Corona-Gedenkstein am neuen Ort Bahnhof Loh in Wuppertal
Corona-Gedenkstein am neuen Ort Bahnhof Loh in Wuppertal
Corona-Gedenkstein an seinem alten Ort am Laurentiusplatz
Corona-Gedenkstein an seinem alten Ort am Laurentiusplatz

12.10.2021

Wuppertal gedenkt Corona-Toten mit einem Stein "Der Stein ist ein aktives Mahnmal"

Allein in NRW sind fast 18.000 Menschen an Corona gestorben, oft sehr still und im Verborgenen. In Wuppertal erinnerte ein Gedenkstein auf dem Laurentiusplatz an die Toten. Dieser findet nun seinen Platz im Steingarten an der Nordbahntrasse.

DOMRADIO.DE: Die Städte und Gemeinden gedenken der Corona-Toten auf unterschiedliche Weise. Wichtig ist es, sich immer an diese Menschen zu erinnern und ihrer zu gedenken. In Wuppertal gibt es fast 500 Corona-Tote. Wie äußert sich das Gedenken der Corona-Toten in Wuppertal?

Dr. Werner Kleine (Pastoralreferent in der Citykirche Wuppertal): Wir hatten am Anfang des Jahres - auch auf eine Initiative eines Wuppertaler Bürgers hin - Corona-Gedenkstätten eingerichtet. Die zentrale Stelle war am Laurentiusplatz. Wir hatten noch weitere an der Pfarrkirche St. Antonius oder in St. Mariä Empfängnis in Vohwinkel.

Wir hatten Plakate aufgestellt und Möglichkeiten, Kerzen zu entzünden. An der zentralen Gedenkstelle am Laurentiusplatz gab es auch regelmäßig Gottesdienste für die Corona-Toten, wo wir derer gedacht haben. Die sind sehr gut angenommen worden.

Auf dem Laurentiusplatz lag dann auch unser Corona-Gedenkstein. Auf dem hatten wir mit Kreide immer die aktuelle Zahl der Corona-Toten geschrieben, um so die Toten ins Bewusstsein zu bringen. Denn gestorben wurde in Corona-Zeiten und wird in Corona-Zeiten ja sehr still und im Verborgenen. Man sieht die Toten nicht.

Um die aus der Anonymität herauszuholen, haben wir diese Gedenkstätten eingerichtet.

DOMRADIO.DE: Und Sie haben diesen Corona-Gedenkstein ins Leben gerufen. Was ist das für ein Stein? Wie müssen wir uns das vorstellen?

Kleine Das ist ein Findling, der ist so ungefähr 60-70 Zentimeter hoch, wiegt 800 Kilo. Der lag auf dem Laurentiusplatz. Im Frühjahr, als die Außengastronomie wieder eröffnen konnte, wurde die auch um die Corona Gedenkstätte herumgebaut. Die lag dann mittendrin. Wir haben die dann anfangs verlagert, dann gingen die Inzidenzwerte herunter. Das Bewusstsein dafür ging ein wenig verloren.

Der Stein blieb aber als Mahnmal auf dem Laurentiusplatz. Und für den mussten wir jetzt eine neue, würdige Stelle finden. Denn ein solcher Stein, der das Gedenken der vielen trägt, den kann man nicht einfach wieder irgendwo an den Weg stellen.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie einen neuen Standort für diesen Gedenkstein gefunden. Wo liegt er jetzt in der Stadt?

Kleine: Wir haben hier in Wuppertal die Nordbahntrasse, eine alte Bahnstrecke, die jetzt von Fahrradfahrern genutzt wird. An der Nordbahntrasse gibt es den Steingarten von Martin Michels am Bahnhof Loh. Mit dem bin ich persönlich verbunden, weil wir da immer unsere Ostergottesdienste feiern.

Es ist ein wunderschöner Ort und der Gedenkstein hat jetzt in diesem Steingarten einen neuen Platz gefunden, einen sehr würdigen Platz gefunden. Er kann also von der Nordbahntrasse aus auch gesehen werden und wir werden da sicherlich weiter auch aktiv bleiben, der Corona-Toten gedenken.

Ich weiß, dass der Martin Michels da jetzt schon einiges vorhat, diesen Stein auch in einer besonderen Weise zur Geltung zu bringen.

