ist das nicht ein Widerspruch?

Hübner: Paare oder Familien, die gut mit Konflikten umgehen können, die gut in Kommunikation sind und eine gute Streitkultur entwickelt haben, sind in der jetzigen Situation klar im Vorteil. Die können durchaus gestärkt aus so einer Krise hervorgehen. Dort hingegen, wo es ohnehin schlummernde Konflikte gibt, kann so eine von außen herangetragene Krise sehr problematisch werden, weil mit einem Mal alles zum Ausbruch kommt.

KNA: Ehen und Familien leben auch von den gemeinsamen Aktivitäten, den Erlebnissen, die man miteinander teilt. Jetzt erleben wir quasi nichts mehr, unser Alltag wird zunehmend gleichförmig. Wie kann man dem begegnen?

Hübner: Wichtig ist, sich selbst eine Tagesstruktur zu geben und innerhalb dieser Struktur auch Pläne zu machen. Man kann zum Beispiel gut zu Hause Sport machen, auch gemeinsam - im Internet gibt es Ideen dafür. Wenn man im Homeoffice ist, dann sollte man klar zwischen Arbeit und Freizeit trennen und mit der Familie entsprechende Regeln vereinbaren. Zu diesem Thema gehört auch, dass man nicht den ganzen Tag in Schockstarre vor dem Fernsehen oder Computer sitzt, um die neusten Infos über die Corona-Krise zu bekommen, insbesondere dort, wo Kinder beteiligt sind. Besser ist es, dafür gezielt ein Zeitfenster auszuwählen, damit das Thema nicht alles überlagert.

KNA: Gerade Letzteres fällt aber schwer. Die Gespräche kehren unweigerlich immer wieder zum Thema Corona zurück - und macht man das Radio an, geht es da auch nur um die Pandemie. Wie kann man dem entgegensteuern?

Hübner: Es ist jetzt Aufgabe der Erwachsenen, das zu steuern und hierbei eine bestimmte Kreativität zu entwickeln. Zum Beispiel kann man vereinbaren, dass nur einmal am Tag eine bestimmte Zeit lang über Corona gesprochen wird. Und damit man das einhält, stellt man sich die Eieruhr. Die Mahlzeiten etwa sollten "coronafrei" sein. Stattdessen widmet man dem Aufmerksamkeit, was uns nährt und stärkt: Die Nahrung an sich, der Mensch, der sie zubereitet hat, die Verkäuferin oder die Kassiererin. Das gibt dann auch Gelegenheit Solidarität im Denken und Danken zu üben. Wichtig ist auch, neben all den negativen Nachrichten, neben all den Einschränkungen das Positive nicht zu vergessen. Was war heute gut? Was haben wir gut hingekriegt? Aber natürlich muss man auch Verständnis haben, wenn die Menschen das nicht auf Anhieb hinbekommen. Es ist ja für alle etwas völlig Neues.

KNA: Gerade wird massiv an die Solidarität der Menschen appelliert. Wie lange sind die Menschen bereit, das mitzumachen - und wann bricht sich der Drang nach individueller Freiheit wieder Bahn?

Hübner: Wenn man das wüsste! Unsere Gesellschaft ist sehr stark individualisiert und auch in vielen Bereichen narzisstisch, insofern stellt uns diese Krise vor eine ganz besondere Herausforderung. Vielen Menschen wird jetzt etwas abverlangt, das sie letztlich nie gelernt haben. Andererseits gibt es auch das Gegenteil, berührende Beispiele von Solidarität und Nächstenliebe, gerade auch mit Hilfe der Sozialen Medien. Wichtig ist, denke ich, die Waage zu halten zwischen Solidarität und dem, was jeder für sich selbst tut. Denn in so einer Krise muss man auch an sich selbst denken und an das, was man gerade selber braucht.

KNA: Singles und Alleinlebende könnten jetzt sagen: Seid doch froh, dass ihr Paare und Familien wenigsten noch euch habt. Aber stattdessen streitet ihr euch. Was kann man darauf sagen?

Hübner: Streit gehört in so einer Situation dazu - so lange man bestimmte Regeln einhält und nicht verletzend wird. Ein Streit kann auch ein reinigendes Gewitter sein, nach dem es allen Beteiligten wieder besser geht.

KNA: Was aber, wenn die Situation eskaliert, wenn quasi Dauerstreit herrscht, vielleicht sogar Gewalt - was raten Sie dann?

Hübner: Vorneweg: Wenn es zu häuslicher Gewalt kommt, muss man die Polizei rufen, unabhängig von Corona. Ansonsten, denke ich, müssen wir Verständnis füreinander aufbringen. Dass jemand in einer solchen Ausnahmesituation auch einmal überreagiert, ist nur menschlich. Wichtig ist, dass man anschließend um Verzeihung bittet und der andere diese Verzeihung auch gewährt. Aber natürlich müssen sich gerade Erwachsene auch selbst steuern. Wenn die Situation zu eskalieren droht, hilft manchmal nur räumliche Distanz - und wenn es das nächste Zimmer ist. Auch in dieser Ausnahmesituation, müssen Familien nicht immer alles gemeinsam tun. Man muss sich Freiräume lassen, damit jeder auf seine Art mit dieser Ausnahmesituation umgehen kann.

Das Interview führte Andreas Laska.

(KNA)

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