Anzeigetafel in der Fußgängerzone der Kölner Innenstadt
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Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine
Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine
Ein Mitarbeiter der Ordnungsamtes patrouilliert an der abgesperrten Rheinpromenade in Köln
Ein Mitarbeiter der Ordnungsamtes patrouilliert an der abgesperrten Rheinpromenade in Köln

19.04.2021

Wie hilfreich sind Ausgangsbeschränkungen in der Pandemie? "Es gibt leider die Unvernünftigen"

In Köln gilt eine Ausgangsbeschränkung ab 21 Uhr. Treffen in Gruppen sollen so verhindert werden. Gerade die, die sich an alle Regeln halten, sind frustriert. Der Kölner Stadtdechant versteht das, findet aber die Beschränkung dennoch wichtig.

DOMRADIO.DE: Was sagen Sie zu der Ausgangsbeschränkung?

Monsignore Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant:) Ich sehe nur die Zahlen auf den Intensivstationen und sehe, dass wir diese Pandemie weiter oder neu in den Griff bekommen müssen. Deshalb finde ich alles, was eine Ansteckung und Ausweitung verhindern kann, gut. Wenn es auch Überlegungen gibt, dass eine solche Ausgangssperre verhindert, dass einige sich anstecken, dann finde ich sie auch gut. Solange die Zahlen steigen, ist das ein Mittel, das man versuchen sollte und deshalb heiße ich das gut.

DOMRADIO.DE: Es gibt Menschen, die im Homeoffice sind und abends noch ihre Kinder betreuen. Die gehen teilweise gerne nach 21 Uhr an die frische Luft. Das heißt, diese Beschränkung trifft natürlich auch immer die, die beispielsweise keine illegalen Partys feiern. Ist das angemessen?

Kleine: Ich glaube, dass die meisten Maßnahmen gerade die treffen, die vernünftig sind. Wenn sich alle an das Normale halten würden, was geboten ist, dann bräuchte es viele andere Maßnahmen nicht. Aber es gibt leider die Unvernünftigen. Ob die sich jetzt davon abhalten lassen, weiß man noch nicht. Aber ich glaube, wir sollten da in Solidarität zusammenstehen. Jetzt soll es bundesweit auf 22 Uhr angehoben werden und vielleicht auch Spaziergänge bis 24 Uhr erlaubt werden.

Klar, man kann nicht Konzerte besuchen, ins Kino oder Theater gehen. Man kann auch nicht viele Freunde besuchen, da in Köln beispielsweise nur einer erlaubt ist, der einen anderen Haushalt besucht. Wenn wir es durchstehen und wir es in kurzer Zeit schaffen, die Zahlen runterzubringen, dann denke ich, könnte man auch darauf verzichten. Es ist immer ein Einschnitt, es ist ein Einschnitt in die Freiheit, die wir lieben.

Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, gerade mit Kindern, mit der Arbeit, die abends mal frische Luft schnappen möchten. Das tue ich auch gerne. Ich muss gestehen, gestern Abend war ich draußen und habe auf die Uhr geguckt und mich gesputet, damit ich um 21 Uhr wieder zu Hause war. Aber es hat geklappt und es ist doch nur noch für die Zeit, bis wirklich so viele geimpft sind, dass man lockern kann.

DOMRADIO.DE: Sie leben mitten in Köln. Sind Ihnen seit den Ausgangsbeschränkungen denn Unterschiede aufgefallen oder war es auch vor diesem Wochenende schon sehr ruhig um die Uhrzeit?

Kleine: Es war immer schon ruhiger, da keine Gastronomie in der Stadt geöffnet hat. Gerade am Wochenende merkt man das. Ich habe aber auch gemerkt, dass grundsätzlich tagsüber viele Menschen unterwegs waren, auch wenn keine Geschäfte geöffnet hatten, sobald die Sonne schien. Dann ist natürlich viel los. Aber die Ausgangsbeschränkung am Samstagabend habe ich schon gemerkt und auch am Sonntag, dass es wirklich fast ausgestorben war.

Das zeigt doch auch, dass viele Verständnis dafür haben und sich zusammenreißen. Ich hoffe, dass diese Phase dann auch ziemlich schnell vorbei ist. Es geht darum, dass wir verhindern, dass es in unserer Stadt keine freien Intensivbetten mehr gibt. Es gab am Freitag noch 23 und man stelle sich vor, es hat jemand einen Herzinfarkt, es gibt einen Unfall. Da sind wir wirklich auf einer Gratwanderung. Dann schränke ich das gerne ein und gehe abends nicht spazieren.

DOMRADIO.DE: Immer wieder geraten auch die Kirchen in die Kritik, weil sie an Präsenz-Gottesdiensten festhalten, wenn auch mit strengerem Hygiene-Konzept. Denken Sie manchmal darüber nach, dass Sie auch noch mit ins Rad greifen und wieder nur Online-Gottesdienste aus dem Kölner Dom übertragen werden sollten?

Kleine: Ich glaube, dass wir Rechte haben. Auch die Grundrechte, die im Grundgesetz verankert sind. Da gibt es die Demonstrationsfreiheit, man kann ja auch weiter demonstrieren, sogar gegen die Corona-Bestimmungen. Aber man muss dann Maske und die anderen Regeln einhalten. Und dazu gehört dann natürlich auch die Religionsfreiheit.

Gottesdienste fallen darunter und ich glaube, da gilt dasselbe wie bei der Demonstrationsfreiheit. Man muss alle Regeln einhalten. Ich habe noch nicht gehört, dass von einem der Gottesdienste etwas Negatives ausgegangen ist. Wenn Sie unsere Gottesdienste anschauen, sind die in allen Bestimmungen entsprechend der Coronaschutzverordnung. Viele Menschen kommen auch nicht, die dann eben über den Stream und digital mitfeiern. Ich glaube, dass wir so einen guten Modus gefunden haben. Das betrifft ja nicht nur die christlichen Kirchen, sondern auch die Synagogen-Gemeinde, die Moscheen-Gemeinden. Da hält man sich in der Regel an die Vorschriften und fährt damit ganz gut. 

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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