Mann mit Mundschutz in Südafrika
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09.07.2021

Rasant steigende dritte Corona-Welle in Afrika "Das Schlimmste kommt noch"

Afrika erlebt nach UN-Angaben die stärkste Zunahme von Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie. Dabei sei ein Ende des rasanten Anstiegs noch Wochen entfernt. Unterdessen vereinbart Unicef Impfstofflieferungen.

Mit mehr als 251.000 neu registrierten Ansteckungen in der Woche bis zum 4. Juli liege die Rate zwölf Prozent über dem Spitzenwert während der zweiten Welle im Januar, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO am Donnerstag in Genf mit. Das Schlimmste komme noch, erklärte die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti.

Unterdessen vereinbarte das UN-Kinderhilfswerk Unicef die Lieferung von bis zu 220 Millionen Impfdosen bis Ende nächsten Jahres.

Impfstofflieferungen aus Spenden

Laut WHO verzeichnen inzwischen 16 afrikanische Staaten einen Neuanstieg der Infektionen. In zehn Ländern sei die Delta-Variante des Virus entdeckt worden. Als Hoffnungszeichen bewertete die UN-Organisation die Wiederaufnahme von Impfstofflieferungen, nachdem sie im Mai und Anfang Juni fast zum Erliegen gekommen seien. In den vergangenen beiden Wochen seien über 1,6 Millionen Dosen im Rahmen der internationalen Covax-Initiative ausgeliefert worden. Mehr als 20 Millionen weitere würden aus den USA erwartet. Auch Norwegen und Schweden hätten Spenden zugesagt.

Die Lieferungen könnten angesichts der dritten Welle nicht schnell genug kommen, sagte Moeti. Bislang verfügen der WHO zufolge nur zwei Prozent der Afrikaner über vollen Impfschutz. Die bislang 50 Millionen verabreichten Dosen entsprechen laut den Angaben 1,6 Prozent aller Corona-Impfungen weltweit.

Unicef schließt Lieferabkommen ab

Unterdessen schloss Unicef ein erstes Lieferabkommen mit dem Hersteller des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson. Wie das Hilfswerk am Donnerstag in Genf mitteilte, sollen bis Ende dieses Jahres rund 35 Millionen von insgesamt 220 Millionen Dosen für die Afrikanische Union geliefert werden. Ziel der Union sei, in jedem ihrer 55 Mitgliedsländer 60 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren.

Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore kritisierte den Zugang zu Vakzinen für die afrikanischen Staaten als "ungleich und unfair". Mit Blick auf die niedrige Impfrate sagte sie, dies könne "nicht so weitergehen". Zugleich nannte Fore die weltweite Impfkampagne gegen das sich ausbreitende und mutierende Virus "eine der größten und komplexesten medizinischen Unternehmungen" in der Geschichte.

Unicef verfügt durch seine Impfkampagnen für Kinder weltweit über jahrzehntelange Erfahrung in der Beschaffung und Verteilung von Vakzinen und ist nach eigenen Angaben der größte einzelne Impfstoffkäufer weltweit. Die jetzt getroffene Liefervereinbarung mit dem belgischen Pharma-Produzenten Janssen Pharmaceutica beinhaltet eine Option auf zusätzliche 180 Millionen Dosen des Einfach-Impfstoffs von Johnson & Johnson. Damit wären bis Ende 2022 insgesamt 400 Millionen Corona-Impfungen für Afrika verfügbar. Hinzu kommen Kontingente aus dem Covax-Programm, bilateralen Verträgen und Spenden.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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