Aschermittwoch der Künstler
Aschermittwoch der Künstler
Künstlerseelsorger Prälat Josef Sauerborn
Künstlerseelsorger Prälat Josef Sauerborn
Der "Aschermittwoch der Künstler" steht für eine Begegnung zwischen Kirche und Kunst
Der "Aschermittwoch der Künstler" steht für eine Begegnung zwischen Kirche und Kunst

17.02.2021

Künstlerseelsorger über alternativen "Aschermittwoch der Künstler" Ein Konzert gibt es trotzdem

Eucharistiefeier, Begegnung und kulturelles Programm: Das alles findet normalerweise am "Aschermittwoch der Künstler" statt. Der Kölner Künstlerseelsorger Prälat Josef Saubernorn hat für dieses Jahr eine Alternative finden müssen.

DOMRADIO.DE: Der "Aschermittwoch der Künstler" hat ja Tradition. Wie wird er in diesem Jahr stattfinden?

Prälat Josef Sauerborn (Domkapitular und Künstlerseelsorger im Erzbistum Köln): Weil schon vor langer, langer Zeit für mich zumindest absehbar war, dass eine öffentliche Veranstaltung über den Tag hinweg nicht möglich sein wird, habe ich schlussendlich den Aschermittwoch der Künstler als öffentliche Veranstaltung abgesagt – immer in der Hoffnung, es könnte sich noch was drehen und wenden. Denn ein Wesenselement dieses Aschermittwoch ist doch die persönliche Begegnung der 300-400 Künstlerinnen und Künstler, die zusammenkommen. Das macht den Reiz aus. Auch der Museumsbesuch in der Kolumba und natürlich eine musikalische Darbietung gegen Abend.

Das alles ist nicht möglich, sodass ich mich entschieden habe – da waren natürlich auch andere daran beteiligt – ein Orgelkonzert anzubieten. Im Live-Stream, übertragen vom Domradio und auch vom Fernsehsender EWTN im Kölner Dom, gespielt von unserem Domorganisten Professor Winfried Bönig. Und zwar ein Orgel-Werk von Olivier Messiaen, "Livre du Saint-Sacrement."  Es geht um die Eucharistie. Und das wird in 18 Orgelstücken aufgebaut. Und dazu werden auch Texte eingeblendet, die Messiaen selbst zu seinem Orgel-Werk verfasst hat.

DOMRADIO.DE: Das heißt, der Aschermittwoch der Künstler in diesem Jahr fällt nicht aus, sondern wird online stattfinden. Was wird Ihnen denn ganz besonders fehlen?

Sauerborn: Der Kontakt mit den Vielen, die man da wieder sieht, die ja aus dem gesamten Bistum kommen und auch über die Bistumsgrenze hinweg. Das bedauere ich sehr. Das ist immer wieder schön. Viele sieht man immer wieder mal, aber andere nicht, weil sie eine längere Anreise haben. Da kommt man doch ins Gespräch, wie es einem geht, wie jetzt die Arbeit läuft und so weiter. Also der persönliche Kontakt, der fehlt mir jetzt am Aschermittwoch.

DOMRADIO.DE: Wie ergeht es Ihnen als Künstlerseelsorger? Wie halten Sie Kontakt?

Sauerborn: Einmal geht das telefonisch. Dann sind wir natürlich in der Regel zu zweit. Insofern ist das alles statthaft, wenn man sich da begegnet. In einem gewissen Sinne ist es ein beruflicher Zusammenhang, weil es hier nicht um einen einfachen Haushaltsbesuchs-Vorgang geht. Aber trotzdem eingeschränkt. Insofern geht das schon. Die Künstlerinnen und Künstler sehen sich in ihrer wirtschaflichen Situation sehr an den Rand gedrängt. Sie können so gut wie nichts an den Mann und an die Frau bringen, und das ist schon eine sehr, sehr schwierige Lage.

DOMRADIO.DE: Sie stehen ja auch mit vielen Künstlern aus wirklich allen Bereichen im engen Kontakt. Das kann man beim Aschermittwoch der Künstler in der Normalfassung immer wieder erleben. Was hören Sie denn so über die Lebenssituation der Künstlerinnen und Künstler in dieser Krisenzeit?

