Menschen mit Mund-Nase-Schutz stehen dicht an dicht in Mumbai, Indien
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Menschen in Schutzanzügen tragen den Sarg eines verstorbenen Corona-Patienten in Jammu, Indien
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Pilgerfest Kumbh Mela in Indien unter Corona-Bedingungen
Pilgerfest Kumbh Mela in Indien unter Corona-Bedingungen

27.04.2021

Hilfswerk Missio macht religiöse Feste für indischen Corona-Ausbruch mitverantwortlich "Millionen von Menschen"

In Indien sind die Corona-Infektionszahlen weiterhin auf Rekord­niveau. Ein Grund für die katastrophalen Zahlen könnten Großveranstaltungen und religiöse Feste sein, meint Bettina Leibfritz vom katholischen Missionswerk Missio im Interview.

DOMRADIO.DE: Was ist da schiefgelaufen, ist das der neuen Virus-Mutation zuzuschreiben?

Bettina Leibfritz (Indien-Referentin des internationalen katholischen Missionswerkes Missio): Diese Mutante ist wohl sehr viel ansteckender als das, was vorher kursierte. Diese sogenannte zweite Welle, wie sie jetzt genannt wird, führt man auf Massenveranstaltungen zurück, die wieder erlaubt wurden. Im März gab es ein religiöses Fest, Ardh Kumbh Mela, wo einfach Millionen von Menschen zusammengekommen sind. Diese Veranstaltung wurde von der Regierung noch als sicher eingestuft.

Und dann gab es auch das indische Frühlingsfest Holi. Das wurde auch mit vielen Zusammenkünften, viel Alkohol und keinerlei sozialer Distanz mehr gefeiert. In vier Bundesstaaten wurden zudem Wahlen abgehalten. Da gab es auch Massenveranstaltungen.

DOMRADIO.DE: Im vergangenen Jahr setzte Präsident Modi einen harten, zweimonatigen Lockdown durch, der vor allem die Ärmsten traf, die nicht mehr auf die Straße durften. Das ist eine sehr schwierige Lage jetzt, oder?

Leibfritz: Ja, so wie es gerade aussieht, hat Modi aus dem Desaster des ersten Lockdowns gelernt, wo auch Massenbewegungen begonnen haben. Damals wollten die ganzen Arbeitsmigranten in ihre Dörfer zurück, weil sie in der Großstadt nicht mehr überlebensfähig waren. Es war eine totale Katastrophe, was dieser erste Lockdown zur Folge hatte.

Jetzt werden nur noch regionale Lockdowns verhängt. In Neu Delhi zum Beispiel ist seit letzter Woche die Stadt Delhi im Lockdown. So hat man besser im Blick, was die sozialen Folgen davon sind.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet diese Lage denn für die Christen im Land? Die haben es ja ohnehin schon als religiöse Minderheit in Indien schwer.

Leibfritz: Ich habe keine speziellen Diskriminierungen aufgrund der Corona-Situation feststellen können. Es war eher so, dass in der ersten Welle die Muslime verantwortlich gemacht wurden. Das waren ganz schnell die Schuldigen für diese Verbreitung. Es gab eine muslimische Veranstaltung, wo es wohl viele Infizierte gab. Dann war die muslimische Bevölkerung plötzlich zuständig, den Virus zu verbreiten - so eine Art Verschwörungstheorie.

Die Christen habe ich nicht in direktem Zusammenhang mit Corona bedroht gesehen. Es war eher so, dass die 174 Diözesen in Indien sehr stark mitgeholfen und sehr viel unternommen haben, um Nothilfe in der gesamten Bevölkerung zu leisten.

DOMRADIO.DE: Was kann denn das katholische Missionswerk Missio jetzt von hier aus tun, um die Projektpartner in Indien in der derzeitigen Lage zu unterstützen?

Leibfritz: Wir hatten im März, April letzten Jahres viele Nothilfe-Anträge und haben da auch viel gemacht. Da ging es um die Versorgung der armen Familien, die einfach vom Hunger oder gar vom Hungertod bedroht waren. Solche Anträge bekomme ich im Moment nicht. Das kann aber noch kommen.

Ich denke, was wir im Moment tun, ist auch eine Art von emotionaler Unterstützung. Sie schildern uns oft ihre Situation, ohne irgendeine ganz konkrete Hilfe zu erwarten.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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