Bangladesch, Dhaka: Nur Amin sortiert Plastikflaschen in einer Recylingfabrik
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Petra Schürmann
Petra Schürmann

12.06.2018

"Sternsinger" mahnen zum Welttag gegen Kinderarbeit "Besser, aber immer noch schwierig"

Kinderarbeit nimmt zwar weltweit ab, aber trotzdem müssen noch Millionen von Kindern unter unwürdigen Bedingungen ackern. Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" malt zum Welttag gegen Kinderarbeit ein düsteres Bild mit Lichtblicken.

DOMRADIO.DE: Wie sieht die aktuelle Situation beim Thema Kinderarbeit aus?

Petra Schürmann (Kindermissionswerk "Die Sternsinger"): Man kann sagen, dass sich die Situation von Jahr zu Jahr immer weiter verbessert. Zum Glück. Das ist eine erfreuliche Nachricht, die wir auch sehr begrüßen.

Aber insgesamt sind es halt immer noch über 150 Millionen Kinder, die weltweit arbeiten müssen. Das heißt, es wird dagegen gekämpft, aber man sieht immer wieder - je nach Land -, dass es schwierig ist und sich sehr unterschiedlich positiv entwickelt.

DOMRADIO.DE: Was sind die Hauptursachen für Kinderarbeit? Warum müssen so junge Kinder arbeiten gehen?

Schürmann: Hauptursache ist sicher die Armut der Familien. Gleichzeitig sind die Eltern selber nicht zur Schule gegangen und haben Bildung nicht als Chance wahrgenommen. Das heißt also auch, dass sie den Kindern nicht vermitteln können, dass man aus der Armut auch rauskommen kann.

DOMRADIO.DE: Können arbeitende Kinder eigentlich zur Schule gehen?

Schürmann: Die meisten nicht. Es gibt sicherlich die ein oder anderen Kinder, die neben der Schule arbeiten. Das ist eine Form, bei der viele sagen, das ist ein guter Ansatz, dass Kinder eigentlich zur Schule gehen und nebenher dann leichte Arbeiten machen und damit die Familie unterstützen.

Aber es gibt sehr viele Kinder, die keine Schule besuchen und den ganzen Tag arbeiten. Sie werden dabei ausgebeutet und müssen unter unmöglichen Bedingungen leben.

DOMRADIO.DE: In welchen Bereichen und unter welchen Bedingungen müssen Kinder arbeiten?

Schürmann: Was ich auf meiner Reise in Indien gesehen habe, sind Kinder, die in Hinterhöfen arbeiten, die Zigaretten drehen, die Metallarbeiten machen, weil sie Armreifen aus Glas zusammenschweißen, Teppiche knüpfen, T-Shirts nähen.

Dann gibt es viele Mädchen, die in reichen Haushalten ausgebeutet werden. Oder sie müssen schwer auf den Feldern der Familie oder auch bei Großgrundbesitzern arbeiten.  

DOMRADIO.DE: Bei der letzten Sternsinger-Aktion wurde für Kinder in Indien gesammelt. Wie können Sie konkret den Kindern helfen?

Schürmann: Unsere Partner versuchen verschiedene Ansätze zu fahren. Zum einen geht es darum, die Kinder in die Schulen zu bringen, dass sie immer weniger arbeiten und immer mehr in die Schule gehen. Dann finanzieren wir Projekte, die Eltern Einkommen verschaffen, sodass Kinder eben nicht mehr zum Familienunterhalt beitragen müssen.

Aber wir wollen auch die Kinder stärken, sodass sie von ihren Rechten erfahren, sich zusammenschließen und für ihre Rechte kämpfen. Der vierte Ansatz ist, staatlich aktiv zu werden, sodass die Gesetze, die es ja gibt, auch umgesetzt werden. Das heißt, dass die Staaten ihre Aufgabe wahrnehmen, was sie in vielen Bereichen eben nicht tun.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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