Corona-Krise fördert Einsamkeit von Studierenden
Corona-Krise fördert Einsamkeit von Studierenden
Pfarrer Stefan Wißkirchen in der Kapelle der KHG Düsseldorf
Pfarrer Stefan Wißkirchen in der Kapelle der KHG Düsseldorf

28.02.2021

Studieren in der Pandemie "Es fällt manchen ganz schön schwer"

Seit fast einem Jahr herrscht Digitalbetrieb an den Hochschulen. Die Hörsäle sind leergefegt. Gelernt wird aus der Studentenbude oder aus einem Zimmer bei den Eltern. Wie geht es den Studierenden?

DOMRADIO.DE: Was ist Ihr Fazit? Können die Studierenden noch?

Stefan Wißkirchen (katholischer Hochschulpfarrer in Düsseldorf): Es fällt manchen ganz schön schwer. Also wie uns allen das wahrscheinlich schwer fällt. Also Studierende sind da nicht andere Menschen als die anderen Menschen, die in dieser Pandemie so leben. Ich glaube, was den Studierenden so ein bisschen auffällt in der letzten Zeit, ist, dass halt viel über Öffnungen gesprochen wird und dass über Hochschulen aber in dem Zusammenhang zumindest sehr wenig gesprochen wird. Und es trifft natürlich tatsächlich zu, das was Sie da gerade angesprochen haben: Es ist für manche nicht so ganz leicht, jetzt mal wieder zu Hause zu sein, mit Mama und Papa wieder das Haus zu teilen. Wir alle können uns daran erinnern, wenn wir denn zu Hause ausgezogen sind, wie das denn dann so war. Das ist keine ganz leichte Situation und ich bewundere aber auf der anderen Seite viele Studierende, die es auch wirklich gut hinbekommen, die doch zuversichtlich auch in manchen Situationen sind. Man erlebt wirklich eine ganz große Bandbreite. 

DOMRADIO.DE: Also ich fühle mich jetzt so ein bisschen an meine eigenen Studienzeiten zurückerinnert, muss ich sagen. Ich saß da so alleine auf 25 Quadratmetern und ich muss sagen, ich glaube, ich hätte mich da ziemlich alleine gefühlt. 

Wißkirchen: Ja und das ist, glaube ich, auch für viele so. Den Leuten, die jetzt aus Deutschland kommen, fällt das noch relativ leicht. Also die können halt auch mal nach Hause, die können irgendwie auch anders Kontakt haben. Aber wir haben jetzt zum Beispiel einen jungen Mann, der Anfang des Jahres aus Ghana gekommen ist mit dem katholischen Akademischen Austauschdienst. So, der kannte hier niemanden und stand auf einmal in seinem Wohnheim auf seinen 15 Quadratmetern und musste dann gucken: Wie komme ich überhaupt hier an? Und da bin ich sehr dankbar, dass wir gerade den internationalen Studierenden, von denen es hier in Düsseldorf etwa 15 Prozent gibt, wirklich gut zur Seite stehen können. Manche haben ja auch finanzielle Nöte in diesen Zeiten. Viele der guten Jobs sind weggefallen. Und da bin ich dankbar, dass wir da aufgrund der großzügigen Hilfe, die wir vom Bistum bekommen, anderen helfen können. Aber wir sind natürlich dankbar für jede Hilfe, die wir da weitergeben können. Und besonders schön finde ich, unser Pastoralreferent, der sich ja viel um die internationalen Studierenden hier bemüht, hat zum Beispiel einige von denen, die um Hilfe gebeten haben, weil sie ihren Job verloren haben, als Hygiene-Helfer untergebracht. Also er hat denen gesagt: Guck mal, da gibt's eine tolle neue Arbeitsmöglichkeit: Wir haben hier den Kindergarten, wir haben hier eine andere Einrichtung, wo du als Hygiene-Helfer jetzt in dieser Zeit arbeiten kannst. Und da bin ich einfach sehr sehr dankbar, dass wir so ein gutes Netzwerk haben. 

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn den Eindruck, dass sich im letzten halben Jahr die Atmosphäre nochmal verändert hat? 

Wißkirchen: Ja, also da kann ich sogar für mich selber reden. Also ich sag mal so, letztes Jahr hatte man noch mehr so die Energie und sagte: Ja, das stehen wir jetzt durch und das wird schon. Und es zieht sich natürlich jetzt sehr, sehr lange hin. Auf der anderen Seite wissen wir ja nicht, wie es weitergeht. Also diese Perspektivlosigkeit ist natürlich, glaube ich, für jeden irgendwie schwierig. Auf der anderen Seite bin ich dann aber auch wieder dankbar, dass sich Studierende hier auch gegenseitig stützen und dass wir in unseren begrenzten Möglichkeiten dann doch auch ein offenes Haus an mancher Ecke haben. 

Wir haben die Gartenstühle schon wieder so präpariert, dass man sich auch mal eine Stunde hier in die Sonne setzen kann. Und eine warme Decke haben wir zur Not auch noch, wenn es kalt ist. Und was für mich eine besondere Freude ist, ist dass der eine oder andere dann kommt und hier Klavier spielt, die Trompete auspackt oder was auch immer. Und das höre ich dann manchmal bis in mein Büro und das beflügelt mich, weil Musik ist ja etwas, was in so einer Zeit wirklich helfen kann, was Hygiene für die Seele ist, die wir ja auch manchmal brauchen. Deswegen finde ich es einfach gut, dass wir in der Begrenzung trotzdem offen sind. 

DOMRADIO.DE: Und es ist nochmal ein bisschen Leben in der Bude. Ich glaube, das macht einen großen Unterschied. Jetzt sind Krisenzeiten ja auch häufig Zeiten, in denen Menschen notgedrungen so ein bisschen in sich gehen, wenn sie auf ihren 15 Quadratmetern hocken, und dann ab und zu auch in eher tiefe Sinn- oder Existenzkrisen kommen. Ist das bei Ihnen an der KHG auch merkbar? 

Wißkirchen: Es ist ja so, dass so eine Krise, wie wir sie gerade erleben, tatsächlich viel an Zukunftsangst mit sich bringt. Ist Studium überhaupt was für mich? Was will ich mit meinem Studium? Nach so einer Krise kann ich studieren, ohne dass ich eine Hochschule besuche. Also ich spreche mit Studierenden manchmal, die hier noch nie in der Bibliothek waren. Das kann ich mir für mein Studium gar nicht vorstellen, wie das funktioniert. Ich bewundere die, wie die manches durchstehen und ich glaube, die brauchen einfach viel, viel Zuspruch für die Entscheidung, die sie gut treffen. Und wir wissen ja, das ist eine alte Regel: keine Entscheidung in der Krise. Also helfen, dass wir diese Krise, die eine innerliche und eine äußerliche Krise ist, zusammen durchstehen und dann die guten Entscheidungen treffen, die für die Zukunft von jungen Menschen, wie ich sie hier an der Katholischen Hochschulegemeinde und in der Hochschullandschaft in Düsseldorf erlebe, wirklich ermöglichen, dass sie sich gut entscheiden können, was sie eigentlich aus ihrem Leben machen wollen.

(DR)

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