Sauerborn: Es gibt viele Künstlerinnen und Künstler, die ein aktives Atelierleben führen, das heißt, die in mehr oder weniger größeren Abständen immer wieder ihr Klientel an sich binden, durch Veranstaltungen musikalischer oder lyrischer Art. Das alles geht ja nicht. Also fällt diese Betreuung der ihnen verbundenen Frauen und Männer aus und damit natürlich auch mögliche Käufer und Käuferinnen ihrer Werke. Dazu kommt, dass nicht wenige Kunstschaffende in einem Jobverhältnis stehen. Also nicht unbedingt hauptberuflich etwas anderes machen, aber sich durch einen kleinen Berufsersatz um Geldeinnahmen kümmern müssen. Gerade die sind ja heute dann die ersten, die eben nicht mehr in eine geringfügige Anstellung reinkommen. Das ist ein ziemlich brutaler Vorgang.

DOMRADIO.DE: Es gibt ja auch immer wieder Kritik auch von Seiten der Künstlerinnen und Künstler, dass es nicht einfach genug geht, vom Staat Unterstützung zu bekommen. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Sauerborn: Das kann ich nachvollziehen. Es ist natürlich eine ganz schwierige Lage. Da sind zum großen Teil Kleinst-Selbstständige, wenn man das mal ökonomisch ausdrücken darf, die aber jetzt keinen planbaren Umsatz haben. Das fällt ja schon manchen Restaurants und ähnlichen Einrichtungen schwer. Wie soll das jemand tun, der vielleicht dann in einem Jahr gar kein Bild verkauft hat und in einem anderen vier, fünf Bilder?

Das berührt ja die offiziellen Museen hier nicht, weil die natürlich alle in staatlichen Zahlungszusammenhängen leben. Das betrifft wirklich die Freischaffenden und das ist die große Zahl der Künstlerinnen und Künstler. Ich rede jetzt von den Maler und Malerinnen. Dazu gehören natürlich auch die Interpretinnen und Interpreten, musikalisch, schauspielerisch. Ich wüsste nicht, dass es da wirklich bestandsfähige Erhebungen gibt, wie das in Wirklichkeit aussieht in unserem Land.

DOMRADIO.DE: Wie können Sie denn jetzt helfen? Oder wie können wir auch in dieser Situation helfen?

Sauerborn: Einmal wirklich durch klare Unterstützung. Die größte Unterstützung ist, dass man Aktionen und Bildwerke der Künstler anschafft, wenn man sich interessiert. Ansonsten unterstütze ich auch, wo immer es möglich ist, Vorhaben, die jetzt eben durchhängen. Dann natürlich auch, indem man spendet. Das kann man bei uns machen, aber auch anderswo, wo man dann vielleicht einen kleinen Geldhintergrund erwirtschaften kann, um vielleicht größer zu helfen.

Aber das Wichtigste ist tatsächlich, dass man das Interesse behält und nach Möglichkeit, sobald wieder Ausstellungen und Galeriebesuche möglich werden, das dann auch zeigt. Aber da hab ich großes Zutrauen. Im vergangenen Jahr konnten wir nur eine einzige Ausstellung machen, im Maternushaus. Das war, glaube ich, im Juli. Da war ich so erstaunt. Das war ja auch schon mit Masken und solchen Dingen, aber es kamen so um die hundert Leute. Da sah man einfach einen Hunger nach Kultur. Da sage dann auch viele, dass sie das nicht mehr aushalten.

DOMRADIO.DE: Wie kommen Sie denn sonst so persönlich als Priester durch diese Zeit? Fällt Ihnen die Decke auf den Kopf?

Sauerborn: Man ist ja durch den Zölibat das alleine leben irgendwie gewohnt und ich bin ja schon fast 50 Jahre Priester. Ganz so neu ist mir das jetzt nicht mehr. Aber es ist natürlich schade, dass man keine spontanen Kontakte herstellen kann, sei es familiär oder sei es im Freundeskreis. Das alles ist ja irre kompliziert. Ich halte viele Recollectionen im Bistum. Das ist der Fachbegriff für geistliche Zusammenkünfte, wo ich dann Impulse gebe. Die sind fast alle flachgefallen. Das jetzt über Monate, das ist ja jetzt nicht eine Sache von mal einer Woche oder zwei Wochen. Das spürt man natürlich einfach. Das bedauere ich, weil ich auch den Austausch mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern immer sehr geschätzt habe und nach wie vor schätze. Ich hoffe, irgendwann geht es wieder los und jetzt. Beim gottesdienstlichen Leben bin ich ja im Dom eingebunden. Ich bin öfters bei den Karmelitinnen, da konnte ich auch die großen Tage von Karfreitag und Ostern feiern. Insofern war ich da ganz gut aufgehoben.

(DR)

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