Menschen mit Biergläsern in einer Kneipe
Menschen mit Biergläsern in einer Kneipe
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim
Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

22.12.2020

Bischof Wilmer erzählt Weihnachtsgeschichte am Tresen Festliches in einer Kneipe

Man kann es als eher ungewöhnlich bezeichnen, wenn die Weihnachtsgeschichte in einem ökumenischen Gespräch in einer Kneipe erzählt wird. Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist einer der Protagonisten. Wie kam es zu der Idee?

DOMRADIO.DE: Die Weihnachtsgeschichte am Tresen in der Kneipe erzählen. Das könnte bei den Menschen gut ankommen, haben Sie sich gemeinsam mit Ihrem evangelischen Amtskollegen, Landesbischof Ralf Meister, überlegt. Also haben Sie zusammen ein 15-minütiges Video gedreht, welches Sie an Heiligabend online stellen. Warum haben Sie sich für diese ungewöhnliche Darstellungsform entschieden?

Bischof Heiner Wilmer (Bischof von Hildesheim): Entstanden ist diese Form zusammen im Gespräch mit Landesbischof Ralf Meister. Wir haben gesagt, es ist wichtig, dass wir als Kirche präsent sind, dass wir bei den Menschen bleiben und dass wir dorthin gehen, wo die Menschen sind. Es werden Gottesdienste an völlig ungewöhnlichen Orten gefeiert: auf Bauernhöfen, Schulhöfen, größeren Plätzen und sogar in Wohnzimmern.

Wir gehen in die Kneipe, auch um unsere Solidarität mit der Gastronomie und vor allem auch mit anderen wirtschaftlichen Zweigen auszudrücken, die es im Lockdown sehr schwer trifft. Die Kneipe ist für uns ein hochaufgeladener Ort, der sich der Sehnsucht der Menschen nach Geborgenheit verschrieben hat.

DOMRADIO.DE: Jetzt bieten Sie den Gläubigen also ein 15-minütiges Video für Heiligabend an. Wie stehen Sie denn zu den Weihnachtsgottesdiensten oder zur Christmette? Sollen diese wegen der Pandemie mit oder lieber ohne Gläubige gefeiert werden?

Wilmer: Im Grunde genommen haben beide Formen ihre Berechtigung. Mir persönlich ist es wichtig, dass wir als Kirche viele Formen des Gebetes anbieten. Die Gottesdienste in den Kirchen, die Gottesdienste draußen an ungewöhnlichen Orten, auch die digitalen Angebote sind wichtig. Für die Gottesdienste in den Kirchen und an anderen Orten gelten strenge Hygienevorschriften. Es ist wichtig, dass wir alles tun, um uns nicht gegenseitig anzustecken. Wir haben monatelang Erfahrungen gesammelt und sie auch erprobt.

Gleichzeitig kann ich verstehen, dass manche Menschen den Weihnachtsgottesdienst lieber am Bildschirm oder Radio feiern möchten. Von daher bin ich persönlich sehr froh, dass wir in der Kirche so viele Möglichkeiten anbieten und so viele Seelsorgerinnen und Seelsorger haben, die sich engagieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

DOMRADIO.DE: Für viele Menschen ist die Zeit gerade nicht so einfach. Normalerweise kommt man mit der Familie zusammen, aber in diesem Jahr geht das nur begrenzt. Manche bleiben dann auch in ihren eigenen Familien und kommen nicht zusammen. Wie versuchen Sie den Menschen mit ihren ganz unterschiedlichen Problemen Hoffnung zu geben?

Wilmer: Ich persönlich lebe aus dem Vertrauen, dass Gott mich trägt, dass er uns trägt. Ich lebe aus dem Vertrauen, dass niemand tiefer fällt als in die Hände Gottes. Immer wieder spreche ich gern über den Psalm 91, in dem es doch so schön heißt: "Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, zu dem sagt der Herr 'Dir begegnet kein Unheil'. Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt." Mein Vertrauen ist es, dass wir gemeinsam zusammenstehen, gemeinsam den Heiligen Geist, der in uns lebt, uns wieder zu Bewusstsein führen lassen und dass wir unseren Glauben feiern.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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