DOMRADIO.DE: Das war sicherlich nicht so ganz einfach, diesen 800 Kilo-Koloss durch die Stadt zu transportieren, oder?

Kleine: Das hat funktioniert, es war aber schon ein Akt, den auf den Platz zu bringen. Das ging aber noch relativ flott. Aber den jetzt vom Platz runterzuholen und dann an die Nordbahntrasse zu bringen, war schon eine organisatorische Glanzleistung, insbesondere meiner Sekretärin, der Gabriele Koch, die sich da sehr ins Zeug gelegt hat.

Allein die Genehmigung der Stadt zu bekommen, die Nordbahntrasse befahren zu dürfen, dann einen LKW zu bekommen, der dann auch über einen Ausleger verfügt, dass er den ein paar Meter weiter absetzt, also über die Mauer bei dem Martin Michels heben kann. Das hat uns jetzt schon ein paar Wochen Nerven gekostet.

Hätte ich am Anfang nicht gedacht, dass das so ein Aufwand wird. Aber wir haben es wie immer geschafft.

DOMRADIO.DE: Und es lohnt sich. Sie möchten den Charakter des Gedenksteins noch durch eine Aufschrift dokumentieren. Was schwebt Ihnen da vor?

Kleine: Wir sind im Gespräch mit Martin Michels, aber haben uns noch nicht entschieden, weil wir auch noch versuchen wollen, diesen Stein in anderer Weise zur Geltung zu bringen. Es gibt die Idee, ein richtiges kleines Denkmal in dem Steingarten für die Corona-Toten zu errichten. Noch ist Corona ja auch aktiv, noch wird an Corona gestorben. Weiter im Verborgenen. Das ist noch lange nicht vorbei.

Es ist noch ein aktives Mahnmal, dass jetzt im Steingarten von Martin Michels steht. Wir werden sicherlich eine sehr gute Möglichkeit finden, da eine Aufschrift anzubringen, die dann an diese Zeiten erinnern und uns mahnen wird, gut miteinander umzugehen.

DOMRADIO.DE: Corona wird uns weiter beschäftigen, sagen Sie. Das ist ja auch tatsächlich so, auch gerade jetzt, wenn es Richtung Winter geht. Was ist denn mit den traditionellen Martinszügen im November? Bonn hat seinen, den zentralen Zug, abgesagt. In Wuppertal gibt es eine andere Entscheidung.

Kleine: In Wuppertal haben wir letztes Jahr schon vier Pläne gehabt, wie wir den Martin kommen lassen können. Es gab letztes Jahr schon die Überlegung, den sogenannten Martinsritt zu machen. Da hätten die Leute links und rechts an der Straße gestanden. Schlussendlich hat uns dann der Lockdown einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Martin ist trotzdem auf dem Laurentiusplatz gewesen und wir haben eine Martins-Aktion ins Internet übertragen.

In diesem Jahr planen wir den Martin durchs Viertel ziehen zu lassen. Nach der Corona-Schutzverordnung dürfen bis 2500 Personen ohnehin ohne Auflagen ziehen. Das ist, glaube ich, in allen Städten so. Aktuell bis zum 29.10. gibt es überhaupt keine Auflagen seitens des Landes. Es gibt eine Empfehlung Masken zu tragen. Jetzt ist Sankt Martin am 10.11. (Vorabend, Anm. d. Red.) Das ist natürlich ein bisschen speziell, wenn die Verordnung am 29.10. ausläuft.

Wir machen das hier in Wuppertal, indem wir eine Ticket-Ausgabe haben. Im Moment gebe ich Tickets aus und wenn ich die Marke 2500 erreiche, dann weiß ich, dass ich bei einem Zutritt, wenn die Coronaregeln verschärft werden sollten, 3G garantieren muss. Das werden wir schaffen.

Wir sind hier in Wuppertal organisatorisch so gut aufgestellt, dass wir auf jeden Fall den Martin ziehen lassen können, wenn nicht von ganz oben irgendwann wieder kommt, dass es jetzt verboten ist. Aber das kann sich in Wuppertal keiner vorstellen. Weder der Oberbürgermeister, noch der Bezirkspolizist, noch die Feuerwehr kann sich vorstellen, dass der Martinzug abgesagt werden muss. Und deswegen wird der Martin hier in Wuppertal ziehen.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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